--- name: spediteur-logistikvertrag-cisg-schadensersatz description: "Internationales Handelsrecht: Spediteurrecht national (HGB §§ 453-466) und international. FIATA-Dokumente (FBL, FCR, FWR), Spediteurslagerschein, Haftungsregimes bei Sammelladung, Haftungsdurchbrechung durch Kenntnis vom Inhalt und Multimodaltransport im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # Spediteur- und Logistikvertrag ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Der Spediteur organisiert Transporte, schließt im eigenen Namen für Rechnung des Versenders ab (Fixkosten-Spediteur: §§ 459, 460 HGB) oder als Frachtführer (§ 458 HGB). Für internationale Spedition gibt FIATA standardisierte Dokumente heraus. Das Haftungsregime des Spediteurs ist komplex, da er verschiedene Subfrachtführer einsetzt. ## Kernnormen / Kernquellen - **HGB § 453**: Speditionsvertrag — Definition - **HGB § 454**: Pflichten des Spediteurs (Beförderung, Versicherung, Zoll, Benachrichtigung) - **HGB § 459 Abs. 1**: Selbsteintritt als Frachtführer - **HGB § 461**: Haftung des Spediteurs — HGB-Frachtrecht gilt entsprechend - **FIATA Multimodal Transport Bill of Lading (FBL)**: Wertpapier für multimodale Transporte - **FIATA FCR**: Forwarders Certificate of Receipt — nicht übertragbar - **ADSp 2017**: Allgemeine Deutsche Spediteurbedingungen — AGB der Branche ## Schlüsselbegriffe - Selbsteintritt §§ 458-460 HGB: Spediteur wird Frachtführer — eigene Haftung - Sammelladung § 460 HGB: Haftungsregime bei Stückgutzusammenladung - FIATA FBL: eigentliches Wertpapier (negotiable) — geeignet für Akkreditivzwecke - Unbekannte Klausel im Konnossement: Spediteur haftet für Schäden wenn Inhalt nicht bekannt - ADSp 2017 Haftungsgrenzen: 8,33 SZR/kg (wie CMR) aber mit Summenbegrenzungen ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. Spediteur beauftragt Sub-Frachtführer — wer haftet bei Transportschaden gegenüber Versender? 2. FBL als Akkreditivdokument: Akzeptiert Bank FIATA FBL statt Sea BL? 3. ADSp 2017: Gelten AGB-Klauseln im grenzüberschreitenden Geschäft? 4. Multimodaler Transport: Welches Haftungsregime gilt bei unbekanntem Schadensort? 5. Spediteur als Exportkontrollverantwortlicher: Pflichten bei sanktionierten Ländern? ## Methodik - Erstbestimmung Spediteur vs. Frachtführer: Pflicht zur Eigenbeförderung oder nur Organisation? - Haftungsregime: bekannter Schadensort → Einzelregime (CMR, MÜ); unbekannt → ADSp/FIATA - FBL für Akkreditive: nur wenn Bank ausdrücklich akzeptiert (UCP 600 Art. 19 Multimodal-Transport-Dokument) - ADSp 2017: nur bei nationalen Verträgen; international: FIATA-Bedingungen besser