--- name: idw-iv description: "Prüft aus Insolvenzverwalter-, Sachwalter- oder vorläufiger Verwalterperspektive, ob ein Sanierungskonzept auf IDW-S-6-Niveau tragfähig ist. Kernbestandteile: Unternehmenslage, Krisenstadium, Krisenursachen, Leitbild des sanierten Unternehmens, Maßnahmenpaket, integrierte GuV-/Bilanz-/Liquiditäts..." --- # Sanierungsfähigkeit-Gate für Insolvenzverwaltung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachlicher Kern — Insolvenz- und Sanierungsrecht - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `Sanierungsfähigkeit-Gate für Insolvenzverwaltung` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** InsO §§ 1, 13, 15a, 17, 18, 19, 21, 38 ff., 47, 49 ff., 55, 80, 103 ff., 129-147, 165 ff., 217 ff., 270 ff., 343; StaRUG; COVInsAG/Übergangsrecht nur bei Altzeiträumen; SGB III § 165. - **Verifizierte Anker:** BGH, Urteil vom 10.02.2005 - IX ZR 211/02 (Grenzen § 133 InsO bei Zwangsvollstreckung/verschlepptem Antrag als Klassiker); ausländische Verfahren: § 343 InsO Anerkennung, kein deutsches Chapter-15-Verfahren, häufig inzidente Prüfung durch Register, Grundbuch, Prozessgericht und Banken. - **Arbeitsmodus:** Zuerst Insolvenzgrund, Frist, Organpflicht, Verfahrensstand, Sicherheiten, Massebezug und Anfechtungszeitraum klären; dann Sanierungsfähigkeit, Plan/StaRUG, Haftung und Dokumentationsschutz. - **Outputpflicht:** Krisenzeitachse, Liquiditätsstatus, Anfechtungsmatrix, Sicherheitenradar, IDW-S6-/Sanierungscheck, Register-/Grundbuch-Nachweispaket oder Schriftsatzbaustein. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Kaltstart in acht Fragen Stelle zu Beginn nur diese Fragen, soweit die Akte sie nicht bereits beantwortet: 1. Welche Rolle liegt vor: Insolvenzverwalter, Sachwalter, vorläufige Verwaltung, Schuldnerberatung, Gläubigerprüfung? 2. Geht es um Insolvenzplan, Schutzschirm, Eigenverwaltung, StaRUG, außergerichtliche Sanierung oder nur um Plausibilisierung? 3. Gibt es bereits Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder rechnerische Überschuldung? 4. Welche Planungsunterlagen liegen vor: Liquiditätsplan, GuV-Plan, Bilanzplan, Maßnahmenplan, BWA, SuSa, OPOS, Bankauszüge? 5. Welche Krise dominiert: Stakeholder-, Strategie-, Produkt-/Absatz-, Erfolgs-, Liquiditäts- oder Insolvenzkrise? 6. Welche Sanierungsmaßnahmen sind rechtlich oder faktisch schon verbindlich? 7. Wer muss überzeugt werden: Gericht, Gläubigerausschuss, Bankenpool, Arbeitnehmer, Investor, Finanzamt, Sozialversicherung? 8. Welcher Output wird gebraucht: Vermerk, Datenanforderung, Red-Team-Liste, Berichtsbaustein oder Entscheidungsampel? Wenn Eile besteht, erstelle sofort eine Minimalampel mit Stoppern und fordere danach gezielt Unterlagen nach. ## Kernlogik: zwei Ebenen sauber trennen ### Ebene 1: Fortbestehensprognose Prüfe zunächst, ob das Unternehmen im relevanten Prognosezeitraum mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zahlungsfähig bleibt oder durch rechtzeitig verbindliche Maßnahmen zahlungsfähig gehalten wird. Dafür reicht keine reine Managementabsicht. Es braucht eine nachvollziehbare Liquiditätsplanung, gesicherte Finanzierungsquellen, klare Fälligkeiten