--- name: sanierungsgewinn-debt-equity-swap-im-plan description: "Debt-Equity-Swap (DES) im Insolvenzplan und StaRUG-Plan. Forderungsumwandlung in Eigenkapital. Steuerliche Folgen nach KStG, EStG, GewStG. Werthaltigkeit der eingebrachten Forderung als Schluesselfrage. Paragraph 8b KStG, Paragraph 17 EStG, Paragraph 3 Nr. 40 EStG bei Veraeusserung. Abgrenzung zu..." --- # Sanierungsgewinn — Debt-Equity-Swap im Plan ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: InsO §§ 1, 13-22, 35, 39, 47, 55-56, 60, 80, 87, 129, 133, 174, 175, 270 ff., 286-300, StaRUG §§ 1, 29, 31; StaRUG §§ 1, 29, 31, 39, 49-55, 84, 102, IDW S 6, IDW S 11, InsO § 270 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachlicher Kern — Insolvenz- und Sanierungsrecht - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Sanierungsgewinn — Debt-Equity-Swap im Plan` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** InsO §§ 1, 13, 15a, 17, 18, 19, 21, 38 ff., 47, 49 ff., 55, 80, 103 ff., 129-147, 165 ff., 217 ff., 270 ff., 343; StaRUG; COVInsAG/Übergangsrecht nur bei Altzeiträumen; SGB III § 165. - **Verifizierte Anker:** BGH, Urteil vom 10.02.2005 - IX ZR 211/02 (Grenzen § 133 InsO bei Zwangsvollstreckung/verschlepptem Antrag als Klassiker); ausländische Verfahren: § 343 InsO Anerkennung, kein deutsches Chapter-15-Verfahren, häufig inzidente Prüfung durch Register, Grundbuch, Prozessgericht und Banken. - **Arbeitsmodus:** Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz. - **Outputpflicht:** Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Worum geht es Beim Debt-Equity-Swap (DES) tauscht ein Glaeubiger seine Forderung gegen Anteile an der Schuldnerin. Wirtschaftlich ist das ein Forderungsverzicht plus Kapitaleinlage. Steuerlich aber ist die Situation eigenstaendig, weil die Werthaltigkeit der eingebrachten Forderung entscheidet, ob ein Sanierungsertrag entsteht oder eine Einlage zu Anschaffungskosten. Dieser Skill arbeitet die KStG-, EStG- und GewStG-Folgen heraus. Adressat ist Plan-Anwalt, IV/Sachwalter und der StB des Schuldners. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen - Plan sieht eine Forderungsumwandlung in Eigenkapital vor. - Investor uebernimmt im Rahmen des Plans Anteile gegen Einbringung der Forderung. - Banken oder Bondholder werden zu Gesellschaftern. Kaltstart-Fragen: 1. Rechtsform der Schuldnerin (GmbH, AG)? 2. Hoehe der einzubringenden Forderung? 3. Wie hoch ist die Werthaltigkeit der Forderung am Stichtag (Bonitaet der Schuldnerin)? 4. Wer bringt ein (Bank, Bondholder, strategischer Investor)? 5. Soll die Einbringung als Kapitalerhoehung mit Sacheinlage oder als Kombinations-Modell erfolgen? ## Rechtlicher Rahmen - Paragraphen 217 ff. InsO — Plan-Mechanik. - Paragraph 225a InsO — Kapitalmassnahmen im Insolvenzplan, insbesondere Debt-Equity-Swap. - Paragraphen 4 ff. StaRUG — StaRUG-Plan; Paragraph 7 StaRUG zu Kapitalmassnahmen. - Paragraph 27 AktG, Paragraph 56 GmbHG — Sacheinlagepruefung. - Paragraph 3a EStG — Sanierungsertrag. - Paragraph 8b KStG — Beteiligungsertraege. - Paragraph 17 EStG — wesentliche Beteiligung. - Paragraph 3 Nr. 40 EStG — Teileinkuenfteverfahren. - BFH-Linie zur verdeckten Einlage bei nicht werthaltiger Forderung. ## / Schritt für Schritt 1. **Sacheinlagepruefung.