--- name: cisg-ausschluss-und-rechtswahl description: "Internationales Handelsrecht: CISG Ausschluss nach Art. 6 CISG und Rechtswahl nach Rom I (EG) 593/2008. Formulierung wirksamer Ausschlussklauseln, Teilausschluss einzelner Artikel und Zusammenspiel mit nationaler Kaufrechtsergänzung im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # CISG-Ausschluss und Rechtswahl ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Art. 6 CISG erlaubt Parteien, das gesamte CISG oder einzelne Bestimmungen auszuschließen oder abzuweichen. Ein wirksamer Ausschluss erfordert klare Formulierung; der bloße Verweis auf nationales Recht genügt nicht immer (BGH-Rspr. kontrovers). Die Rechtswahl nach Rom I bestimmt das ergänzende nationale Recht. ## Kernnormen / Kernquellen - **CISG Art. 6**: Ausschluss- und Abweichungsfreiheit - **CISG Art. 12**: Schriftformerfordernis bei Vorbehalt nach Art. 96 (z.B. Argentinien, Russland) - **Rom I VO Art. 3**: Ausdrückliche oder konkludente Rechtswahl - **Rom I VO Art. 4**: Subsidiäre Anknüpfung (Verkäuferstatut) - **Rom I VO Art. 10 Abs. 1**: Formwirksamkeit nach Vertragsstatut - **BGH VIII ZR 304/00 v. 25.11.2002**: Deutsches Recht ohne expliziten CISG-Ausschluss lässt CISG bestehen ## Schlüsselbegriffe - Opting-out (Art. 6 CISG) vs. Opting-in (z.B. UNIDROIT Principles statt CISG) - Teilausschluss (z.B. Art. 39 Abs. 1 Rügefrist verlängern) - Abweichung nach oben/unten (Schadensersatzcap) - Ergänzendes nationales Recht (Lücken nach CISG-Ausschluss) - Schriftformvorbehalt Art. 96 CISG ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. Reicht "This contract is governed by German law" als CISG-Ausschluss? (Nein — BGH) 2. Kann Art. 79 CISG (Force Majeure) einzeln ausgeschlossen und durch eigene FM-Klausel ersetzt werden? 3. Welches nationale Recht füllt Lücken nach Art. 6-Ausschluss (Rom I Art. 4)? 4. Gilt Schriftformvorbehalt Art. 96/12 CISG auch für elektronische Nachrichten? 5. Können Parteien UNIDROIT Principles als Vertragsstatut wählen (statt CISG)? ## Methodik - Ausschlussklausel explizit formulieren: "The CISG shall not apply." - Bei Teilabweichung: die konkreten Artikel benennen - Rom I-Statut separat festlegen — CISG und Vertragsstatut sind unabhängig - Schriftformvorbehalt-Staaten vor Vertragsabschluss prüfen