--- name: zahlungsbedingungen-open-account-akkreditiv-ucp description: "Internationales Handelsrecht: Zahlungsbedingungen im internationalen Handel. Open Account, Cash in Advance, Dokumenteninkasso (URC 522), Akkreditiv (UCP 600) und Bankgarantie (URDG 758) im Risikoranking. Zahlungsverzug (EU-ZahlungsverzugsRL 2011/7/EU) im Internationales Handelsrecht Lex Mercatoria." --- # Zahlungsbedingungen: Open Account und Trade Finance ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: HGB §§ 1-7, 17-37 (Firma/Register), 48-58 (Prokura), 84-92c (Handelsvertreter), 343 ff. (Handelsgeschäfte), 373 ff. (Handelskauf); CISG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Die Wahl der Zahlungsbedingung ist eine Risikozuweisung: Cash in Advance schützt Verkäufer vollständig; Open Account das Käuferrisiko minimal. Dazwischen liegen Dokumenteninkasso (Bankweiterleitung ohne Zahlungsgarantie) und Akkreditiv (Bankzahlungsversprechen). Die EU-Zahlungsverzugs-RL (2011/7/EU) gibt 30/60-Tage-Zahlungsfristen im B2B-Handel. ## Kernnormen / Kernquellen - **UCP 600 (ICC, 2007)**: Einheitliche Richtlinien für Dokumentenakkreditive - **URC 522 (ICC, 1995)**: Einheitliche Richtlinien für Inkasso - **URDG 758 (ICC, 2010)**: Einheitliche Richtlinien für Demand Guarantees - **EU-ZahlungsverzugsRL 2011/7/EU Art. 3-4**: 30/60-Tage-Fristen, Verzugszinsen (8%+EZB-Basiszins) - **CISG Art. 59**: Pflicht zur Zahlung ohne Aufforderung - **BGB § 270**: Zahlungsort — Schickschuld im deutschen Recht ## Schlüsselbegriffe - Open Account (OA): Zahlung nach Lieferung — Verkäuferrisiko maximal - Cash in Advance (CIA): Vorauszahlung — Käuferrisiko maximal - Dokumenteninkasso (D/P, D/A): Bank leitet Dokumente weiter, zahlt aber nicht selbst - Akkreditiv: unwiderrufliches Bankzahlungsversprechen bei Dokumentenkonformität - Zahlungsverzugszins: 8% über EZB-Basiszins (EU-RL); ab 30/60 Tagen automatisch ## Typische Streitfragen / Anwendungsfälle 1. Open Account mit neuem Kunden: Welche Sicherheiten (Kreditversicherung, Bürgschaft)? 2. D/P Inkasso: Käufer nimmt Dokumente und zahlt nicht — was kann Verkäufer tun? 3. Akkreditiv vs. Bankgarantie: Wann welches Instrument für internationale Anzahlungen? 4. EU-ZahlungsverzugsRL: Gilt automatisch 30 Tage oder kann B2B abweichen? 5. CISG Art. 59: Muss Verkäufer nach CISG Rechnung stellen um Fälligkeit auszulösen? ## Methodik - Zahlungsbedingung nach Länderrisiko, Kundenkenntnis und Transaktionswert wählen - Dokumenteninkasso: URC 522 als AGB in Inkassoauftrag einbeziehen - Akkreditiv: UCP 600 als Grundlage, eUCP für elektronische Dokumente - Zahlungsverzugs-Monitoring: Fälligkeitsdatum und 30-Tage-Frist dokumentieren