--- name: krankenhausabrechnung-drg-zuzahlung-und-md-pruefung description: "Krankenhausabrechnung im DRG-System: Kodierung, Zuzahlungspflicht, MD-Prüfverfahren, Kürzungen und Widerspruchsstrategien im Krankenkassen-/Krankenversicherungsrecht: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Krankenhausabrechnung: DRG, Zuzahlung und MD-Prüfung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: SGB V §§ 27, 39, 92, 109, 137, 295, 301, RisikoStruktAusglV, SGB IV, SGB X, SGG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Skill-Zweck Dieser Skill bearbeitet Streitigkeiten rund um **Krankenhausabrechnungen**: DRG-Kodierung, Zuzahlungspflicht des Versicherten, MD-Prüfverfahren der Kassen und Abrechnungskürzungen durch die Kasse gegenüber dem Krankenhaus. ## Rechtlicher Rahmen - **§ 39 SGB V** – Krankenhausbehandlung: vollstationär, teilstationär, vorstationär, nachstationär - **§ 108 SGB V** – Zugelassene Krankenhäuser - **§ 109 SGB V** – Versorgungsvertrag - **§ 275 SGB V** – MD-Prüfung (Wirtschaftlichkeit, Abrechnungsrichtigkeit, stationäre Notwendigkeit) - **§ 275c SGB V** – Prüfquoten und Prüfverfahren (ab 2020); Aufwandspauschale - **KHEntgG** (Krankenhausentgeltgesetz) §§ 1–22 – DRG-Systemgrundlagen - **KHG** (Krankenhausfinanzierungsgesetz) §§ 1–18 - **PpUGV** – Pflegepersonaluntergrenzen (indirekte Auswirkung auf Verweildauer) - BSG B 1 KR 2/15 R (Kodierung, Hauptdiagnose), BSG B 1 KR 28/17 R (MD-Prüfung) ## DRG-Grundstruktur | Begriff | Bedeutung | |---------|-----------| | DRG | Diagnosis Related Group – Fallpauschale nach Hauptdiagnose und Prozedur | | PCCL | Patient Clinical Complexity Level – Schweregrad durch Nebendiagnosen | | Hauptdiagnose | Diagnose, die nach Analyse Hauptgrund für Behandlung war (ICD-10) | | Zusatzentgelt | Ergänzung zur DRG bei besonders aufwändigen Leistungen | | Verweildauer | Kürzung bei Unterschreitung, Zuschlag bei Überschreitung der Grenzverweildauer | ## Prüfprogramm ### Schritt 1 – Zuzahlungspflicht Versicherter - Zuzahlung: 10 € je Krankenhaustag, max. 28 Tage/Jahr (§ 39 Abs. 4 SGB V) - Zuzahlungsbefreiungsgrenze: 2 % des jährlichen Bruttoeinkommens, Chroniker 1 % - Zuzahlung auch bei Kinderheilkunde? Nein: Kinder bis 18 sind zuzahlungsbefreit ### Schritt 2 – MD-Prüfverfahren (§ 275c SGB V) - Kasse kann innerhalb von 6 Monaten nach Rechnungszugang MD einschalten (§ 275c Abs. 1) - Prüfumfang: stationäre Notwendigkeit, Verweildauer, Kodierung, Zusatzentgelte - Krankenhaus hat 8 Wochen Zeit für Stellungnahme/Unterlagen (§ 275c Abs. 3) - MD-Gutachten: Krankenhaus kann Einleitung durch Sozialgericht überprüfen lassen ### Schritt 3 – Abrechnungsstreit Krankenhaus vs. Kasse - Hauptdiagnose falsch kodiert: Kasse kürzt Rechnung → Krankenhaus widerspricht - Richtigkeit der ICD-10/OPS-Kodierung nach DKR (Deutsche Kodierrichtlinien) prüfen - Nebendiagnosen: Erhöhen Schweregrad (PCCL), wirken sich auf DRG-Erlös aus ### Schritt 4 – Versicherter als Drittbetroffener - Versicherter hat keinen direkten Anspruch auf bestimmte DRG-Kodierung - Wenn Kasse aufgrund MD-Gutachtens Krankenhausaufenthalt als ambulant behandelbar bewertet: Zuzahlung für ambulante Behandlung kann entstehen - Wenn Kasse Kostenübernahme für Krankenhaus verweigert: Versicherter kann Anspruch auf Einweisung und Kostenübernahme (§ 39 SGB V) geltend machen ### Schritt 5 – Privatpatienten und Wahlleistungen - Wahlleistungen (Chefarztbehandlung, Einzelzimmer): gesonderter Vertrag nach § 17 KHEntgG - Arzthonorar: GOÄ-Abrechnung; Steigerungsfaktoren prüfen - Krankenhaus darf Wahlleistungen nur gesondert berechnen wenn Vereinbarung vor Aufnahme ## Typische Fallen - **Ambulantes Potential**: MD bewertet stationäre Behandlung als ambulant möglich → Kasse zahlt nur ambulante Pauschale; Differenz bleibt am Krankenhaus hängen, nicht am Versicherten. - **Aufwandspauschale**: Kasse zahlt Krankenhaus 300 € wenn MD-Prüfung unbegründet war (§ 275c Abs. 3 Satz 4); hilft dem Versicherten nicht direkt. - **Verlegungsfall**: Bei Verlegung innerhalb 24 Stunden: besondere DRG-Regeln; Zuzahlung bei beiden Krankenhäusern möglich. ## Output-Formate - Zuzahlungsbefreiungsantrag - Widerspruch gegen Krankenhauskosten-Ablehnung - MD-Akteneinsichtsantrag - Vergleichsrechnung DRG vs. Ist-Abrechnung - Klage SG auf Kostenübernahme stationäre Behandlung ## Quellen - [§ 39 SGB V – Krankenhausbehandlung](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__39.html) - [§ 275c SGB V – MD-Prüfung](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__275c.html) - [KHEntgG](https://www.gesetze-im-internet.de/khentgg/) - [Deutsche Kodierrichtlinien (DKR)](https://www.drg-research-group.de/dkr) - [BSG Krankenhausrecht](https://www.bsg.bund.de/DE/Entscheidungen/entscheidungen_node.html) - [dejure.org § 39 SGB V](https://dejure.org/gesetze/SGB_V/39.html) - [G-BA Richtlinien Krankenhaus](https://www.g-ba.de/richtlinien/)