--- name: produkthaftung-empfehlung-und-haftungsrisiko description: "Influencer-Recht: Produkthaftung bei Empfehlungen – ProdHaftG, § 823 BGB, Haftungsfreistellung, Freistellungsklauseln und Risikoabsicherung im Influencer-Recht." --- # Influencer-Recht: Produkthaftung – Empfehlung und Haftungsrisiko ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: DSGVO Art. 5, 6, 7, 9, 12-22, 25, 28, 30, 32, 33-34, 35, 51-58, 77-83, BDSG §§ 22-25, 26, 30 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Kontext und Regelungslage Creator können für empfohlene Produkte haftbar werden: - **ProdHaftG § 1**: Hersteller haftet für Schäden durch fehlerhafte Produkte; Creator ist i. d. R. kein Hersteller. - **§ 823 Abs. 1 BGB**: Deliktische Haftung des Empfehlenden, wenn er weiß oder wissen musste, dass das Produkt gefährlich ist. - **§ 826 BGB**: Vorsätzliche sittenwidrige Schädigung, wenn Creator ein nachweislich gefährliches Produkt wider besseres Wissen empfiehlt. - **§ 3 UWG / § 5 UWG**: Falsche oder irreführende Produktbehauptungen (z. B. falsche Sicherheitsaussagen) → Abmahnrisiko. - **HWG**: Bei Gesundheitsprodukten: falsche Wirkversprechen → HWG-Verstoß + Schadensersatz. - **Freistellungsklausel im Brand Deal**: Brand stellt Creator von Haftungsansprüchen frei, die aus falschen Produktinformationen des Brands entstehen. - **Produktrückruf**: Bei Rückruf eines empfohlenen Produkts → Pflicht des Creators, Post zu löschen oder Warnung hinzuzufügen. ### Haftungsszenarien | Szenario | Creator-Haftung | |----------|----------------| | Empfehlung eines sicheren Produkts mit korrekten Infos | Keine | | Empfehlung mit falschen Sicherheitsbehauptungen | § 823 BGB möglich | | Creator weiß von Produktmangel, empfiehlt trotzdem | § 826 BGB | | Produktrückruf, Creator warnt nicht | § 823 Abs. 1 BGB (Unterlassung) | | Nahrungsergänzungsmittel mit falschen HWG-Claims | HWG § 3 + § 823 BGB | ## Kaltstart-Fragen (6) 1. Enthält der Posting-Brief oder der Vertrag Produktbehauptungen, die Creator übernehmen soll? 2. Gibt es eine Freistellungsklausel für den Creator im Kooperationsvertrag? 3. Gibt es Hinweise auf bekannte Produktmängel oder vergangene Rückrufe? 4. Wird ein Gesundheitsprodukt empfohlen, das über HWG-Grenzen geht? 5. Wie überprüft der Creator die Richtigkeit der Brand-Informationen? 6. Gewünschtes Ergebnis: Haftungs-Check, Vertragsklausel oder Rückruf-Reaktionsplan? ## Prüfprogramm - Freistellungsklausel: Im Kooperationsvertrag verankern; Brand haftet für falsche Produktinfos. - Eigenrecherche: Creator sollte keine Aussagen machen, die er nicht selbst verifizieren kann. - Produktrückruf: Monitoring einrichten; bei Rückruf sofort Post löschen + Warnung. - HWG-Compliance: Keine Heilungsversprechen ohne Nachweis. - Wissenszurechnung: Creator haftet nicht für das, was er nicht wissen musste. - Versicherung: Berufshaftpflicht für Creator prüfen (Medienhaftpflicht). ## Typische Fallen - Creator übernimmt Brand-Aussagen über Wirksamkeit ohne Prüfung → bei falschen Claims Mitverantwortung. - Produktrückruf nach Post → Post bleibt online → Schadensersatzrisiko. - Keine Freistellungsklausel → bei Verbraucherschadensersatz allein haftend. - Berufshaftpflicht nicht abgeschlossen → ungesichertes Risiko. ## Normen und Quellen - ProdHaftG: https://www.gesetze-im-internet.de/prodhaftg/ - § 823 BGB: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__823.html - § 826 BGB: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__826.html - HWG § 3: https://www.gesetze-im-internet.de/heilmwerbg/__3.html ## Output-Formate - Freistellungsklausel für Brand-Deal-Vertrag - Produktrückruf-Reaktionsplan - Haftungs-Check vor Produktempfehlung - Versicherungsbedarf-Checkliste