--- name: digitale-gesundheitsanwendungen-diga-antrag-und-erprobung description: "GKV-Leistungsanspruch auf DiGA (§ 33a SGB V): Verzeichnis, Verordnung, Freischaltung, Erprobungsphase und Nutzenbewertung durch BfArM im Krankenkassen-/Krankenversicherungsrecht: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA): Antrag und Erprobung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: SGB V §§ 27, 39, 92, 109, 137, 295, 301, RisikoStruktAusglV, SGB IV, SGB X, SGG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Skill-Zweck Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sind Apps auf Rezept. Dieser Skill klärt **Anspruchsvoraussetzungen, Verordnungsverfahren, Freischaltung durch die Kasse und den Erprobungsprozess**. ## Rechtlicher Rahmen - **§ 33a SGB V** – DiGA: Anspruch auf digitale Gesundheitsanwendungen - **§ 139e SGB V** – DiGA-Verzeichnis des BfArM - **DiGAV** (Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung) – Anforderungen und Zulassung - **§ 92 SGB V** – G-BA: keine eigene DiGA-Richtlinie (Verzeichnis des BfArM maßgeblich) - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte): führt DiGA-Verzeichnis - BSG B 1 KR 3/24 R (DiGA, erster ausstehender BSG-Entscheid) ## DiGA-Systematik | Phase | Inhalt | Verzeichnisstatus | |-------|--------|------------------| | Vorläufige Aufnahme (Erprobung) | 12 Monate; Hersteller muss Nutzenbeweis erbringen | Verzeichnis „vorläufig" | | Dauerhafte Aufnahme | Positiver Nutzennachweis; oder weiterhin Erprobung | Verzeichnis „dauerhaft" | | Streichung | Kein Nutzennachweis; Listung endet | Aus Verzeichnis entfernt | ## Prüfprogramm ### Schritt 1 – DiGA im Verzeichnis? - BfArM-DiGA-Verzeichnis online: aktuelle Liste aller zugelassenen DiGA - Vorläufig oder dauerhaft? → Beide GKV-erstattungsfähig - Diagnose: für welche Indikation ist die DiGA zugelassen? ### Schritt 2 – Verordnung - Verordnungsrecht: Arzt oder Psychotherapeut (Kassenzulassung) - Formular: Spezialverordnungs-Formular oder auf Standardrezept mit ICD-10 - Einlösecode auf Rezept: für App-Freischaltung erforderlich ### Schritt 3 – Genehmigung durch Kasse - § 33a Abs. 2: Kasse muss DiGA genehmigen wenn im Verzeichnis und Verordnung vorliegt - 14-Tage-Frist für Kasse; danach Genehmigungsfiktion (§ 13 Abs. 3a SGB V analog) - Kasse stellt Freischaltcode aus; Versicherter gibt Code in App ein ### Schritt 4 – Zuzahlung - 10 % je DiGA, mind. 5 €, max. 10 € (wie andere GKV-Leistungen) - Befreiungsgrenze: Belastungsgrenze 2 % des Bruttoeinkommens (§ 62 SGB V) ### Schritt 5 – DiGA-Erprobungsphase - Hersteller muss in 12-monatiger Erprobungsphase Nutzendaten liefern - Kasse zahlt in Erprobungsphase; auch wenn Nutzenbeweis noch aussteht - Keine Erstattung nach Streichung aus Verzeichnis ## Typische Fallen - **Veraltetes Verzeichnis**: BfArM aktualisiert laufend; vor Verordnung aktuellen Stand prüfen. - **Off-Label DiGA**: DiGA für andere als zugelassene Indikation verordnet → Kasse kann ablehnen. - **Datenschutz in DiGA**: Gesundheitsdaten verarbeitet; DSGVO; BfArM prüft bei Zulassung; Versicherter muss Einwilligung geben. - **Interoperabilität ePA**: DiGA kann Daten in ePA übertragen; opt-in durch Versicherten. ## Output-Formate - DiGA-Verordnungsanleitung (für Arzt) - Genehmigungsantrag Kasse - Widerspruch gegen DiGA-Ablehnung - Genehmigungsfiktion-Schreiben - DiGA-Datenschutzcheckliste ## Quellen - [§ 33a SGB V – DiGA](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33a.html) - [§ 139e SGB V – DiGA-Verzeichnis](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__139e.html) - [BfArM DiGA-Verzeichnis](https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis) - [DiGAV – Zulassungsverordnung](https://www.gesetze-im-internet.de/digav/) - [dejure.org § 33a SGB V](https://dejure.org/gesetze/SGB_V/33a.html) - [GKV-Spitzenverband DiGA](https://www.gkv-spitzenverband.de) ## Schritt 5 – Widerspruch bei Ablehnung einer DiGA - Krankenkasse muss innerhalb von 3 Wochen über DiGA-Antrag entscheiden (§ 33a Abs. 4 SGB V) - Ablehnungsgründe: DiGA nicht im BfArM-Verzeichnis, kein ärztliches/psychotherapeutisches Votum, Indikation nicht erfüllt - Widerspruch: Ärztliche Verordnung + Diagnosebeleg beifügen - Bei Erprobungs-DiGA: Zusatznutzen noch nicht belegt, aber Anspruch trotzdem bei Vorliegen der Voraussetzungen ## Weiterführende Quellen - [§ 33a SGB V – Digitale Gesundheitsanwendungen](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__33a.html) - [BfArM – DiGA-Verzeichnis](https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis) - [G-BA – DiGA-Richtlinie](https://www.g-ba.de/richtlinien/107/) - [GKV-Spitzenverband – DiGA-Informationen](https://www.gkv-spitzenverband.de)