--- name: digital-products-international description: "Internationales Handelsrecht: Digitale Produkte im internationalen Handel. EU-Richtlinie 2019/770 (Digitale Inhalte), CISG-Anwendbarkeit auf Software-Verkauf, Lizenzrecht, AI-Act (EU) 2024/1689 und grenzüberschreitende Softwarelizenzen im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # Digitale Produkte im internationalen Handel ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Digitale Produkte (Software, Datenbanken, KI-Modelle) stellen besondere Herausforderungen für das internationale Handelrecht dar: CISG-Anwendbarkeit auf Software ist umstritten (Körperlichkeit?); EU-RL 2019/770 schafft ein EU-spezifisches Regime für digitale Inhalte. Der AI Act (EU) 2024/1689 reguliert grenzüberschreitenden KI-Einsatz. ## Kernnormen / Kernquellen - **EU RL 2019/770 Art. 2-3**: Anwendungsbereich — digitale Inhalte und Dienste (auch B2C) - **EU RL 2019/770 Art. 7-9**: Vertragsmäßigkeit digitaler Inhalte - **AI Act (EU) 2024/1689 Art. 6**: Risikoklassen von KI-Systemen (verboten, hoch, mittel, minimal) - **CISG Art. 1-3**: Anwendung auf Software — körperliche vs. unkörperliche Übertragung - **§§ 327-327u BGB**: Deutsches Umsetzungsrecht RL 2019/770 (ab 1.1.2022) - **DSGVO Art. 44-49**: Datenschutz bei Cloud-Software-Nutzung ## Schlüsselbegriffe - Körperlichkeit-Anforderung CISG: Software auf Datenträger = CISG; Download = str. - Digitale Inhalte RL 2019/770: auch B2B-Anwendbarkeit? (RL nur B2C — B2B nach nationalem Recht) - AI-Act Hochrisiko-KI: Verwendungsverbote, Transparenzpflichten, CE-Kennzeichnung - SaaS vs. Softwarekauf: Dauerlizenz vs. zeitlich begrenzte Nutzung - Open-Source-Lizenzen (GPL, MIT, Apache): Lizenzkompatibilität bei Weitervertrieb ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. Software-Download-Kauf: CISG-Anwendbarkeit bei rein digitalem Download? 2. AI-Act Hochrisiko: Ist ein Kreditscoring-Algorithmus Hochrisiko-KI-System? 3. SaaS-Vertrag: Welches Recht gilt für Update-Pflicht und Datenverlust? 4. Open-Source-Copyleft: Kann proprietäre Software GPL-Komponente einbinden ohne Copyleft-Wirkung? 5. Cloud-Software aus USA: Welche Exportkontrollregeln gelten (EAR-Kryptographie)? ## Methodik - CISG-Anwendbarkeit: körperliche Verkörperung (Datenträger) entscheidend; bei Zweifel: CISG-Ausschluss - AI-Act-Compliance: Risikoklassifikation vor Markteinführung; CE-Kennzeichnung für Hochrisiko - SaaS-Vertrag: Service Level Agreements (SLA), Datenschutz (DPA), Exit-Strategie - Open-Source-Lizenz-Audit: SBOM (Software Bill of Materials) für Lizenzkonformität