--- name: ausnahmen-bundestag description: "Prüft die Ausnahmen von der Registrierungspflicht bei Interessenvertretung gegenüber Bundestagsadressaten nach § 2 Abs. 2 LobbyRG. Output Ausnahmegutachten kurz mit Restpflichten im Lobbyregister Bundestag." --- # Ausnahmen Bundestag ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: § 3 LobbyRG Eintragung vor erster Interessenvertretung, § 5 LobbyRG jährliche Aktualisierung, Berichtspflicht ggf. innerhalb 3 Monaten nach Ende des Geschäftsjahres. - Tragende Normen verifizieren: LobbyRG §§ 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8 (i.d.F. Reform 2024), Verhaltenskodex Lobbyregister, GOBT, BGleiG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Interessenvertreter, Bundestagsverwaltung (Lobbyregisterstelle), Geschäftsstelle, registrierte Verbände, Bundesregierung (zweiter Registerteil). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Lobbyregistereintrag, Verhaltenskodex-Bestätigung, Tätigkeitsbericht, Hausausweisantrag, Finanzangaben, Verbandsmitgliederliste — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Gefuehrter Ablauf 1. Sachverhalt in einem Satz zusammenfassen: Wer will mit wem worueber sprechen oder hat bereits gehandelt? 2. Offizielle Quelle und Rechtsstand nennen: LobbyRG, Lobbyregister-FAQ, Handbuch oder Verhaltenskodex. 3. Die folgenden Leitfragen nacheinander stellen und fehlende Angaben als offene Punkte markieren. 4. Ergebnis nicht als Rechtsrat ausgeben, sondern als prueffaehige Arbeitsunterlage mit Annahmen, Belegen und naechster Portalaktion. ## Leitfragen 1. Geht es um persönliche Interessen, Petition, öffentliche Anhörung oder Ersuchen um Sachinformation? 2. Ist das Anliegen ausschliesslich lokal? 3. Handelt eine Koerperschaft öffentlichen Rechts oder ein Sozialpartner? ## Ausnahmekatalog § 2 II LobbyRG (Bundestag) Keine Interessenvertretung im Sinne des LobbyRG (und damit keine Registrierungspflicht) bei: - **Nr. 1**: Tätigkeit von **Sozialpartnern** (Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen) im Rahmen der Tarifautonomie nach Art. 9 III GG. - **Nr. 2**: Tätigkeit von **Kirchen und Religionsgemeinschaften** im Rahmen ihres Selbstbestimmungsrechts nach Art. 140 GG i. V. m. Art. 137 III WRV. - **Nr. 3**: Tätigkeit von **politischen Parteien** im Sinne von Art. 21 GG / § 2 PartG, soweit sie ihre Aufgaben nach Art. 21 GG wahrnehmen. - **Nr. 4**: **Petitionen** nach Art. 17 GG (an Volksvertretung); Anliegen gegenüber Bundestagsausschüssen. - **Nr. 5**: **persönliche Anliegen** (z. B. Bürgerin schreibt an MdB in eigener Angelegenheit). - **Nr. 6**: Ersuchen um **Sachinformation** durch Bundestag/Abgeordnete (z. B. öffentliche Anhörung als Sachverständiger). - **Nr. 7**: ausschließlich **lokale Interessenvertretung** (Bezirk, Kommune, Region — nicht Bundesangelegenheit). - **Nr. 8**: Tätigkeit von **Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts**. - **Nr. 9**: Anwaltliche Tätigkeit der **anwaltlichen Vertretung** in konkreten Mandantenangelegenheiten gegenüber Bundestagsverwaltung (nicht aber politische Lobbyarbeit). - **Nr. 10**: Tätigkeit von **diplomatischen Vertretungen** ausländischer Staaten und internationaler Organisationen. ## Restpflichten trotz Ausnahme - **Verhaltenskodex** § 5 LobbyRG kann auch für Ausnahmefälle relevant sein (Identitätsoffenlegung beim Kontakt). - **Freiwillige Registrierung** § 2 Abs. 5 LobbyRG bleibt möglich; kann Sichtbarkeit und Vertrauen erhöhen, löst aber eigene Richtigkeits- und Vollständigkeitspflichten aus. - **PartG-Pflichten** (Spenden, Sponsoring) bleiben unberührt vom LobbyRG. - **AbgG-Pflichten** für Adressaten (Abgeordnete) bleiben bestehen — insb. § 44a AbgG zur Veröffentlichung entgeltlicher Interessenvertretung. ## Praxisfallen - **Gemischte Tätigkeit**: Wer teils unter Ausnahme fällt, teils nicht, muss insgesamt registrieren, soweit nicht ausnahmsweise tätig. - **Lokales Anliegen** vs. Bundesangelegenheit: Sobald Wirkung über kommunalen Bereich hinausreicht, keine Ausnahme. - **Petitionen** sind ausgenommen, aber: ständige systematische "Petitionsversendungen" als Lobbystrategie können in Pflicht fallen. - **Stiftungen und Vereine** sind nicht per se ausgenommen; Pflicht zu prüfen. - **Kirche** ist ausgenommen, **kirchliche Wohlfahrtsverbände** (Caritas, Diakonie) nicht zwingend — Selbstbestimmungsrecht reicht nur soweit Glaubens-/Kultusbezug. ## Quellenanker - LobbyRG: https://www.gesetze-im-internet.de/lobbyrg/BJNR081800021.html - Lobbyregister FAQ: https://www.lobbyregister.bundestag.de/informationen-und-hilfe/informationen-für-interessenvertreter-863572 - Handbuch: https://www.lobbyregister.bundestag.de/informationen-und-hilfe/handbuch - Leitplanken: ../../references/lobbyregister-leitplanken.md ## Qualitaetsgate - Pflichtgrund, Ausnahme und freiwillige Registrierung werden getrennt. - Jede Frist bekommt Triggerdatum, Verantwortliche und Wiedervorlage. - Jede Portalangabe bekommt Quelle, Freigabe und offenen Pruefpunkt. - Unsichere Rechts- oder Tatsachenfragen werden nicht geglaettet, sondern sichtbar markiert.