--- name: contract-playbook-exporter description: "Internationales Handelsrecht: Vertragshandbuch für den Exporteur. Standardpositionen in Verhandlungen, Fallback-Positionen, Prioritäten (Rechtswahl, Schiedsklausel, Haftungsbeschränkung, Eigentumsvorbehalt) und BATNA-Analyse für internationale Kaufverträge im Internationales Handelsrecht Lex Merc..." --- # Contract Playbook für Exporteure ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Ein Contract Playbook hilft Exporteuren, ihre Standardpositionen und Verhandlungsstrategie zu systematisieren. Es definiert Must-Haves (Rechtswahl, Schiedsklausel), Should-Haves (Haftungscap, EV) und Nice-to-Haves (Audit-Recht, ESG-Klausel). BATNA-Analyse schärft Verhandlungsflexibilität. ## Kernnormen / Kernquellen - **CISG Art. 6**: Opting-out vs. Opting-in (Rechtswahl-Priorität) - **ICC Schiedsregeln 2021**: Schiedsklausel als Dispute-Resolution-Standard - **BGB §§ 449, 929**: Eigentumsvorbehalt — Must-Have für alle Exporteure - **CISG Art. 74-77**: Schadensersatz und Mitigation — Haftungscap-Rechtfertigung - **LkSG §§ 3-5**: ESG/LkSG-Lieferkettenklausel als wachsendes Standard - **VBER (EU) 2022/720**: Vertriebsklauseln im Exportkontext ## Schlüsselbegriffe - Must-Have: ohne diese Klauseln kein Vertragsabschluss (Rechtswahl, Schiedsklausel, EV) - Should-Have: starke Verhandlungsposition erforderlich (Haftungscap, FM-Klausel) - Nice-to-Have: opportunistisch einfordern (ESG-Auditrecht, Indexklausel) - Fallback-Position: was Exporteur akzeptiert wenn Must-Have abgelehnt wird - BATNA: Best Alternative to a Negotiated Agreement — Mindeststandard definieren ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. Käufer verlangt Anwendbarkeit seines nationalen Rechts: Akzeptabler Kompromiss? 2. Kein Schiedsgericht: Kann ICC-Mediation + staatliches Gericht Fallback sein? 3. Haftungscap verweigert: Wie alternativ mit Haftungsausschlussklausel für Folgeschäden? 4. Eigentumsvorbehalt in Nicht-Anerkennungsland: Welche Alternative (Akkreditiv, Bürgschaft)? 5. ESG-Klausel: Wann ist das verhandelbar und wann must-have (LkSG-Pflicht)? ## Methodik - Playbook-Struktur: Klausel → Standardposition → Begründung → Fallback → Red Line - BATNA-Analyse vor jeder Verhandlung definieren - Länder-spezifische Anpassung: EV in USA (UCC Filing), China (lokale Registrierung) - Revisionszyklus: Playbook jährlich auf Rechtsentwicklungen (CISG-Rspr., VBER, LkSG) aktualisieren