--- name: rollierende-liquiditaetsplanung-24-monate-template description: "Rollierende 24-Monats-Liquiditaetsplanung nach StaRUG erstellen: Sanierungsberater oder GF braucht Liquiditaets-Forecast. Normen: § 1 StaRUG (24-Monats-Horizont), Fortbestehensprognose, Sanierungskonzept. Prüfraster: Woechentliche Granularitaet Wochen 1-13, monatliche Granularitaet Monate 14-24,..." --- # Rollierende Liquiditätsplanung — 24-Monate-Template ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: StaRUG; § 1 StaRUG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Spezialwissen Die rollierende Liquiditätsplanung ist das operative Herzstück des § 1 StaRUG-Frühwarnsystems. Sie zeigt nicht nur, wo das Unternehmen heute steht, sondern wo es in zwei Jahren stehen wird — und welche Handlungskorridore noch offen sind. Ohne eine valide 24-Monats-Liquiditätssicht ist die Behauptung, drohende Zahlungsunfähigkeit nicht rechtzeitig erkannt zu haben, im Nachhinein nicht zu entkräften. --- ## Rechtsgrundlagen - § 1 StaRUG (Krisenfrüherkennungspflicht, 24-Monats-Horizont) - § 18 InsO (drohende Zahlungsunfähigkeit — Prognosezeitraum) - § 29 Abs. 2 StaRUG (Zugangsvoraussetzung: drohende ZU muss vorliegen) - Berufsständische Methodenlogik zu Fortbestehensprognose und Sanierungskonzepten: Liquiditätsplanung ist nur ein Baustein; bei Sanierungsaussagen müssen GuV, Bilanz, Maßnahmen, Leitbild und Dokumentation hinzukommen. - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. --- ## Pflichten ### 1. Warum zwei Granularitätsstufen? Die Unterscheidung zwischen wöchentlicher (Wochen 1-13) und monatlicher (Monate 14-24) Granularität ist kein Zufall, sondern Ausdruck der Planungssicherheit: - **Wochen 1-13 (kurzfristig):** Fälligkeiten, Überweisungen, Lohnzahlungen, Steuertermine sind konkret und kurzfristig planbar. Wöchentliche Granularität ist hier Standard und von Banken/Gläubigern erwartet. - **Monate 14-24 (mittelfristig):** Annahmenbasierte Prognose. Monatsgenauigkeit ausreichend und methodisch vertretbar. Zeigt strukturelle Liquiditätsreserven und Refinanzierungsbedarfe. ### 2. Mindestinhalt der Planung Der Liquiditätsplan muss enthalten: **Zuflüsse:** - Umsatzerlöse (nach Debitorenlaufzeiten) - Anzahlungen, Vorauszahlungen - Fremdfinanzierungen (Kredit-Ziehungen) - Subventionen, Förderungen - Sonstige betriebliche Erträge mit Zahlungswirkung **Abflüsse:** - Material-/Wareneinkauf (nach Kreditorenlaufzeiten) - Lohn- und Gehaltskosten (inkl. Sozialabgaben) - Miete, Leasing - Zinsen und Tilgungen - Investitionsauszahlungen - Steuern und Abgaben (Umsatzsteuer-Vorauszahlung, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer) - Sonstige Auszahlungen **Saldo und Kassenbestand:** - Wöchentlicher/monatlicher Cash-Flow (netto) - Kumulierter Kassenbestand - Verfügbare Kreditlinien - Gesamtliquidität (Kassenbestand + freie Linien) --- ## Templates ### Muster: Excel-Spaltenstruktur (Auszug Wochen 1-4 + Monat 14) ``` Kategorie | KW01 | KW02 | KW03 | KW04 | ... | M14 | M15 --------------------------|-------|-------|-------|-------|-----|-------|------ ZUFLÜSSE | | | | | | | Umsatzerlöse (netto) | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] | | [tsd] | [tsd] Anzahlungen | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] | | [tsd] | [tsd] Kreditziehung | | | | | | | = ZUFLÜSSE GESAMT | [Sum] | [Sum] | [Sum] | [Sum] | | [Sum] | [Sum] | | | | | | | ABFLÜSSE | | | | | | | Material | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] | | [tsd] | [tsd] Personal | [tsd] | | | [tsd] | | [tsd] | [tsd] Miete / Leasing | [tsd] | | | | | [tsd] | [tsd] Zinsen | | | | | | [tsd] | [tsd] Tilgung | | | | | | [tsd] | [tsd] USt-Voranmeldung | [tsd] | | | | | [tsd] | [tsd] Sonstiges | [tsd] | [tsd] | [tsd] | [tsd] | | [tsd] | [tsd] = ABFLÜSSE GESAMT | [Sum] | [Sum] | [Sum] | [Sum] | | [Sum] | [Sum] | | | | | | | NETTO-CASHFLOW | [Net] | [Net] | [Net] | [Net] | | [Net] | [Net] KASSENBESTAND (Anfang) | [K] | [K] | [K] | [K] | | [K] | [K] KASSENBESTAND (Ende) | [K] | [K] | [K] | [K] | | [K] | [K] FREIE KREDITLINIE | [L] | [L] | [L] | [L] | | [L] | [L] GESAMTLIQUIDITÄT | [G] | [G] | [G] | [G] | | [G] | [G] ``` ### Muster: Planprämissen-Dokumentation ``` Planprämissen — 24-Monats-Liquiditätsplanung Gesellschaft: [Firma GmbH] Erstellt: [Datum] Freigegeben: [GF-Name], [Datum] UMSATZ Basis: [EUR Vorjahresumsatz] Annahme Base Case: [+/- x% p.a.] Annahme Bear Case: [+/- x% p.a.] Begründung: [___] DEBITORENLAUFZEIT (DSO) Historisch (Ø letzte 12 Monate): [x] Tage Annahme Planung: [x] Tage Begründung: [___] KREDITORENLAUFZEIT (DPO) Historisch: [x] Tage Annahme: [x] Tage KREDITLINIEN Hausbankkredit: EUR [Betrag], läuft bis [Datum] Kontokorrentlinie: EUR [Betrag] Verlängerungsannahme: [ja/nein/in Verhandlung] INVESTITIONEN Geplante Investitionen: EUR [Betrag] in [Zeitraum] Finanzierung: [Eigenmittel / Fremdfinanzierung] ``` --- ## Fallstricke 1. **Plan ohne Planprämissen ist wertlos** — Richter und Insolvenzverwalter fragen als erstes: Auf welchen Annahmen beruht dieser Plan? Fehlende Prämissendokumentation ist ein Warnzeichen. 2. **Statischer Plan statt rollierender** — ein einmal erstellter 24-Monats-Plan, der nie aktualisiert wird, zeigt nicht den aktuellen Stand. Rollen bedeutet: monatliche Aktualisierung mit Ist-Werten und Neuvorschau. 3. **Nur Ergebnis-Plan ohne Cashflow** — viele Unternehmen haben GuV-Planungen, aber keinen Cashflow-Plan. Für § 1 StaRUG und § 18 InsO ist der Cashflow entscheidend, nicht das bilanzielle Ergebnis. 4. **Zu optimistische Planprämissen** sind keine "konservative Schätzung" — Gerichte prüfen ex post, ob die Annahmen zum Zeitpunkt der Planung plausibel waren. Überhöhte Umsatzerwartungen ohne Begründung sind Haftungsrisiko. 5. **Kreditlinie als Puffer einplanen, ohne Verlängerungsrisiko zu beachten** — ausgelaufene Kreditlinien, die stillschweigend als verlängert angenommen werden, verfälschen die Liquiditätssicht erheblich. 6. **Liquiditätsplan als Sanierungskonzept behandeln** — eine positive Liquiditätskurve belegt nicht automatisch nachhaltige Sanierungsfähigkeit. Ertragskraft, Bilanz, Krisenursachen, Leitbild und Maßnahmen müssen separat plausibilisiert werden. --- ## Weitere Leitentscheidungen - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Triage — Erste Einordnung Bevor losgelegt wird, klaere: 1. **Krisenstadium?** Ertragskrise (EBIT negativ), Liquiditaetskrise (Cashflow negativ) oder akute Insolvenznaehe (ZU/Ueberschuldung)? 2. **Insolvenzgrund?** § 17 InsO (ZU), § 18 InsO (drohende ZU), § 19 InsO (Ueberschuldung)? 3. **Fristen?** Antragspflicht § 15a InsO: 3 Wochen (ZU), 6 Wochen (Ueberschuldung). 4. **Sanierungs-Pfad?** StaRUG (drohende ZU), Schutzschirm, Eigenverwaltung oder Regelverfahren?