** Welcher Wert wird der eingebrachten Forderung im handelsrechtlichen Kapitalerhoehungs-Verfahren beigemessen? 2. **Werthaltigkeit der Forderung am Stichtag pruefen.** 3. **Zwei steuerliche Sphaeren trennen:** - **Ebene Schuldnerin:** Verbindlichkeit faellt weg; Sanierungsertrag in Hoehe des nicht werthaltigen Teils der Forderung. - **Ebene Glaeubiger/Investor:** Anschaffungskosten der Beteiligung in Hoehe des werthaltigen Teils; Verzichts-Aufwand in Hoehe des nicht werthaltigen Teils. 4. **Paragraph 3a EStG-Pruefung** für den Sanierungsertrag auf Schuldnerebene. 5. **Plan-Klausel formulieren** (Paragraph 225a InsO bzw. StaRUG). 6. **Anteils-Bewertung** (insbesondere bei AG: Sacheinlagepruefung Paragraph 27 AktG). ## DES-Variante in zwei Schritten | Schritt | Wirkung Schuldnerin | Wirkung Glaeubiger/Investor | |---|---|---| | 1. Verzicht auf Forderung (in voller Hoehe) | Verbindlichkeit weg | Aufwand für den nicht werthaltigen Teil | | 2. Bareinlage / Sacheinlage in Hoehe der neuen Anteile | Eigenkapital steigt | Anschaffungskosten der Beteiligung | In der Praxis erfolgt der Vorgang oft als kombinierte Einlage: die Forderung wird als Sacheinlage eingebracht. ## Trade-off-Matrix | Konstellation | Wirkung Schuldnerin | Wirkung Glaeubiger | |---|---|---| | Forderung voll werthaltig | kein Sanierungsertrag | Anschaffungskosten = Nennwert Forderung | | Forderung teilweise werthaltig | Sanierungsertrag in Hoehe des nicht werthaltigen Teils | Anschaffungskosten = werthaltiger Teil; Aufwand = nicht werthaltiger Teil | | Forderung nicht werthaltig | voller Sanierungsertrag | Anschaffungskosten ueberschaubar; voller Aufwand | | Glaeubiger ist GmbH/AG | Paragraph 8b KStG für kuenftige Beteiligungsertraege | 5% Pauschalbesteuerung Paragraph 8b Absatz 5 KStG | | Glaeubiger ist natuerliche Person | Paragraph 17 EStG / Paragraph 3 Nr. 40 EStG bei Veraeusserung | Teileinkuenfteverfahren | | Cramdown auf Anteilseigner (Paragraph 225a Absatz 3 InsO) | bestehende Anteilseigner werden verdraengt | rechtssichere Anteilsuebernahme | ## Praxistipps der alten Hasen 1. **Werthaltigkeitsgutachten frueh einholen.** Im DES haengt alles am Wert der eingebrachten Forderung. Spaeter rekonstruierte Werthaltigkeit reicht selten. 2. **Paragraph 27 AktG-Sacheinlagepruefung nicht unterschaetzen** bei AG. 3. **Plan-Klausel Paragraph 225a InsO** liefert die rechtssichere Umgehung der Zustimmung der Altgesellschafter — Cramdown auf Anteilseigner. 4. **StaRUG-Variante Paragraph 7 StaRUG**: dort ebenfalls Kapitalmassnahmen moeglich, aber strenger an Klassenbildung der Anteilseigner gebunden. 5. **Steuerliche Bonitaetspruefung der einzubringenden Forderung** sollte vom unabhaengigen WP/StB kommen, nicht vom Glaeubiger selbst. 