--- name: mindestmengen-g-ba-qualitaetssicherung description: "Mindestmengen nach § 136b SGB V und G-BA-Mm-R: Prognoseverfahren, Ausnahmen, Erbringungsverbote, Pruefung durch Land und Klage gegen Negativfeststellung im Krankenhausrecht." --- # Mindestmengen G-BA Qualitaetssicherung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Mindestmengen G-BA Qualitaetssicherung - **Normen-/Quellenanker:** KHG/KHEntgG, SGB V, Krankenhausplanung der Länder, Qualitätsvorgaben, Vergütung, MD-Prüfung, Haftung, Datenschutz und Arbeits-/Medizinprodukterecht. - **Entscheidende Weiche:** Planung/Zulassung, Vergütung, Behandlungspflicht, Organisation, Qualität, Datenschutz, Haftung und Behördenkommunikation trennen. - **Arbeitsprodukt:** Erzeuge eine konkrete Prüf- oder Entscheidungsmatrix mit Norm, Tatbestand, Beleg, Einwand, Risikoampel und nächstem Schritt; Anschluss-Skills nur bei echter Vertiefung nennen. ## Worum geht es konkret Fuer bestimmte planbare Eingriffe (z. B. Knie-TEP, Bauchspeicheldruesen-OP, Fruehgeborene < 1250 g, Lebertransplantation, Stammzelltransplantation) verlangt § 136b SGB V Mindestmengen pro Standort und Jahr. Bei Unterschreiten gilt grundsaetzlich ein Erbringungsverbot. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen - Welcher Mindestmengen-Tatbestand betrifft die Klinik (OPS-Liste der G-BA-Mm-R)? - Liegen Prognose-/Negativfeststellung des Landes vor? - Wird Ausnahme nach G-BA-Mm-R § 5 (z. B. für Versorgungssicherstellung) beansprucht? - Welche Mengen wurden erbracht (Vorjahr, Prognose)? ## Rechtlicher Rahmen - **SGB V § 136b Abs. 1 Nr. 2** Mindestmengen-Festlegung durch G-BA. - **G-BA Mindestmengenregelungen (Mm-R)** in der jeweils aktuellen Fassung. - **SGB V § 137 Abs. 3** Datenmeldung an Land/G-BA. - **Landeskrankenhausgesetze** Pruefung der Prognose durch Landesbehoerde. - **G-BA-Beschluesse** zu Aufnahme/Streichung von Mindestmengen-Tatbestaenden. - **BVerfG** zu Berufsausuebungsfreiheit und Mindestmengen (Verhaeltnismaessigkeit). ## / Schritt für Schritt 1. **Mindestmengen-Tatbestand identifizieren:** OPS-Liste Mm-R Anlage. 2. **Vorjahresmengen ausweisen:** § 137 SGB V-Meldung. 3. **Prognose für Folgejahr erstellen:** Plausibilitaet, Versorgungsbedarf, Personalplanung. 4. **Negativfeststellung pruefen:** Landesbehoerde stellt fest, ob Prognose haltbar. 5. **Ausnahmetatbestand pruefen:** Sicherstellung, Versorgungsluecke, atypische Lage. 6. **Rechtsschutz:** Widerspruch/Klage gegen Negativfeststellung; einstweiliger Rechtsschutz. ## Trade-off-Matrix | Lage | Strategie | Folge | |---|---|---| | Mindestmenge knapp erfuellt | Prognose plausibel begruenden | Fortfuehrung | | Mindestmenge nicht erreicht | Ausnahme beantragen (Sicherstellung) | aufschiebende Wirkung pruefen | | Mehrere Standorte | Konzentrierung an Hauptstandort | Strukturkosten reduziert | | dauerhafte Unterschreitung | LG abgeben | Konzentration auf andere LG | ## Praxistipps - Prognose ist keine bloße Schaetzung; sie braucht eine plausible Anknuepfung an Vorjahre, Personalbestand und Versorgungsauftrag. - Erbringungsverbot greift in Regel zum Folgejahr; einstweiliger Rechtsschutz § 80 Abs. 5 VwGO zum Verwaltungsgericht. - Ausnahmen sind eng auszulegen (BSG; BVerfG: Mm sind verfassungsrechtlich grundsaetzlich zulaessig). - Mindestmengen wirken parallel zu LG-Strukturmerkmalen; LG kann ohne Mm-Tatbestand nicht ausgehoehlt werden. ## Mustertexte **Begruendung der Prognose Knie-TEP:** > Im Vorjahr [Datum] wurden [N] Knie-TEP-Eingriffe am Standort durchgefuehrt. Personalbestand und OP-Kapazitaeten erlauben für das Folgejahr eine Prognose von [N+x]. Begruendung: stabile Auslastung, Personalfortbildung, Versorgungsauftrag laut LG [Nr.]. **Widerspruch gegen Negativfeststellung:** > Gegen die Negativfeststellung vom [Datum] wird Widerspruch eingelegt. Die Prognose ist plausibel ausweislich (Anlage 1-3). Hilfsweise: Ausnahme nach G-BA-Mm-R § 5 wegen Versorgungssicherstellung im Raum [Region], Begruendung … ## Typische Fehler - Prognose mit Vorjahres-Ist-Werten gleichsetzen (G-BA fordert begruendete Vorausschau). - Ausnahmetatbestand zu weit interpretieren (Sicherstellung verlangt Versorgungsluecke). - Frist für Negativfeststellungsanzeige verpassen. - Mindestmenge mit Vorhalteanteil/LG verwechseln. ## Quellen Stand 06/2026 - SGB V § 136b. - G-BA Mindestmengenregelungen (Mm-R) in aktueller Fassung (Live-Check g-ba.de/richtlinien/38/). - BSG, staend. Rspr. zur Mindestmengen-Prognose. - BVerfG zu Verfassungsmaessigkeit von Mindestmengen. - Landeskrankenhausgesetze 16 Länder zur Aufsicht und Negativfeststellung.