--- name: bezirksvertreter description: "Prüft Rechte und Pflichten des Bezirksvertreters nach § 87 Abs. 2 HGB: Gebietsschutz, Provisionspflicht für alle Geschäfte im Bezirk unabhängig von der Mitwirkung, Abgrenzung des Gebiets, Beziehung zu Direktkunden und Key Accounts sowie Anforderungen an die Vertragsgestaltung des Bezirksvertreter..." --- # Bezirksvertreter nach § 87 Abs. 2 HGB — Gebietsschutz und Provisionsrechte ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 84-92c, EuGH zu Ausgleichsanspruch, BGB §§ 305 ff.; § 89b, Wettbewerbsverbot; § 90a und Vertriebsmodelle — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Überblick Dieser Skill unterstützt bei rechtlichen Fragen rund um Bezirksvertreter nach § 87 Abs. 2 HGB — Gebietsschutz und Provisionsrechte. Er deckt die wichtigsten Normen des deutschen Handelsvertreterrechts nach HGB §§ 84–92c ab und bezieht die EU-Handelsvertreterrichtlinie 86/653/EWG sowie BGH- und EuGH-Rechtsprechung ein. Ziel sind konkrete, umsetzbare Ergebnisse: Schriftsätze, Berechnungen, Vertragsentwürfe und Prüfvermerke. Sowohl die Handelsvertreter- als auch die Unternehmerseite werden abgedeckt. ## Mandantenfall - Bezirksvertreter C vermittelt Produkte des Unternehmers U in einem vertraglich definierten PLZ-Gebiet; U tätigt Direktabschlüsse mit Kunden in diesem Gebiet und zahlt keine Provision. - Unternehmer U behauptet, ein Online-Shop schließe den Gebietsschutz des Bezirksvertreters C aus; C prüft, ob dies rechtlich haltbar ist. - Bezirksvertreter C und Kollegenvertreter D bestreiten beide den Provisionsanspruch für einen Kunden, der in einem Grenzbereich der Bezirke liegt. ## Erste Schritte 1. Bezirksdefinition im Vertrag auf Eindeutigkeit und Vollständigkeit prüfen. 2. Alle Geschäfte im Bezirk aus Buchauszug und Abrechnung erfassen. 3. Online-Verkäufe: Prüfung, ob Lieferadresse im Bezirk liegt und ob vertragliche Regelung besteht. 4. Grenzfälle und Überschneidungen mit anderen Vertretergebieten klären. 5. Buchauszug auf fehlende Direktgeschäfte prüfen. 6. Provisionsanspruch berechnen und Stufenklage nach § 254 ZPO vorbereiten. ## Rechtsrahmen - § 87 Abs. 2 HGB — Provision für Geschäfte im zugewiesenen Bezirk - § 87 Abs. 1 HGB — Provisionsanspruch allgemein - § 87c HGB — Buchauszug und Abrechnung - § 86 HGB — Pflichten des Handelsvertreters im Bezirk - Art. 7 Abs. 2 RL 86/653/EWG — Gebietsschutz im EU-Recht - § 307 BGB — AGB-Kontrolle von Gebietsausnahmen ## Prüfraster - Ist das Vertretergebiet klar und eindeutig definiert? - Gilt die Provisionspflicht auch ohne aktive Mitwirkung des Vertreters (§ 87 Abs. 2 HGB)? - Gibt es wirksame Ausnahmen (Online-Kanal, Key Accounts, direkte Kunden des Unternehmers)? - Wie werden Online-Bestellungen mit Lieferadresse im Bezirk behandelt? - Sind Grenzfälle zwischen benachbarten Bezirken vertraglich geregelt? - Ist der Buchauszug vollständig genug, um alle Bezirksgeschäfte zu erfassen? ## Typische Fallstricke - Bezirksdefinition zu ungenau — Online-Kanal oder Direktkunden fallen heraus. - Provisionspflicht für Direktabschlüsse im Bezirk nicht klar vereinbart. - Online-Bestellungen als außerhalb des Bezirks gewertet — rechtlich zweifelhaft. - Überlappende Bezirke zwischen mehreren Vertretern führen zu Doppelprovisionsansprüchen. ## Hintergrund und Kontext Das deutsche Handelsvertreterrecht ist im fünften Buch des HGB in den §§ 84 bis 92c geregelt. Es setzt die EU-Handelsvertreterrichtlinie 86/653/EWG in nationales Recht um. Kernprinzipien: Selbständigkeit des Handelsvertreters, Provisionsanspruch, Informationsrechte, Ausgleichsanspruch bei Vertragsende sowie Schutz vor einseitiger Benachteiligung. BGH und EuGH haben das Handelsvertreterrecht durch zahlreiche Entscheidungen geprägt, insbesondere zur Berechnung des Ausgleichs, zur Richtlinienkonformität und zu Ausschlussgründen. Zwingende Vorschriften nach § 92c HGB können vertraglich nicht abgebedungen werden; entgegenstehende Klauseln sind nach § 134 BGB nichtig. Praktisch zentral: Provision (§ 87 HGB), Buchauszug (§ 87c HGB), Ausgleich (§ 89b HGB), Wettbewerbsverbot (§ 90a HGB) sowie Kündigung (§§ 89, 89a HGB). ## Quellen - [§ 87 HGB auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__87.html) - [§ 86 HGB auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__86.html) - [§ 87c HGB auf gesetze-im-internet.de](https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__87c.html) - [RL 86/653/EWG auf EUR-Lex](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A31986L0653) - [Dejure § 87 HGB](https://dejure.org/gesetze/HGB/87.html)