und eine Sensitivität gegen plausible Abweichungen. ### Ebene 2: Nachhaltige Sanierungsfähigkeit Danach prüfen: Ist das Unternehmen nach Umsetzung der Maßnahmen wieder wettbewerbs-, rendite- und finanzierungsfähig? Eine bloße Verlängerung der Liquiditätsreichweite genügt nicht. Die wesentlichen Krisenursachen müssen beseitigt oder beherrschbar sein; das Geschäftsmodell muss nach der Sanierung ohne dauerhafte Sonderstützung tragfähig sein. ## Pflichtbausteine des Sanierungskonzepts Arbeite jeden Baustein sichtbar ab: | Baustein | Prüffrage | Typischer Mangel | |---|---|---| | Auftrag und Umfang | Was soll das Konzept leisten, für wen und mit welcher Haftungs-/Verwendungsgrenze? | Unklarer Zweck, falsche Adressatenlogik | | Unternehmensbild | Rechtliche, wirtschaftliche, steuerliche und operative Ausgangslage vollständig? | Nur BWA und Bankliste, keine Geschäftsmodellanalyse | | Vermögens-, Finanz- und Ertragslage | Ist die Ist-Lage stichtagsbezogen, rechnerisch geschlossen und belegbar? | SuSa passt nicht zu Bank, OPOS oder Steuerständen | | Krisenstadium | Welche Krise liegt wirklich vor und wie weit ist sie fortgeschritten? | Liquiditätsproblem wird als reines Kostenproblem behandelt | | Krisenursachen | Sind Ursachen von Symptomen getrennt? | Maßnahmen bekämpfen nur Zahlungsdruck | | Leitbild | Wie sieht das sanierte Unternehmen konkret aus? | Allgemeiner Zukunftssatz ohne Markt-, Produkt- und Margenlogik | | Maßnahmen | Welche Maßnahme wirkt wann, kostet was, braucht wen und hängt wovon ab? | Maßnahmenliste ohne Verantwortliche, Timing und Nachweis | | Integrierte Planung | Sind GuV, Bilanz und Liquidität verzahnt? | Liquiditätsplan widerspricht Planbilanz oder Working Capital | | Sanierungsfähigkeit | Gibt es positive Fortbestehensprognose und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit? | Nur kurzfristige Finanzierungslücke geschlossen | | Dokumentation | Können Quellen, Annahmen und Rechenwege von Dritten nachvollzogen werden? | Keine Versionierung, keine Annahmenliste, keine Belegspur | ## Leitbild des sanierten Unternehmens Formuliere das Leitbild nicht als Marketingtext, sondern als prüfbare Zielarchitektur: - **Markt:** Zielkunden, Nachfrage, Wettbewerb, Preisfähigkeit, Marktrisiken. - **Leistung:** Produkte, Dienstleistungen, Qualität, Lieferfähigkeit, Kernkompetenzen. - **Organisation:** Geschäftsleitung, Schlüsselpersonen, Prozesse, IT, Controlling, Governance. - **Ertrag:** Zielmargen, Fixkostenbasis, Break-even, Kostentreiber, Preis- und Mengenlogik. - **Finanzierung:** Kapitalstruktur, Working Capital, Linien, Covenants, Sicherheiten, Eigenbeiträge. - **Resilienz:** Abhängigkeiten von Kunden, Lieferanten, Energie, Cyber, ESG-/Nachhaltigkeitsrisiken, Regulatorik. Jede Maßnahme muss zu diesem Leitbild passen. Maßnahmen ohne Bezug zum Leitbild sind zu streichen oder als Sonderfall zu begründen. ## Integrierte Planung Verlange eine Planung, die mindestens GuV, Bilanz und Liquidität verknüpft. Für die ersten Monate muss die Liquidität engmaschig nachvollziehbar sein; für das laufende und folgende Planjahr ist regelmäßig eine monatliche Darstellung zweckmäßig. Spätere Jahre können gröber verdichtet werden, sofern die Übergänge rechnerisch geschlossen bleiben. Prüfe insbesondere: - Ertragswirkung jeder Maßnahme: Umsatz, Rohertrag, Personal, sonstige Kosten, Zinsen, Steuern. - Liquiditätswirkung jeder Maßnahme: Einmalzahlung, laufender Effekt, Vorfinanzierungsbedarf, Fälligkeit. - Bilanzwirkung jeder Maßnahme: Forderungen, Vorräte, Verbindlichkeiten, Eigenkapital, Rückstellungen. - Working-Capital-Logik: Zahlungsziele, Vorratsreichweite, Debitorenrisiko, Lieferantenkredite. - Finanzierungslogik: Linien, Covenants, Tilgungen, Sicherheiten, Rangrücktritte, Patronate, Kapitalzufuhr. - Sensitivitäten: Umsatzverzug, Margendruck, Forderungsausfall, Kostenanstieg, Maßnahmenverzug. - Steuer- und Sozialversicherungseffekte, wenn sie für Liquidität oder Planergebnis wesentlich sind. ## Proportionalität bei kleineren Unternehmen Bei kleinen oder weniger komplexen Unternehmen darf der Umfang schlanker sein. Der Prüfmaßstab wird aber nicht leer: Auch dort braucht es klare Ausgangslage, Krisenursachen, Leitbild, Maßnahmen, integrierte Planung und Ergebnis. Geringere Komplexität erlaubt weniger Berichtsumfang, nicht weniger Wahrheit. Praktische Vereinfachungen: - Management- und Organisationsanalyse knapper, wenn wenige Schlüsselpersonen den Betrieb tragen. - Marktanalyse fokussiert auf Hauptkunden, Auftragsbestand und lokale Wettbewerber. - Planung mit weniger Kontenzeilen, aber vollständiger Verknüpfung von Ergebnis, Bilanz und Liquidität. - Dokumentation mit sauberer Belegliste statt großem Gutachtenband. ## Dokumentationsregister Erstelle ein Register mit: - Quellenliste: Jahresabschlüsse, BWA, SuSa, OPOS, Bank, Verträge, Steuerstände, Lohn/SV, Aufträge, Gesellschafterbeschlüsse. - Annahmenlog: jede wesentliche Annahme mit Quelle, Verantwortlichem, Plausibilisierung und Sensitivität. - Maßnahmenlog: Maßnahme, Eigentümer, Voraussetzung, Kosten, Wirkung, Frist, Status, Nachweis. - Planversionen: Dateiname, Stand, Ersteller, Änderung gegenüber Vorversion. - Offene Punkte: fehlender Beleg, Auswirkung, Verantwortlicher, Frist. - Entscheidungsvermerk: warum trotz Unsicherheiten ein Go, Conditional Go oder No-go vertretbar ist. ## Red Flags - Plan zeigt Liquidität, aber keine Planbilanz. - GuV verbessert sich, obwohl keine Maßnahme mit Timing und Eigentümer hinterlegt ist. - Gesellschafterbeitrag ist als sicher geplant, aber nicht beschlossen oder finanziert. - Lieferantenstundung wird unterstellt, obwohl keine Vereinbarungen vorliegen. - Einmalige Liquiditätshilfe wird als dauerhafte Sanierung verkauft. - Krisenursache bleibt bestehen, wird aber im Leitbild nicht adressiert. - Steuer-, Sozialversicherungs- oder Zinslasten fehlen. - Sensitivität kippt sofort in Zahlungsunfähigkeit. - Datenstand ist unklar oder Planungsversionen widersprechen sich. ## Anschluss-Skills - `iv-plan-sanierungskonzept` für Aufbau und Text des Sanierungskonzepts. - `iv-plan-integrierte-planung` für GuV-/Bilanz-/Liquiditätsmodell. - `iv-plan-vergleichsrechnung` für Planfall gegen Liquidation. - `iv-plan-redteam-qualitygate` für die harte Endprüfung. - `iv-schutzschirm-270d` bei Schutzschirm- oder Eigenverwaltungsroute.