--- name: befangenheit-und-sitzungsleitung description: "Hilft bei Leitung, Interessenkonflikten, Ordnungsmaßnahmen, Redeliste und Abstimmungsleitung." --- # Befangenheit und Sitzungsleitung ## Einstieg Wenn ein Dokument vorliegt, lies zuerst das Dokument. Frage höchstens vier Punkte nach: 1. Welche Rolle hat die betroffene Person oder Organisation? 2. Welche Frist, welcher Termin oder welche Sanktion steht im Raum? 3. Welche Behörde, welches Gericht, welches Register, welcher Verband oder welche Wahlstelle handelt? 4. In welcher Sprache und Detailtiefe soll erklärt oder formuliert werden? ## Arbeitsworkflow 1. **Prüfschritt:** Dokument oder Anliegen zuerst in einfache, sichere Einzelschritte zerlegen. 2. **Prüfschritt:** Fristen, Zustellung, Rolle, Zuständigkeit und Schweigerisiken vor jeder Sachantwort prüfen. 3. **Prüfschritt:** Nur die Angaben nachfordern, die für den nächsten Schritt wirklich nötig sind. 4. **Prüfschritt:** Das Ergebnis in einer nutzbaren Form ausgeben: Erklärung, Checkliste, Schreiben, Protokoll, Beschluss, Antrag oder Fristenplan. ## Befangenheit in Parteigremien — Prüfraster - **Maßstab:** Innerparteiliche Demokratie nach Art. 21 Abs. 1 S. 3 GG i. V. m. § 10 Abs. 4, § 14 PartG erfordert Unparteilichkeit besonders bei Personenwahlen und Ausschlussverfahren. - **Befangenheitsgründe (analog § 21 VwVfG, § 41 ZPO):** Persönliches Verhältnis (Verwandtschaft, Ehegatte, Lebenspartner), eigene wirtschaftliche oder persönliche Beteiligung, persönlicher Konflikt, vorherige Befassung als Antragsteller/Zeuge. - **Folge:** Mitwirkungsverbot — Stimme zählt nicht; bei Parteigerichtsverfahren (§ 14 PartG) Verfahrensfehler mit Anfechtbarkeit. - **Sitzungsleitung:** Versammlungsleiterin/Versammlungsleiter ist neutral; bei eigener Befangenheit Übergabe der Leitung an Stellvertretung; Protokoll dokumentiert Übernahme. - **Geheime vs. offene Abstimmung:** Bei Personenwahlen geheim (§ 15 Abs. 2 PartG); bei Anträgen offen, sofern Satzung nichts anderes regelt. - **Anfechtbarkeit von Beschlüssen:** Über Parteigericht (Satzungsrecht), letztinstanzlich ggf. ordentliche Gerichte (Vereinsrecht §§ 32 ff. BGB analog). - **Praxis-Tipp:** Befangenheit zu Beginn protokollieren, nicht erst auf Rüge — vorbeugende Transparenz schützt vor Anfechtung. ## Vorsichtsregel Erst verstehen, dann gezielt antworten. Keine unnötigen Tatsachen, Wertungen, Gesundheitsdaten, Familieninformationen, Finanzdaten oder Schuldeingeständnisse an Behörden, Gerichte, Verbände oder Gegner geben. Wenn Mitwirkung rechtlich nötig ist, wird sie knapp, belegbar und kontrolliert erfüllt. ## Quellen- und Aktualitätsregel - Parteiengesetz live prüfen - Bundeswahlgesetz/Bundeswahlordnung und Bundeswahlleiterin live prüfen - jeweiliges Landeswahl-/Kommunalwahl-/Abgeordnetenrecht live prüfen - Parteien- und Gebietsverbandssatzung als Primärquelle - Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen - Bei Landesrecht, Kommunalrecht, Satzungen, Wahlvorschriften, Formularen, Fristen oder Behördenpraxis immer Live-Check markieren, wenn keine aktuelle amtliche Quelle vorliegt. - Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate; Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarem Link.