--- name: luftfracht-local-counsel-briefen description: "Deutsches Kanzleiteam muss auslaendischen Anwalt für Luftfracht-Mandat briefen: Montreal Convention Haftung Gefahrgutvorfall oder Frachtführer-Insolvenz. Skill erstellt englisches Briefing-Memo mit Sachverhalt deutschem Recht und konkreten Fragen im Luftrecht Flughafenrecht." --- # Luftfracht – Local Counsel briefen ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: LuftVG; LuftSiG — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Mandantenfall - Deutsche Kanzlei soll in USA Local Counsel briefen für Haftungsklage nach Frachtschaden bei US-Airline. - Absender in Singapur fragt nach deutschem Recht für Gefahrgutvorfall bei deutschem Frachtführer. - Insolvenzverwalter beauftragt Kanzlei in Dubai zur Rückholung von Fracht aus UAE-Lager. ## Erste Schritte 1. Sachverhalt strukturieren: Parteien betroffene Luftfahrzeuge/Einrichtungen beteiligte Behörden und laufende Fristen. 2. Einschlägige Normen identifizieren: Montreal Convention LuftVG HGB § 440 IATA DGR InsO. 3. Register prüfen: LBA-Luftfahrzeugrolle AG-Braunschweig-Pfandrechtsregister ICAO-Cape-Town-Register je nach Fallrelevanz. 4. Zuständigkeit klären: LBA vs. Landesbehörde vs. EASA vs. Verwaltungsgericht. 5. Fristen sichern: Widerspruch (1 Monat) Klage (1 Monat) Insolvenzantrag (3/6 Wochen). 6. Handlungsbedarf dokumentieren: Ampel-Vermerk mit konkreten nächsten Schritten. ## Rechtsrahmen Montreal Convention LuftVG HGB § 440 IATA DGR InsO – die einschlägigen Normen werden je nach Sachverhaltsebene (nationaler Betrieb EU-Recht internationales Recht) herangezogen und zu jedem Normzitat kurz erläutert. - **LuftVG §§ 6 20 29 31 64**: Genehmigung Betrieb Register Aufsicht. - **LuftSiG §§ 7-9**: Zuverlässigkeitsüberprüfung Sicherheitsprogramme Aufsicht. - **EU-VO 1008/2008 Art. 3-9**: Betriebsgenehmigung finanzielle Leistungsfähigkeit Überwachung. - **Cape Town Convention Art. 2-16**: Internationale Sicherungsinteressen ICAO-Register. - **LuftFzgG §§ 1-28**: Nationales Pfandrecht Vollstreckung AG Braunschweig. - **InsO §§ 15a 17-19 47 50**: Insolvenzantragspflicht Gläubigerrechte. - **VwGO §§ 68 74 80**: Widerspruch Klage aufschiebende Wirkung. - **Montrealer Übereinkommen Art. 18**: Haftung des Luftfrachtführers für Beschädigung; Haftungsausschlüsse. - **LuftVG § 44**: Nationale Verweisung auf Montrealer Übereinkommen für innerdeutsche Flüge. - **EU-VO 300/2008 und DVO 2015/1998**: Sicherheitsanforderungen für Luftfracht; ACC3 und RA/KC-Status. - **HGB § 475**: Frachtführerhaftung subsidiär; nur soweit MÜ keine Regelung trifft. ## Prüfraster 1. Ist zuständige Behörde korrekt adressiert? 2. Sind alle Register vollständig abgefragt? 3. Laufen Fristen – sind alle gesichert? 4. Besteht Cape-Town-Registrierung mit IDERA? 5. Ist Insolvenzrisiko bewertet? 6. Sind Sicherheitsauflagen auf Verhältnismäßigkeit geprüft? 7. Ist Haftungsgrenze (22 SZR/kg) eingehalten oder Werterklärung im AWB vermerkt? 8. Ist die Frachtkette lückenlos dokumentiert (AWB Sicherheitsdeklaration Manifest)? ## Typische Fallstricke - Falsche Behörde adressiert; Frist läuft unbemerkt ab. - Cape-Town-Register nicht abgefragt; internationale Belastungen unerkannt. - Insolvenzfrühzeichen ignoriert; Antragspflicht ausgelöst ohne Reaktion. - Sicherheitsauflage als verhältnismäßig hingenommen ohne eigene Prüfung. - Haftungsregime Montrealer Übereinkommen mit HGB-Recht vermischt; falsche Haftungssumme. - AWB fehlt oder unvollständig; Beweislastumkehr zulasten des Frachtführers. ## Vertiefung Local-Counsel-Koordination Bei grenzüberschreitenden Luftrechtsfällen ist die Koordination mit ausländischen Anwälten entscheidend: - **Informationspaket**: Luftfahrzeugrolle-Auszug Cape-Town-Registerauszug Leasingvertrag AOC-Kopie und Behördenbescheide strukturiert übermitteln. - **Jurisdiktionsfragen**: Welches Recht gilt für Sicherungsinteresse (Cape Town)? Welches für Betriebsgenehmigung (nationales Recht)? Klare Abgrenzung im Briefing. - **Fristen synchronisieren**: Unterschiedliche Widerspruchs- und Klagfristen in verschiedenen Rechtsordnungen; gemeinsamen Fristenkalender anlegen. - **Haftungsfragen**: Local Counsel haftet nach eigenem nationalen Recht; Haftungsfreistellung im Mandat klären. ## Quellen - LuftVG: https://www.gesetze-im-internet.de/luftvg/BJNR006810922.html - Cape Town Convention: https://www.unidroit.org/instruments/security-interests/aircraft-protocol/ - LuftFzgG: https://www.gesetze-im-internet.de/luftfzgg/ - InsO: https://www.gesetze-im-internet.de/inso/ - Montrealer Übereinkommen: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A22001A0718%2801%29 - LBA Luftfracht: https://www.lba.de ## Hinweise für die Praxis Dieser Skill deckt den Bereich Luftfrachtrecht und Warschauer/Montrealer System ab. Folgende praktische Hinweise ergänzen die obigen Ausführungen: - Briefing-Dokument immer auf Englisch und in verständlicher Sprache; kein deutsches Rechtsjargon. - Zuständigkeit und anwendbares Recht im Briefing klar benennen. - Honorar- und Haftungsfragen im Vorfeld klären; Engagement-Letter anfordern. - Regelmäßige Status-Updates vereinbaren; gemeinsamen Fristenkalender führen. ### Dokumentationspflichten Für Mandate im Bereich Luftfrachtrecht und Warschauer/Montrealer System sind folgende Dokumente regelmäßig anzufordern: - Aktueller LBA-Luftfahrzeugrolle-Auszug mit Eigentumsangaben - AG-Braunschweig-Registerauszug (Luftfahrzeugpfandrecht) - Cape-Town-Registerauszug (ICAO International Registry) - Gültige Betriebsgenehmigung und AOC-Kopie - Leasingvertrag oder Eigentumsnachweis - Aktuelle Behördenbescheide und Aufsichtskorrespondenz