--- name: verhaeltnis-zu-anderen-unionsrechtsakten description: "Anwalt oder Compliance-Beauftragter fragt: Gilt neben der KI-VO noch ein anderes EU-Gesetz für das gleiche System und wie interagieren die Pflichten? Art. 2 Abs. 2 KI-VO Verhältnis zu anderen Rechtsakten. Prüfraster: DSGVO Maschinenverordnung Produktsicherheits-VO MDR IVDR NIS-2 Cyber Resilience..." --- # Verhältnis zu anderen Unionsrechtsakten ## Grundregel: Kumulation, nicht Verdrängung Die KI-VO verdrängt andere Unionsrechtsakte in der Regel nicht, sondern ergänzt sie. Unternehmen müssen häufig mehrere Regelwerke gleichzeitig einhalten. ## DSGVO — Verordnung (EU) 2016/679 **Verhältnis:** Ergänzend und überschneidend - Die DSGVO gilt für jede Verarbeitung personenbezogener Daten, unabhängig vom Einsatz von KI. - Für Hochrisiko-KI-Systeme, die personenbezogene Daten verarbeiten, gelten beide Regelwerke. - Die Grundrechte-Folgenabschätzung nach Art. 27 KI-VO ist eng mit der Datenschutz-Folgenabschätzung nach Art. 35 DSGVO abzustimmen. - Das Recht auf Erklärung automatisierter Entscheidungen nach Art. 22 DSGVO und die Transparenzpflichten der KI-VO sind parallel zu erfüllen. - Art. 10 Abs. 5 KI-VO erlaubt unter engen Voraussetzungen die Verarbeitung besonderer Kategorien personenbezogener Daten zur Bias-Erkennung — vorbehaltlich DSGVO-Rechtsgrundlage. ## Maschinenverordnung — Verordnung (EU) 2023/1230 **Verhältnis:** Speziell für KI in Maschinen; Anhang I Nr. 7 KI-VO - Sicherheitskomponenten in Maschinen, die KI-Systeme sind, können gleichzeitig unter die Maschinenverordnung und die KI-VO fallen. - Die Konformitätsbewertung nach der Maschinenverordnung kann auf KI-VO-Anforderungen angerechnet werden, wenn die Anforderungen gleichwertig sind. ## Medizinprodukteverordnung MDR — Verordnung (EU) 2017/745 **Verhältnis:** Speziell für KI in Medizinprodukten; Anhang I Nr. 1 KI-VO - KI-Systeme als Medizinprodukte oder als Zubehör zu Medizinprodukten unterliegen gleichzeitig MDR und KI-VO. - Die benannte Stelle nach MDR kann für die KI-VO-Konformitätsbewertung nach Art. 43 Abs. 3 KI-VO mitbenutzt werden. - Software als Medizinprodukt (SaMD) mit KI-Komponente ist ein zentraler Anwendungsfall. ## IVDR — Verordnung (EU) 2017/746 **Verhältnis:** Entsprechend wie MDR, für In-vitro-Diagnostika; Anhang I Nr. 2 KI-VO ## Produktsicherheits-Verordnung — Verordnung (EU) 2023/988 **Verhältnis:** Auffangnetz für Produkte ohne spezialgesetzliche Regelung - Soweit KI-Systeme als Produkte in Verkehr gebracht werden und nicht unter spezialgesetzliche Produktsicherheitsvorschriften fallen, gilt die allgemeine Produktsicherheits-Verordnung. - Sie enthält Marktüberwachungspflichten, die parallel zur KI-VO-Post-Market-Monitoring-Pflicht (Art. 72 KI-VO) laufen. ## Cyber Resilience Act — Verordnung (EU) 2024/2847 **Verhältnis:** Cybersicherheit als überlagernde Schicht - Produkte mit digitalen Elementen, die KI-Systeme sind, können gleichzeitig dem Cyber Resilience Act und der KI-VO unterliegen. - Art. 15 KI-VO (Cybersicherheit für Hochrisiko-KI) und die Anforderungen des Cyber Resilience Act können kumulativ wirken. ## NIS-2-Richtlinie — Richtlinie (EU) 2022/2555 **Verhältnis:** Für Betreiber kritischer Infrastruktur relevant - Betreiber wesentlicher Einrichtungen, die KI-Systeme einsetzen, müssen zusätzlich zu KI-VO-Pflichten die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie (umgesetzt in nationales Recht) beachten. ## Praktische Checkliste | Situation | Zusätzliche Rechtsakte | |---|---| | KI verarbeitet personenbezogene Daten | DSGVO | | KI in Maschine/Roboter | Maschinenverordnung | | KI als Medizinprodukt oder SaMD | MDR oder IVDR | | KI-Produkt ohne Spezialnorm | Produktsicherheits-VO | | KI-Produkt mit Cybersicherheitsrelevanz | Cyber Resilience Act | | KI bei kritischer Infrastruktur | NIS-2 | --- Hinweis: Keine Rechtsberatung. Mechanische Prüfung anhand vom Nutzer behaupteter Tatsachen. Die KI-VO ist in Auslegung und Konkretisierung dynamisch; Leitlinien der Kommission und Durchführungsrechtsakte sind laufend zu beobachten. ## Aktuelle Rechtsprechung (v14.2) - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Zentrale Normen (Paragrafenkette) - Art. 3 Nr. 3/4 KI-VO — Anbieter / Betreiber-Definition - Art. 5 KI-VO — verbotene Praktiken (absolut ab 02.02.2025) - Art. 6 i.V.m. Anhang III KI-VO — Hochrisiko-Klassifikation - Art. 26 KI-VO — Betreiberpflichten - Art. 99 KI-VO — Bussgelder bis 35 Mio. EUR / 7 % Jahresumsatz ## Triage zu Beginn 1. Welche Rolle hat das Unternehmen im KI-Lieferkette (Art. 3 KI-VO — Anbieter, Betreiber, Importeur)? 2. Liegt ein Hochrisiko-System vor (Art. 6 i.V.m. Anhang III Nr. 1-8 KI-VO)? 3. Sind verbotene Praktiken nach Art. 5 KI-VO ausgeschlossen? 4. Welche konkreten Pflichten aus dem aktuellen Skill-Kontext sind einschlaegig? 5. Ist die Massnahme fristgerecht umgesetzt (KI-VO Stufenplan bis 02.08.2026)? ## Output-Template — Pruefergebnis **Adressat:** Pruefer / Rechtsberater — Tonfall: strukturiert-rechtlich ``` PRUEFERGEBNIS — VERHAELTNIS ZU ANDEREN UNIONSRECHTSAKTEN [DATUM] — System: [SYSTEMNAME] — Mandant: [NAME MANDANT] [AKTENZEICHEN] Gepruefte Norm(en): [Art. 2 Abs. 7 Rn. 5] Ergebnis: [ ] Anforderung erfuellt [ ] Anforderung nicht erfuellt — Massnahmen erforderlich: 1. [MASSNAHME — Verantwortlicher: NAME — Frist: DATUM] [ ] Nicht einschlaegig — Begruendung: [BEGRUENDUNG] Sanktionsrisiko: [NIEDRIG / MITTEL / HOCH — bis [BETRAG] nach Art. 99 KI-VO] Naechster Skill: [FOLGE-SKILL] Geprueft: [NAME], [DATUM] ```