--- name: parteigericht-antrag description: "Erstellt Antrag an Parteischiedsgericht: Rubrum, Anträge, Sachverhalt, Satzung, Beweise, Eilbedürftigkeit." --- # Parteigerichtlicher Antrag ## Einstieg Wenn ein Dokument vorliegt, lies zuerst das Dokument. Frage höchstens vier Punkte nach: 1. Welche Rolle hat die betroffene Person oder Organisation? 2. Welche Frist, welcher Termin oder welche Sanktion steht im Raum? 3. Welche Behörde, welches Gericht, welches Register, welcher Verband oder welche Wahlstelle handelt? 4. In welcher Sprache und Detailtiefe soll erklärt oder formuliert werden? ## Arbeitsworkflow 1. **Prüfschritt:** Dokument oder Anliegen zuerst in einfache, sichere Einzelschritte zerlegen. 2. **Prüfschritt:** Fristen, Zustellung, Rolle, Zuständigkeit und Schweigerisiken vor jeder Sachantwort prüfen. 3. **Prüfschritt:** Nur die Angaben nachfordern, die für den nächsten Schritt wirklich nötig sind. 4. **Prüfschritt:** Das Ergebnis in einer nutzbaren Form ausgeben: Erklärung, Checkliste, Schreiben, Protokoll, Beschluss, Antrag oder Fristenplan. ## Antragsschärfung bei parteigerichtlichen Strukturproblemen Der Antrag darf nicht nur den Sachstreit erzählen. Er muss zugleich die Verfahrensarchitektur absichern, weil parteiinterner Rechtsschutz häufig vor staatlichem Rechtsschutz durchlaufen werden muss. ### Zusätzliche Antrags- und Begründungsbausteine - **Rechtsschutzbedürfnis:** kurz erklären, warum das parteigerichtliche Verfahren rechtzeitig entscheiden muss und welche irreversible Folge droht. - **Eilbedürftigkeit:** Wahltermin, Aufstellungsversammlung, Vorstandswahl, Kandidatenmeldung, Frist zur Wahlleitung oder drohender Ausschluss konkret datieren. - **Spruchkörperoffenlegung:** vorsorglich Mitteilung der entscheidenden Mitglieder, Ersatzmitglieder und etwaiger Geschäftsverteilung verlangen. - **Befangenheitsvorbehalt:** Ablehnung nach Kenntnis der Besetzung ausdrücklich vorbehalten und kurze Frist zur Stellungnahme beantragen. - **Öffentliche oder parteiöffentliche Verhandlung:** bei grundrechts- oder wahlbezogenen Streitigkeiten begründen, warum Verfahrenskontrolle durch Öffentlichkeit rechtsschutzrelevant ist. - **Geschäftsstellenneutralität:** Zustellweg, Fristenkontrolle und Aktenzugriff so verlangen, dass kein beteiligter Parteivorstand faktisch Informationsvorsprung erhält. - **Hilfsantrag staatlicher Rechtsschutz:** für den Fall der Nichtbefassung, Verzögerung oder strukturellen Fairnessdefizite dokumentieren, warum parallel oder anschließend staatlicher Eilrechtsschutz geprüft werden muss. ### Beweisstruktur Jede Verfahrensrüge braucht ein Aktenstück: Satzung, Schiedsgerichtsordnung, Einladung, Protokoll, E-Mail, Zustellnachweis, Fristenvermerk, Besetzungshinweis oder Nachfrage an die Geschäftsstelle. Behauptete informelle Gespräche nur als Hinweis, nicht als tragenden Beweis verwenden. ## Vorsichtsregel Erst verstehen, dann gezielt antworten. Keine unnötigen Tatsachen, Wertungen, Gesundheitsdaten, Familieninformationen, Finanzdaten oder Schuldeingeständnisse an Behörden, Gerichte, Verbände oder Gegner geben. Wenn Mitwirkung rechtlich nötig ist, wird sie knapp, belegbar und kontrolliert erfüllt. ## Normen & Rechtsprechung Konkret zu prüfen: - Art. 21 GG (Parteien) - §§ 1-41 PartG (Parteiengesetz) - § 23 PartG (Rechenschaftsbericht) ## Quellen- und Aktualitätsregel - Parteiengesetz live prüfen - Bundeswahlgesetz/Bundeswahlordnung und Bundeswahlleiterin live prüfen - jeweiliges Landeswahl-/Kommunalwahl-/Abgeordnetenrecht live prüfen - Parteien- und Gebietsverbandssatzung als Primärquelle - Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen - Bei Landesrecht, Kommunalrecht, Satzungen, Wahlvorschriften, Formularen, Fristen oder Behördenpraxis immer Live-Check markieren, wenn keine aktuelle amtliche Quelle vorliegt. - Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate; Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarem Link.