--- name: hospiz-palliativversorgung-und-sapv description: "GKV-Leistungen für sterbende Menschen: Hospizversorgung (§ 39a SGB V), SAPV (§ 37b SGB V), Zuzahlungsbefreiung und Versorgungskoordination im Krankenkassen-/Krankenversicherungsrecht: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Hospiz, Palliativversorgung und SAPV ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: SGB V §§ 27, 39, 92, 109, 137, 295, 301, RisikoStruktAusglV, SGB IV, SGB X, SGG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Skill-Zweck Sterbende Menschen und ihre Familien haben Anspruch auf umfassende palliative Versorgung. Dieser Skill klärt **GKV-Ansprüche im Bereich Hospiz, ambulante und stationäre Palliativversorgung und spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)**. ## Rechtlicher Rahmen - **§ 37b SGB V** – Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) - **§ 39a SGB V** – Stationäre und ambulante Hospizleistungen - **§ 39 SGB V** – Krankenhausbehandlung (Palliativstation) - **§ 27 SGB V** – Krankenbehandlung: Anspruch umfasst Palliativmedizin - **SAPV-Richtlinie des G-BA** (Stand 2023) - BSG B 1 KR 2/22 R (SAPV-Anspruch), BSG B 1 KR 14/19 R ## Versorgungsformen im Überblick | Versorgungsform | Rechtsgrundlage | Leistungsumfang | Zuzahlung | |----------------|-----------------|-----------------|----------| | Ambulante Palliativversorgung (APV) | § 27 SGB V, § 73 SGB V | Hausarzt + Palliativdienst | Normal | | SAPV | § 37b SGB V | Spezialisiertes Team, 24h | Keine | | Ambulante Hospizdienste | § 39a Abs. 2 SGB V | Ehrenamtliche + professionelle Begleitung | Keine | | Stationäre Hospizversorgung | § 39a Abs. 1 SGB V | 95 % GKV-Finanzierung | 5 % Hospizbeitrag | | Palliativstation (KH) | § 39 SGB V | Vollstationäre Behandlung | Normal (§ 39 Abs. 4) | ## Prüfprogramm ### Schritt 1 – SAPV-Anspruch (§ 37b SGB V) - Voraussetzungen: nicht heilbare, weit fortgeschrittene Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung - Besonderer Versorgungsbedarf: kann nicht durch Hausarzt alleine bewältigt werden - Antrag: ärztliche Verordnung + Zustimmung Kasse (Genehmigungsfiktion § 13 Abs. 3a SGB V gilt) - Team: spezialisiertes SAPV-Team (Arzt + Pflegekraft + ggf. Sozialarbeiter) ### Schritt 2 – Stationäre Hospizversorgung (§ 39a Abs. 1 SGB V) - GKV übernimmt 95 % der Kosten; Hospiz-Eigenanteil ca. 5 % - Voraussetzung: Sterben in absehbarer Zeit; Pflegegrad 3–5 oder mindestens 2 mit besonderem Pflegebedarf - Zuzahlungsbefreiung: keine Zuzahlung in der Hospizversorgung - Antrag bei Kasse mit Ärztlichem Attest und Hospiz-Aufnahmebescheid ### Schritt 3 – Ambulante Hospizdienste (§ 39a Abs. 2 SGB V) - Palliative Care: 4 qualifizierte ehrenamtliche Stunden/Woche - GKV fördert ambulante Hospizdienste; kostenlos für Versicherte - Koordinierungsstellen in Kommunen; kein Antrag nötig ### Schritt 4 – Schmerztherapie und Palliativmedikation - Opioide und Betäubungsmittel: ärztliche Verordnung nötig (BtMG) - GKV-Leistung: Palliativmedikation vollständig erstattungsfähig - Zuzahlung: grundsätzlich; Befreiung wenn Belastungsgrenze erreicht ### Schritt 5 – Koordination mit PV und Sozialleistungen - Pflegeversicherung (SGB XI): ergänzende Leistungen; kein Ausschluss durch SAPV - Sterbegeld: wurde abgeschafft; kein GKV-Anspruch mehr - Hinterbliebenenberatung: Familien haben Anspruch auf psychosoziale Begleitung ## Typische Fallen - **SAPV zu spät beantragt**: SAPV erst in allerletzter Phase beantragt; frühzeitige Verordnung ist sinnvoll wenn Kriterien erfüllt. - **Hospiz-Eigenanteil**: Viele Familien wissen nicht dass sie 5 % selbst tragen; Sozialhilfe kann übernehmen (§ 74 SGB XII). - **Genehmigungsfiktion**: Kasse reagiert nicht innerhalb 5 Wochen → SAPV gilt als genehmigt. - **Krankenhausabrechnung Palliativstation**: Oft als DRG statt Palliativpauschale (OPS 8-98e) abgerechnet; bei langer Verweildauer prüfen. ## Output-Formate - SAPV-Verordnungs-Checkliste (für Arzt) - Hospiz-Aufnahmeantrag bei Kasse - Zuzahlungsbefreiungs-Antrag - Koordinationsbrief SAPV-Team + Hausarzt - Hinterbliebenen-Informationsblatt ## Quellen - [§ 37b SGB V – SAPV](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__37b.html) - [§ 39a SGB V – Hospiz](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__39a.html) - [SAPV-Richtlinie G-BA](https://www.g-ba.de/richtlinien/35/) - [BSG B 1 KR 2/22 R](https://www.bsg.bund.de/DE/Entscheidungen/entscheidungen_node.html) - [Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin](https://www.dgpalliativmedizin.de) - [dejure.org § 37b SGB V](https://dejure.org/gesetze/SGB_V/37b.html)