--- name: cross-iv-eigenverwaltung description: "Insolvenzverwaltung bei Cross-Border-Assets: ausländischer trustee, debtor in possession oder monitor verwertet deutsche GmbH-Anteile, Grundstücke oder Forderungen; Anerkennung, Inzidentprüfung, Register- und Grundbuchvollzug im Insolvenzverwaltung." --- # IV Cross-Border Assets — Trustee, DIP, Registervollzug ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachlicher Kern — Insolvenz- und Sanierungsrecht - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `IV Cross-Border Assets — Trustee, DIP, Registervollzug` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** InsO §§ 1, 13, 15a, 17, 18, 19, 21, 38 ff., 47, 49 ff., 55, 80, 103 ff., 129-147, 165 ff., 217 ff., 270 ff., 343; StaRUG; COVInsAG/Übergangsrecht nur bei Altzeiträumen; SGB III § 165. - **Verifizierte Anker:** BGH, Urteil vom 10.02.2005 - IX ZR 211/02 (Grenzen § 133 InsO bei Zwangsvollstreckung/verschlepptem Antrag als Klassiker); ausländische Verfahren: § 343 InsO Anerkennung, kein deutsches Chapter-15-Verfahren, häufig inzidente Prüfung durch Register, Grundbuch, Prozessgericht und Banken. - **Arbeitsmodus:** Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz. - **Outputpflicht:** Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Typische Startfälle - US Chapter 11 debtor in possession will GmbH-Anteile an einer deutschen Tochter übertragen. - US trustee verkauft ein deutsches Grundstück der US-Schuldnerin. - Kanadischer trustee/receiver/monitor will Bankkonten, Forderungen oder IP-Rechte in Deutschland verwerten. - Deutsche Insolvenzverwaltung muss prüfen, ob eine ausländische Verfahrensperson wirklich über ein deutsches Asset verfügen darf. - Käufer, Notar oder Grundbuchamt blockiert, weil die Rechtsmacht nicht grundbuch- oder registertauglich nachgewiesen ist. ## Entscheidungsbaum ### 1. Asset und Schuldner trennen - **Asset des ausländischen Schuldners:** ausländisches Insolvenzstatut kann Verfügungsbefugnis verschieben; deutscher Vollzug bleibt nach deutschem Form-/Registerrecht. - **Asset der deutschen Tochter:** Nicht automatisch Masse der ausländischen Mutter. Der office holder kontrolliert allenfalls die Gesellschafterrechte der Mutter, nicht unmittelbar das Vermögen der Tochter. - **GmbH-Anteile:** Asset des Gesellschafters; § 15 GmbHG, § 40 GmbHG, notarielle Liste. - **Grundstück:** lex rei sitae Deutschland; §§ 873, 925, 311b BGB, § 29 GBO. ### 2. Rechtsmacht prüfen - EU-Verfahren: EuInsVO prüfen, insbesondere automatische Anerkennung und Befugnisse des Verwalters, aber immer mit deutschem Vollzugsrecht koppeln. - Drittstaaten: §§ 335 ff., 343 InsO. Kein deutsches Chapter-15-Vorschaltverfahren. Anerkennung und konkrete Befugnis werden praktisch inzident geprüft. - Ausländisches Recht: office holder status, Umfang der Befugnis, stay, plan, court approval, creditor committee consent, ordinary-course-Grenze. ### 3. Nachweisfähigkeit bauen Für die IV-Akte wird eine Nachweismappe angelegt: | Register | Mindestnachweise | | --- | --- | | Notar | Eröffnungs-/Bestellungsurkunde, Identität, Befugnis, Übersetzung, Apostille/Legalisation, AML | | Handelsregister/Gesellschafterliste | notarielle Abtretung, neue Liste, Einreichungsbefugnis, fremdrechtliche Vertretungsmacht | | Grundbuch | § 29 GBO, Auflassung/Bewilligung, öffentliche Urkunden, § 346 InsO bei Verfügungsbeschränkung | | Bank/Drittschuldner | Legitimation, Vollmacht, Kontosperren, Sanktionen/AML, Zahlungsinstruktion | | Prozessgericht | Prozessstandschaft/Parteiwechsel, Vollmacht, Aktivlegitimation | ## Masse- und Haftungsfragen - **Masseinteresse:** Ist die deutsche Verwertung für die Masse wirtschaftlich sinnvoll, oder verursacht sie nur Vollzugskosten? - **Drittrechte:** Pfandrechte, Vorkaufsrechte, Absonderungsrechte, Share Pledges, negative pledge, drag/tag, consent matters. - **Anfechtung:** Ausländische avoidance actions und deutsche Insolvenzanfechtung nicht unbesehen vermischen; Kollisionsrecht und Gerichtsstand prüfen. - **Haftung:** Wer falsch über deutsche Assets verfügt, riskiert Registerblockade, Käuferhaftung, Notarhaftungsdiskussion, Organpflichtverletzungen und spätere Insolvenzanfechtung. ## Arbeitsprodukt Liefere: 1. **Cross-Border-Asset-Matrix:** Asset, Eigentümer, Verfahren, office holder, deutsches Vollzugsrecht, Risiko. 2. **Urkundenfahrplan:** Was liegt vor, was fehlt, welche Form braucht die deutsche Stelle? 3. **Vollzugsroute:** Notartermin, Register-/Grundbuchantrag, Insolvenzgericht nach §§ 344 bis 346 InsO, Bankfreigabe oder Deal-Stopp. 4. **Kommunikationspaket:** Fragenkatalog an ausländische counsel und Notarbrief. 5. **Massevermerk:** Nutzen, Kosten, Dauer, Risiken, Alternativverwertung. ## Stoppschilder - Ausländischer office holder behauptet nur „control over group“, ohne Anteilseigentum und Befugnisnachweis. - Deutsche Tochter soll Assets verkaufen, obwohl nur die Mutter insolvent ist. - GmbH-Anteilskauf ohne notarielle Abtretung. - Grundbuchvollzug ohne §-29-GBO-taugliche Urkunden. - US Chapter 11 non-ordinary-course sale ohne erkennbare court approval. - Kanadische Rolle unklar: trustee, receiver und monitor haben nicht automatisch dieselben Befugnisse. ## Quellenregel Tragende Normen live prüfen: InsO §§ 335 ff., 343, 346 bis 348, EuInsVO, GBO § 29, GmbHG §§ 15, 40, BGB §§ 873, 925, 311b. Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle.