--- name: cisg-anwendungsbereich description: "Internationales Handelsrecht: CISG Anwendungsbereich nach Art. 1-13 CISG. Räumlicher Anwendungsbereich (Vertragsstaatenprinzip), sachlicher Ausschluss nach Art. 2 CISG (Verbraucher, Wertpapiere, Strom), und Lückenfüllung nach Art. 7 Abs. 2 CISG im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # CISG Anwendungsbereich (Art. 1-13) ## Arbeitsbereich Internationales Handelsrecht: CISG Anwendungsbereich nach Art. 1-13 CISG. Räumlicher Anwendungsbereich (Vertragsstaatenprinzip), sachlicher Ausschluss nach Art. 2 CISG (Verbraucher, Wertpapiere, Strom), und Lückenfüllung nach Art. 7 Abs. 2 CISG. Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das UN-Kaufrecht (CISG, Wien 1980, in Kraft seit 1988) gilt in 97 Vertragsstaaten. Es erfasst Kaufverträge über Waren zwischen Parteien mit Niederlassungen in verschiedenen Vertragsstaaten (Art. 1 Abs. 1 lit. a) oder wenn IPR auf das Recht eines Vertragsstaates verweist (lit. b, aber viele Staaten mit Vorbehalt). Art. 2 enthält abschließende Ausschlüsse. ## Kernnormen / Kernquellen - **Art. 1 CISG**: Anwendungsvoraussetzungen — Niederlassung in Vertragsstaat - **Art. 2 CISG**: Ausschlüsse — Verbraucherkauf, Versteigerungen, Wertpapiere, Schiffe, Elektrizität, Luftfahrzeuge - **Art. 3 CISG**: Werklieferungsvertrag (Grenze: wesentlicher Anteil Material) - **Art. 6 CISG**: Vertragsfreiheit — vollständiger Ausschluss oder Abweichung - **Art. 7 CISG**: Auslegung nach Treu und Glauben im int. Handel; Lückenfüllung aus allgemeinen CISG-Grundsätzen - **Art. 9 CISG**: Handelsbräuche und Gepflogenheiten der Parteien - **Art. 10 CISG**: Maßgebliche Niederlassung bei mehreren ## Schlüsselbegriffe - Vertragsstaat (Ratifikation, Beitritt, Vorbehalt nach Art. 92-96 CISG) - Sachlicher Ausschluss vs. Opting-out (Art. 2 vs. Art. 6) - Mixed-contract (Art. 3 Abs. 2: überwiegende Arbeitsleistung → kein CISG) - Autonome Auslegung (Art. 7 Abs. 1: keine nationale Rechtsdogmatik) - Lückenfüllung: interne Lücken aus CISG-Grundsätzen, externe Lücken aus IPR ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Gilt CISG für Softwarelieferung? (Streitig: körperliche Verkörperung entscheidend) 2. Konsumgüterkauf über B2B-Plattform: Art. 2 lit. a Ausschluss auch bei gewerblichem Verwendungszweck? 3. Werklieferungsvertrag: Wann überwiegt Arbeitsleistung (Art. 3 Abs. 2)? 4. Wie füllt man CISG-intern die Lücke bei Zinshöhe (Art. 78 schweigt zur Rate)? 5. Reservation nach Art. 95 (USA): kein lit. b-Verweis — Auswirkung auf US-Verträge? ## Methodik - CISG-Anwendbarkeit immer dreistufig prüfen: (1) sachlich, (2) räumlich, (3) kein Ausschluss - Vertragsstaaten-Liste UNCITRAL laufend prüfen (uncitral.un.org/en/texts/saleofgoods) - Bei Art. 3 Werklieferung: Wertanteil Material vs. Dienstleistung nach Vertragsursprung - Autonome Auslegung: keine Rückgriffe auf BGB-Dogmatik bei CISG-Begriffen