6. **Reservoir-Wirkung der Verlustvortraege** auch beim DES: der Sanierungsertrag, der durch den nicht werthaltigen Teil entsteht, durchlaeuft die Verrechnungsreihenfolge Paragraph 3a Absatz 3 EStG. ## Mustertexte / Berechnungsbeispiele **Beispiel:** Bank haelt 50 Mio EUR Forderung gegen GmbH. Werthaltigkeit am Tag des DES: 20 % (= 10 Mio EUR). Bank bringt Forderung in die GmbH ein und erhaelt 30 % der Anteile. ``` EBENE SCHULDNERIN Wegfall Verbindlichkeit: EUR 50.000.000 Davon werthaltiger Teil: EUR 10.000.000 (Einlage in Kapitalruecklage) Davon nicht werthaltig: EUR 40.000.000 (Sanierungsertrag) Sanierungsertrag EUR 40.000.000 abzgl. Sanierungskosten EUR 500.000 abzgl. KSt-Verlustvortrag (Annahme) EUR 25.000.000 = Restsanierungsertrag EUR 14.500.000 => Paragraph 3a Absatz 1 EStG anwendbar, sofern vier Voraussetzungen erfuellt. EBENE GLAEUBIGER (Bank) Buchwert Forderung vor DES: EUR 50.000.000 abzgl. Sanierungs-Aufwand: EUR 40.000.000 (nicht werthaltiger Teil) = Anschaffungskosten Beteiligung 30%: EUR 10.000.000 ``` **Plan-Klausel-Geruest (Insolvenzplan Paragraph 225a InsO):** ``` Gestaltender Teil — IV. Kapitalmassnahmen 1. Das Stammkapital der Schuldnerin wird auf 0 EUR herabgesetzt (Kapitalherabsetzung Paragraph 225a Absatz 2 InsO). 2. Im Anschluss wird das Stammkapital um EUR [Betrag] auf EUR [Betrag] erhoeht. Zur Uebernahme der neuen Geschaeftsanteile wird die [Bank/Investor] zugelassen. 3. Die [Bank/Investor] erbringt die Sacheinlage durch Einbringung ihrer Forderung gegen die Schuldnerin in Hoehe von EUR [Betrag] (Schuldscheindarlehen vom ..., laufende Nr. ...). Werthaltigkeit der Forderung gemaess Werthaltigkeitsgutachten [WP-Name] vom [Datum] — Anlage [...]. 4. Mit Bestaetigung des Plans und Eintragung der Kapitalerhoehung im Handelsregister erlischt die zugrundeliegende Forderung. Der nicht werthaltige Teil der Forderung in Hoehe von EUR [Betrag] wird als Sanierungsertrag im Sinne von Paragraph 3a EStG bei der Schuldnerin ausgewiesen. 5. Cramdown auf Altanteilseigner: Die Zustimmung der bisherigen Gesellschafter wird gemaess Paragraph 225a Absatz 3 InsO durch die Plan-Bestaetigung ersetzt. ``` ## Typische Fehler 1. Werthaltigkeit zu hoch angesetzt — Sanierungsertrag wird kuenstlich kleingerechnet, FA korrigiert spaeter. 2. Werthaltigkeit zu niedrig angesetzt — Anschaffungskosten Beteiligung beim Investor zu gering, spaeter Veraeusserungsgewinn unnoetig hoch. 3. Sacheinlagepruefung Paragraph 27 AktG vergessen. 4. Paragraph 225a Absatz 3 InsO-Cramdown nicht aktiviert, Altanteilseigner blockieren. 5. Steuerliche Behandlung nur auf Schuldnerebene gepraegt — Investor-Sicht uebersehen. 6. Bei StaRUG: Paragraph 7 StaRUG-Klassenbildung der Anteilseigner unterschaetzt. ## Quellen Stand 06/2026 - Paragraph 225a InsO, `gesetze-im-internet.de/inso/__225a.html`. - Paragraph 3a EStG, `gesetze-im-internet.de/estg/__3a.html`. - Paragraph 8b KStG, `gesetze-im-internet.de/kstg_1977/__8b.html`. - Paragraph 17 EStG, `gesetze-im-internet.de/estg/__17.html`. - Paragraph 3 Nr. 40 EStG, `gesetze-im-internet.de/estg/__3.html`. - Paragraph 27 AktG, `gesetze-im-internet.de/aktg/__27.html`. - Paragraph 56 GmbHG, `gesetze-im-internet.de/gmbhg/__56.html`. - Paragraph 7 StaRUG, `gesetze-im-internet.de/starug/__7.html`. - Zitierweise und Quellenpruefung siehe `references/zitierweise.md`.