--- name: oem-odm-private-label description: "Internationales Handelsrecht: OEM, ODM und Private Label im internationalen Handel. Markenrecht (EUIPO, WIPO), IP-Übertragung vs. Lizenz, CE-Kennzeichnung, Hersteller-Importeur-Haftung und Unterschied OEM vs. ODM vs. White-Label im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # OEM, ODM und Private Label ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht OEM (Original Equipment Manufacturer) fertigt nach Käufer-Design unter Käufer-Marke. ODM (Original Design Manufacturer) entwickelt und fertigt; Käufer rebranded. Private Label ist funktional ähnlich wie ODM aber im Konsumgüterbereich. Markenrechte, IP-Eigentumsregelungen und CE-Verantwortung müssen klar geregelt sein. ## Kernnormen / Kernquellen - **Unionsmarkenverordnung (EU) 2017/1001**: EUIPO-Markenanmeldung - **WIPO Madrid-System (MMA/PMMA)**: Internationale Markenanmeldung - **EU VO (EU) 2019/1020 Art. 4**: Importeur als verantwortlicher Wirtschaftsakteur (CE-Haftung) - **§ 14 MarkenG**: Markenrecht-Verletzung im deutschen Recht - **CISG Art. 42**: Rechtsmangel — Lieferung mit geistigen Eigentumsrechten Dritter belastet - **Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG)**: Hersteller-Importeur-Haftung ## Schlüsselbegriffe - OEM: Fertigung nach Auftraggeber-Spezifikation und -Marke; Auftraggeber ist Markeninhaber - ODM: Fertigung nach eigenem Design; Käufer rebrandend — IP-Übertragung oder Lizenz? - Private Label: ODM im Handel (Supermarktmarken) - CE-Verantwortung: Bei Importeuren liegt die CE-Konformitätsprüfungspflicht - Konfuzielle Marke: chinesische Hersteller registrieren EU-Marke des Auftraggebers — Risiko ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. OEM-Hersteller registriert EU-Marke des Auftraggebers in China: Wer hat Priorität? 2. ODM: Gehört das Produktdesign dem Hersteller oder Käufer? (Vertragsgestaltung entscheidet) 3. CE-Kennzeichnung: Wer ist "Hersteller" wenn OEM in China fertigt und EU-Importeur branded? 4. CISG Art. 42: OEM-Lieferung verletzt Drittpatent — Mängelanspruch des Käufers? 5. Private Label Lebensmittel: Wer haftet für Produkthaftungsansprüche? ## Methodik - Marke: EU-Marke VOR Produktionsbeginn anmelden; chinesische Marke zusätzlich - IP-Ownership: OEM/ODM-Vertrag: alle Background/Foreground IP klar zuordnen - CE-Verantwortung: EU-Importeur übernimmt Konformitätsprüfungspflicht; vertragliche Rückgriffsmöglichkeit auf OEM - CISG Art. 42: IP-Indemnity-Klausel im OEM/ODM-Vertrag