--- name: qualitaetskontrolle-pre-shipment description: "Internationales Handelsrecht: Qualitätskontrolle vor Versand (Pre-Shipment Inspection, PSI). CISG Art. 35 Vertragsmäßigkeit als Grundlage, PSI-Klauseln, SGS/Bureau Veritas-Praxis, WTO-PSI-Abkommen und Haftung des Inspektors bei fehlerhafter Bescheinigung im Internationales Handelsrecht Lex Mercat..." --- # Qualitätskontrolle: Pre-Shipment Inspection ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Pre-Shipment Inspection (PSI) ist die Warenprüfung vor Verschiffung durch unabhängige Inspektoren (SGS, Bureau Veritas, Intertek). Sie sichert Qualität, Menge und Preis. WTO-PSI-Abkommen (1994) regelt staatlich vorgeschriebene PSI. CISG Art. 35 definiert die Vertragsmäßigkeit als rechtliche Grundlage. ## Kernnormen / Kernquellen - **CISG Art. 35**: Vertragsmäßigkeit — Basis für Qualitätsstandard - **CISG Art. 38**: Untersuchungspflicht — interagiert mit PSI-Ergebnis - **WTO PSI Agreement (1994)**: Anforderungen an staatlich mandatierte PSI (Preisvergleich, Zolltarif) - **SGS/Bureau Veritas AGB**: Haftungsbeschränkungen bei fehlerhafter Inspektion - **ISO 2859**: Statistische Stichproben-Verfahren für Qualitätskontrolle - **Akkreditiv UCP 600 Art. 26**: Inspection Certificate als Akkreditivdokument ## Schlüsselbegriffe - Clean Inspection Certificate: Bescheinigung der Vertragskonformität durch Inspektor - Back-to-Back-Haftung: Verkäufer haftet für Mängel auch wenn PSI frei war (CISG Priorität) - PSI-Klausel: Käufer nominiert Inspektor, Kosten wer trägt? - AQL (Acceptable Quality Level): statistische Fehlerquotenakzeptanz - Inspektionsfehler: Inspektor haftet nur wenn grob fahrlässig oder vorsätzlich (AGB-Haftungslimit) ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. PSI "klar" aber Ware bei Ankunft mangelhaft: CISG-Mängelanspruch trotzdem möglich? 2. Inspektionskosten: Incoterms — wer zahlt PSI-Kosten bei CIF vs. FOB? 3. Akkreditiv mit PSI-Zertifikat: Was wenn Inspektor zertifiziert aber UCP-Dokument fehlerhaft? 4. Staatliche PSI (WTO-Abkommen): Preisvergleich durch Staat — WTO-konforme Grenzen? 5. Inspektor-Haftung: Schadenersatzklage gegen SGS bei grober Fehlinspektion? ## Methodik - PSI-Klausel: Warenspezifikation, Inspektionsnorm (ISO 2859), Inspektionszeitpunkt definieren - Haftungskettenanalyse: Verkäufer → Inspektor → Käufer; wer kann von wem fordern? - Akkreditiv: PSI-Zertifikat-Format mit Bank vorab abstimmen (UCP 600 Art. 26) - Kosten-Risikoanalyse: PSI-Kosten vs. Mangelrisiko nach Transaktionsgröße