--- name: entlassmanagement-39-abs-1a-sgb-v description: "Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V: Rahmenvertrag Entlassmanagement, Patienteneinwilligung, Verordnungsbefugnis (AU, Heil-/Hilfsmittel, AM), Schnittstelle ambulante Versorgung im Krankenhausrecht." --- # Entlassmanagement § 39 Abs. 1a SGB V ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Entlassmanagement § 39 Abs. 1a SGB V - **Normen-/Quellenanker:** KHG/KHEntgG, SGB V, Krankenhausplanung der Länder, Qualitätsvorgaben, Vergütung, MD-Prüfung, Haftung, Datenschutz und Arbeits-/Medizinprodukterecht. - **Entscheidende Weiche:** Planung/Zulassung, Vergütung, Behandlungspflicht, Organisation, Qualität, Datenschutz, Haftung und Behördenkommunikation trennen. - **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen. ## Worum geht es konkret Das Krankenhaus muss Patienten geordnet entlassen und die naehtlose Anschlussversorgung sichern — § 39 Abs. 1a SGB V. Kernelemente: schriftliche Patienteneinwilligung, Entlassmanagementplan, befristete Verordnungsbefugnis für Arzneimittel, Heil-/Hilfsmittel, Soziotherapie, AU-Bescheinigung; Uebergabe an Vertragsarzt. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen - Liegt schriftliche Patienteneinwilligung vor (Modul der Aufnahme oder gesondert)? - Welche Anschlussversorgung wird benoetigt (Pflege, Reha, ambulante Therapie, Hilfsmittel)? - Sind Verordnungen ausgestellt (Arzneimittel max. 7 Tage Wirkdauer, Heilmittel max. 7 Tage, AU max. 7 Tage)? - Ist die Schnittstelle zur Reha-/Pflegedienstleistung organisiert? - Drohen MDK-Pruefung oder Beschwerden wegen unzureichender Entlassung? ## Rechtlicher Rahmen - **SGB V § 39 Abs. 1a** Entlassmanagement, Verordnungsbefugnis Krankenhaus. - **Rahmenvertrag Entlassmanagement** zwischen GKV-SV, KBV, DKG. - **SGB V §§ 73, 73a** Hausaerztliche Versorgung und Schnittstelle. - **SGB V § 87** Bewertungsmassstab, ggf. Verguetung Entlassgespraech. - **SGB XI** Pflegeueberleitung. - **PatientenrechteG / BGB §§ 630a ff.** Behandlungsvertrag, Aufklaerung. ## / Schritt für Schritt 1. **Einwilligung einholen:** Schriftliche oder dokumentierte Einwilligung zum Entlassmanagement bei Aufnahme oder spaetestens vor Entlassung. 2. **Bedarfsabschaetzung:** Pflegeeinstufung, Reha-Bedarf, Soziotherapie, Hilfsmittel, Heilmittel, Arzneimittel. 3. **Entlassplan erstellen:** Konkrete Massnahmen, Ansprechpartner, Termine. 4. **Verordnungen ausstellen:** Befristet (max. 7 Tage) Arzneimittel, Heil-/Hilfsmittel, AU; mit Verordnungsausweis. 5. **Uebergabe an Vertragsarzt/Pflegedienst:** Schriftlich, mit Kurzarztbrief, Medikationsplan, Begleitdokumenten. 6. **Dokumentation:** Einwilligung, Entlassgespraech, Plan, Verordnungen — Aufbewahrung mind. 10 Jahre. ## Trade-off-Matrix | Versorgungsbedarf | Werkzeug Krankenhaus | Limit | |---|---|---| | Arzneimittel kurzfristig | Verordnung KH | max. 7 Tage Wirkdauer | | AU-Bescheinigung | KH-Arzt | max. 7 Tage | | Reha | Reha-Antrag, AHB | Vorbereitung Kasse | | Pflege | Pflegeueberleitung | SGB XI; Pflegegrad ggf. neu | | Hilfsmittel (Rollator etc.) | KH-Verordnung | max. 7 Tage; danach Vertragsarzt | ## Praxistipps - Einwilligung am besten in Aufnahmeunterlagen verankern (Datenschutz: separate Module). - Medikationsplan nach § 31a SGB V immer beilegen, wenn ≥ 3 Wirkstoffe. - Wochenend-/Feiertagsentlassungen rechtssicher absichern — Vertragsarzt nicht erreichbar. - Pflegeueberleitung frueh starten, Pflegegrad-Antrag ggf. vorbereiten. - Wirtschaftliche Verordnung beachten: Rabattvertraege, Aut-idem-Regelung. ## Mustertexte **Patienteneinwilligung Entlassmanagement:** > Ich willige in das Entlassmanagement nach § 39 Abs. 1a SGB V ein. Ich bin ueber den Zweck (geordnete Entlassung, Anschlussversorgung) und ueber meine Rechte (Widerruf, Datenschutz) informiert. Datum, Unterschrift. **Kurzarztbrief Strukturvorlage:** > Aufnahme: [Datum, Diagnose]. Behandlungsverlauf: … Entlassdiagnose: … Empfohlene Anschlussversorgung: 1. Vertragsarzt [Fach], 2. Pflegegrad [Antrag], 3. Reha [AHB], 4. Medikation (Plan beigefuegt), 5. Verordnungen [Liste]. Kontakt: [KH-Ansprechpartner, Tel.]. ## Typische Fehler - Einwilligung fehlt oder ist undatiert. - Verordnungen ueberschreiten 7-Tage-Frist. - Medikationsplan unvollstaendig. - Reha-Antrag erst nach Entlassung — Versorgungslueche. - Pflegeueberleitung erst am Entlasstag — Pflegegrad-Lueche. ## Quellen Stand 06/2026 - SGB V § 39 Abs. 1a. - Rahmenvertrag Entlassmanagement (Live-Check gkv-spitzenverband.de, dkgev.de, kbv.de). - SGB XI Pflegeueberleitung. - BGB §§ 630a ff., PatientenrechteG. - BSG, staend. Rspr. zur Anschlussversorgung.