--- name: manufacturing-agreement description: "Internationales Handelsrecht: Produktionsvertrag (Manufacturing Agreement) international. Spezifikationspflichten, Qualitätssicherung (IATF 16949, ISO 9001), IP-Schutz, Exklusivität, Verlagerungsschutz und CISG-Anwendbarkeit auf Werklieferung im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # Produktionsvertrag International ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Produktionsverträge verpflichten einen Hersteller zur Fertigung nach Spezifikation des Auftraggebers. CISG Art. 3 Abs. 2 schließt Verträge aus, bei denen die Arbeitsleistung überwiegt; reine Werklieferung ohne erhebliche Arbeit fällt unter CISG. IP-Schutz (Spezifikations-Geheimhaltung, Tooling-Eigentumsrecht) und Verlagerungsschutz sind praxiskritisch. ## Kernnormen / Kernquellen - **CISG Art. 3 Abs. 2**: Ausschluss bei überwiegender Arbeitsleistung (Werkvertrag) - **BGB §§ 631-650**: Werkvertrag — Mängelhaftung und Abnahme - **ISO 9001:2015**: Qualitätsmanagementsystem-Anforderungen - **IATF 16949:2016**: Automobilindustrie-QMS (ergänzt ISO 9001) - **§ 17 UWG**: Geheimnisschutz / Handelsgeheimnisgesetz (HGeschGehG) - **RL (EU) 2016/943**: Geschäftsgeheimnisse-RL (EU) ## Schlüsselbegriffe - Spezifikations-IP: Zeichnungen, CAD-Dateien, Rezepturen als Geschäftsgeheimnis - Tooling-Ownership: Wer gehören Werkzeuge/Formen? Übergabepflicht nach Vertrag? - Exklusivität: Darf Hersteller gleiche Produkte für Wettbewerber fertigen? - Verlagerungsschutz: Kündigungsklausel mit Technologie-Transfer-Pflicht vor Verlagerung - APQP/PPAP (Automobilindustrie): Advanced Product Quality Planning als Vertragsinhalt ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. Hersteller fertigt ähnliches Produkt für Konkurrenten: Wettbewerbsverbot erforderlich? 2. Tooling-Eigentumsstreit: Kunde bezahlte Werkzeuge, Hersteller behält sie bei Insolvenz? 3. Qualitätsmangel: Wann greift CISG (Werklieferung) vs. BGB Werkvertragsrecht? 4. Verlagerung: Klausel "no relocation without 12-month notice and technology transfer" wirksam? 5. Geschäftsgeheimnisschutz nach HGeschGehG: Was ist ausreichende "angemessene Geheimhaltungsmaßnahme"? ## Methodik - CISG vs. BGB: Arbeitsleistungs-Anteil bestimmen; bei Zweifel explizit CISG ausschließen - Tooling: immer Eigentums-Klausel (Käufer behält Eigentum; Übergabepflicht bei Kündigung) - Geheimhaltung: NDA + Zugangsprotokoll + digitale DRM-Maßnahmen - Qualität: QMS-Anforderungen als Vertragsanhang; Audit-Recht vertraglich verankern