--- name: verbraucherleasing-widerruf-und-pflichtangaben description: "Verbraucherleasing: §§ 506–509 BGB, Pflichtangaben, Widerrufsrecht, Folgen fehlerhafter Angaben und Muster-Widerrufsbelehrung im Leasingrecht." --- # Verbraucherleasing: Pflichtangaben und Widerruf ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Anwendungsbereich §§ 506–509 BGB ### Verbraucherleasing als entgeltliche Finanzierungshilfe § 506 I BGB: „Entgeltliche Finanzierungshilfe" umfasst auch Leasingverträge, bei denen der Leasingnehmer nicht (oder nicht nur) zur Kaufpreiszahlung verpflichtet ist, aber das Objekt längerfristig nutzt und eine Gesamtlaufzeit vereinbart ist. **Verbraucher** (§ 13 BGB): Natürliche Person, die nicht überwiegend gewerblich oder freiberuflich handelt. **Unternehmer** (§ 14 BGB): Keine Anwendung der §§ 506–509 BGB. ### Abgrenzung § 506 zu § 491 BGB - § 491 BGB: Verbraucherdarlehen (Kreditvergabe in Geld) - § 506 BGB: Entgeltliche Finanzierungshilfe, einschließlich Leasing; Verweis auf §§ 491 ff. BGB - Wichtig: § 506 III BGB enthält spezifische Anforderungen für Leasingverträge ## Pflichtangaben nach § 506 III BGB Für Leasingverträge mit Verbrauchern müssen zwingend enthalten sein: 1. Art des Leasingvertrages 2. Name und Anschrift des Leasinggebers 3. Nettodarlehensbetrag (oder Nettoleasingwert/Anschaffungspreis des Objekts) 4. Gesamtbetrag (alle Zahlungen des LN summiert) 5. Laufzeit 6. Betrag, Anzahl und Fälligkeit der einzelnen Raten 7. Effektiver Jahreszins (§ 6 PAngV: Berechnung nach Annuitätenmethode) 8. Gesamtkosten 9. Hinweis auf Widerrufsrecht und Widerrufsfrist 10. Ggf. Restwert/Restwertgarantie 11. Ggf. Zusatzkosten (Versicherung, Wartung) **Pflicht-Widerrufsinformation**: Entsprechend Anlage 7 oder 8 zu Art. 247 § 6 EGBGB ## Widerrufsrecht ### Frist - Grundsatz: 14 Tage ab Vertragsschluss (§ 355 I BGB) - Verlängerung: Wenn Pflichtangaben unvollständig oder Widerrufsinformation fehlerhaft → Widerruf weiterhin möglich (bis Heilung + 14 Tage) - Maximum: 1 Jahr und 14 Tage (§ 356 b III BGB) ### Form des Widerrufs - Textform (§ 126b BGB): E-Mail, Fax, Brief - Keine Begründung erforderlich ### Folgen des Widerrufs - Rückabwicklung: LN gibt Objekt zurück, LG erstattet Zahlungen - Wertersatz: LN schuldet Wertersatz für tatsächliche Nutzung (§ 357 VII BGB) - Kein Restwert: Restwertgarantie entfällt bei wirksamen Widerruf ## Rechtsfolgen fehlerhafter Pflichtangaben ### § 494 BGB (Fehlerfolge) - Fehlende Pflichtangaben → Leasingvertrag kann nichtig sein (§ 494 I BGB) - Ausnahme: Heilung durch tatsächlichen Empfang der Leistung (§ 494 II BGB) - Nachholbarkeit bestimmter Angaben (§ 494 II, III BGB): Effektivzins, Gesamtbetrag **Beispiel**: Fehlt der effektive Jahreszins → gilt kraft Gesetzes der gesetzliche Zinssatz (§ 494 II 5 BGB); LN zahlt weniger. ## Fernabsatzleasing Verbraucherleasing über Internet/Telefon zusätzlich: §§ 312a ff. BGB (Fernabsatzverträge); Widerrufsrecht für Fernabsatz (14 Tage, § 356 BGB). ## Prüfprogramm 1. Ist der LN Verbraucher (§ 13 BGB)? 2. Liegen alle Pflichtangaben nach § 506 III BGB vor? 3. Widerrufsinformation korrekt (Anlage 7/8 EGBGB)? 4. Widerrufsfrist: Noch laufend? 5. Fehlerhafte Angabe: Welche Rechtsfolge (§ 494 BGB)? 6. Fernabsatz? Zusätzliche Anforderungen §§ 312 ff. BGB? ## Typische Fallen - Effektiver Jahreszins falsch berechnet → LN schuldet nur gesetzlichen Zins - Widerrufsbelehrung veraltet (EGBGB-Anlage nicht aktuell) → Widerruf noch möglich - Restwertklausel im Vertrag, aber nicht als Pflichtangabe aufgeführt → Klausel nichtig - Kein Hinweis auf Widerrufsrecht → Frist beginnt nicht zu laufen ## Normen und Quellen - §§ 506–509 BGB: https://dejure.org/gesetze/BGB/506.html - § 494 BGB (Fehlerfolge): https://dejure.org/gesetze/BGB/494.html - § 355 BGB (Widerrufsrecht): https://dejure.org/gesetze/BGB/355.html - Art. 247 EGBGB (Informationspflichten): https://www.gesetze-im-internet.de/egbgb/art_247.html - § 6 PAngV (effektiver Jahreszins): https://www.gesetze-im-internet.de/pangv/__6.html - §§ 312 ff. BGB (Fernabsatz): https://dejure.org/gesetze/BGB/312.html - BGH XI ZR 59/17 (Widerruf Leasingvertrag): https://www.bgh.de ## Output-Formate - **Pflichtangaben-Checkliste**: § 506 III BGB – alle 11 Punkte mit Beispielen - **Widerrufsinformation-Muster**: Aktuelle Anlage 7 EGBGB - **Fehlerfolgen-Tabelle**: Fehlende Angabe – Rechtsfolge – Heilung möglich? - **Widerrufserklärung-Muster**: Für Verbraucher