--- name: 057-remote-vorbereitung-ohne-unzulaessige-fernbeurkundu description: "Notariat im Alltag: Remote-Vorbereitung ohne unzulässige Fernbeurkundung. Was remote vorbereitet werden darf, Grenzen der Fernkommunikation, zulässige digitale Zusammenarbeit und Terminvorbereitung im Notariat." --- # Notariat im Alltag: Remote-Vorbereitung ohne unzulässige Fernbeurkundung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Zweck und Anwendungsbereich Die Digitalisierung verleitet zu der Annahme, man könne Beurkundungen vollständig remote abwickeln. Dieser Skill klärt, was vor dem Termin remote erlaubt ist, welche Schritte zwingend persönlich stattfinden müssen und wie ein optimaler Remote-Vorbereitungsprozess aussieht. Rechtsgrundlagen: §§ 6–35 BeurkG (Beurkundungsverfahren – Präsenzerfordernis), § 13 BeurkG (Vorlesen in Gegenwart), § 16 BeurkG (Dolmetscher), § 16a BNotO (Videobeurkundung – begrenzt), §§ 40a–40e BeurkG (Online-Beglaubigung), § 29 BNotO (Verschwiegenheit bei Kommunikation), DSGVO (Datenschutz). ## Was ist remote zulässig? | Tätigkeit | Remote zulässig? | |---|---| | Entwurfserstellung und -versand | Ja | | Sachverhaltsaufnahme per Telefon/Video | Ja (kein Beurkundungsakt) | | Identifizierung per Video-KYC | Nur für Online-Beglaubigung (§ 40a BeurkG) | | Korrekturen am Entwurf besprechen | Ja | | Erläuterung des Entwurfs | Ja (aber Belehrung nach § 17 BeurkG beim Termin) | | Vollmacht vorausfüllen | Ja | | GwG-Unterlagen anfordern | Ja | | Beurkundung selbst | NEIN (§ 13 BeurkG: Gegenwart erforderlich) | | Unterschriftsbeglaubigung | NEIN (Ausnahme: Online-Beglaubigung § 40a BeurkG) | ## Zulässige Online-Beglaubigung (§§ 40a–40e BeurkG) Seit 2022: Unterschriftsbeglaubigung kann unter bestimmten Voraussetzungen online erfolgen: - Beteiligter nutzt qualifizierte elektronische Signatur (qeS) nach eIDAS - Notar und Beteiligter kommunizieren per Videokonferenz - Identifizierung über zugelassenes Videoident-Verfahren - Geltungsbereich begrenzt auf bestimmte Urkunden ## Optimaler Remote-Vorbereitungsprozess 1. **Sachverhaltsaufnahme** (Telefon/Video, 30 Min.) 2. **GwG-Unterlagen-Anforderung** per E-Mail 3. **Entwurf erstellen und versenden** (Entwurfsversand + Wartefrist §17 Abs. 2a BeurkG) 4. **Entwurfsreview per Video** (Fragen klären, Änderungen besprechen) 5. **Termin vereinbaren** (erst nach Ablauf Wartefrist) 6. **Terminerinnerung** mit Unterlagen-Checkliste (was mitbringen?) 7. **Präsenztermin** (Identifizierung, Vorlesen, Belehrung, Unterzeichnung) ## Datenschutz bei Remote-Kommunikation - Videocalls: nur über datenschutzkonforme Plattformen (DSGVO, Art. 32) - Dokumentenversand: beN oder verschlüsseltes PDF - Aufzeichnung von Videocalls: nur mit Einwilligung; für Beurkundungszwecke nicht geeignet - Speicherung von Videokonferenzdaten: begrenzte Aufbewahrung ## Häufige Fehler bei Remote-Zusammenarbeit - Notar erteilt „Vorab-Belehrung" per Video, die die formelle Belehrung beim Termin ersetzen soll → unzulässig. - Notar nimmt Änderungswünsche per Video entgegen ohne beide Parteien gleichzeitig einzubeziehen → Unparteilichkeitsrisiko. - Mandant möchte Beurkundung per Video-Call → ausdrückliche Aufklärung: nur in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen. ## Prüfprogramm - Ist der geplante Schritt eine Beurkundungshandlung (Präsenz erforderlich) oder eine Vorbereitungsmaßnahme? - Liegt eine gesetzliche Grundlage für die Online-Beglaubigung vor? - Remote-Kommunikation DSGVO-konform? - Entwurfsversand dokumentiert? ## Typische Fallen - Belehrung remote erteilt, nicht wiederholt beim Termin → §17 BeurkG-Mangel. - Beurkundung via Zoom ohne gesetzliche Basis → nichtige Urkunde. - Entwurfsänderungen remote vereinbart, aber nicht in aktualisiertem Entwurf festgehalten. ## Rechtsquellen - § 13 BeurkG: https://dejure.org/gesetze/BeurkG/13.html - §§ 40a–40e BeurkG: https://dejure.org/gesetze/BeurkG/40a.html - § 16a BNotO: https://dejure.org/gesetze/BNotO/16a.html - DSGVO Art. 32: https://dejure.org/gesetze/DSGVO/32.html - BNotK Online-Beurkundung: https://www.bnotk.de ## Output-Formate - **Remote-Vorbereitungsplan** (Schritt für Schritt) - **Zulässigkeits-Entscheidungsbaum** (was remote geht, was nicht) - **Video-Terminagenda** (Entwurfsreview, kein Beurkundungsakt) - **DSGVO-Prüfung Kommunikationstool** - **Mandantenmail** (Vorbereitung remote, Präsenztermin nötig) Quellen für Live-Check: https://dejure.org | https://openjur.de | https://www.gesetze-im-internet.de | https://www.bnotk.de | https://www.bgh.de | https://www.bverfg.de