--- name: guidance-analystencall description: "Prueft wann ein Guidance-Update (Prognoseaenderung) zur Insiderinformation wird, koordiniert Ad-hoc und schreibt den Prognose-Passus im Insiderrecht Compliance." --- # Guidance Update / Prognoseänderung – Insiderrecht ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: WpHG §§ 13, 14, 15-15b (i.d.F. MAR), Marktmissbrauchs-VO (MAR) 596/2014, KWG, EU-VO 600/2014 (MiFIR), BörsG; WpHG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Rechtlicher Rahmen Eine wesentliche Änderung einer veröffentlichten Unternehmensprognose (Guidance) ist kurs- relevant und kann eine Insiderinformation begründen. Die Pflicht zur Ad-hoc-Veröffentlichung entsteht, sobald die Prognoseabweichung als präzise Information vorliegt – nicht erst beim Quartals- oder Jahresbericht. Maßgeblich ist die Abweichung vom zuletzt kommunizierten Ausblick und vom Analystenkonsensus. Rechtsgrundlagen: - Art. 7, 17 MAR: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R0596 - § 97 WpHG: https://www.gesetze-im-internet.de/wphg/__97.html - BaFin-Emittentenleitfaden Kap. VI.2 (Prognoseänderungen): https://www.bafin.de/dok/8252648 ## Ziel dieses Skills Dieser Skill identifiziert den Zeitpunkt, ab dem eine Prognoseänderung zur Insiderinformation wird, und steuert die Ad-hoc-Veröffentlichung oder deren Koordination mit dem Quartalsbericht. ## Arbeitsprogramm ### Schritt 1 – Prognose-Gap-Analyse - Aktuell veröffentlichte Prognose (zuletzt bestätigte Guidance) - Aktuelle interne Erwartung (Controller-Forecast, CFO-Update) - Analystenkonsensus (Bloomberg, Refinitiv) - Gap-Berechnung: Differenz in absoluten Zahlen und Prozent - Bewertung der Wesentlichkeit ### Schritt 2 – Präzisions- und Kursrelevanzprüfung - Ist die Prognoseabweichung auf einer hinreichend sicheren Datenbasis? (Monats-Abschlüsse bestätigt vs. frühe Indikationen aus KPIs) - Gilt die Information als präzise, wenn: Ergebnis des abgeschlossenen Quartals vorliegt oder durch belastbare Hochrechnung erhebliche Abweichung erkennbar ist - Kursrelevanz ex ante: Vergleich mit Markterwartungen ### Schritt 3 – Koordination mit Berichtskalender - Liegt der nächste Quartalsbericht in weniger als 10 Handelstagen? → Dann ggf. Bekanntgabe im Quartalsbericht möglich (restriktiv: nur wenn kein schuldhaftes Zögern) - Liegt nächster Bericht in mehr als 10 Handelstagen? → Separate Ad-hoc-Pflicht, wenn wesentliche Abweichung vorliegt - Praxis: Profit Warnings zeitnah mit eigenständiger Ad-hoc; keine Verzögerung ### Schritt 4 – Inhalt der Ad-hoc bei Prognoseänderung - Vorherige Prognose (Zitat) - Neue Prognose oder Bandbreite - Ursachen (präzise: konkrete Faktoren, keine Allgemeinplätze) - Ausblick und weitere Maßnahmen ### Schritt 5 – Eigengeschäfte und Insiderliste - Personenkreis, der die neue interne Prognose kennt: In Insiderliste aufnehmen - PDMR-Eigengeschäfte in der Phase bis zur Ad-hoc: Prüfung auf Art. 14 MAR-Verletzung - Nach Ad-hoc: Insiderliste schließen (Austrittsdaten)