--- name: parteigericht-aufbau description: "Prüft Schiedsgerichtsordnung, Besetzung, Unabhängigkeit, Zuständigkeit und Verfahrensgrundsätze." --- # Parteigericht Aufbau ## Einstieg Wenn ein Dokument vorliegt, lies zuerst das Dokument. Frage höchstens vier Punkte nach: 1. Welche Rolle hat die betroffene Person oder Organisation? 2. Welche Frist, welcher Termin oder welche Sanktion steht im Raum? 3. Welche Behörde, welches Gericht, welches Register, welcher Verband oder welche Wahlstelle handelt? 4. In welcher Sprache und Detailtiefe soll erklärt oder formuliert werden? ## Arbeitsworkflow 1. **Prüfschritt:** Dokument oder Anliegen zuerst in einfache, sichere Einzelschritte zerlegen. 2. **Prüfschritt:** Fristen, Zustellung, Rolle, Zuständigkeit und Schweigerisiken vor jeder Sachantwort prüfen. 3. **Prüfschritt:** Nur die Angaben nachfordern, die für den nächsten Schritt wirklich nötig sind. 4. **Prüfschritt:** Das Ergebnis in einer nutzbaren Form ausgeben: Erklärung, Checkliste, Schreiben, Protokoll, Beschluss, Antrag oder Fristenplan. ## Vertiefung: Parteigericht als echter Rechtsschutz § 14 PartG privilegiert parteiinterne Schiedsgerichte nur, wenn sie mehr sind als ein Etikett. Dieser Skill prüft deshalb nicht nur, ob eine Schiedsgerichtsordnung existiert, sondern ob ihre Organisation im konkreten Fall rechtliches Gehör, gerechtes Verfahren, Befangenheitskontrolle und eine tatsächlich unabhängige Entscheidung ermöglicht. ### Strukturcheck - **Besetzung:** Amtszeit, Wahl, Ausschluss von Vorstandsmitgliedern, Dienstverhältnissen und regelmäßigen Einkünften nach § 14 Abs. 2 PartG prüfen. - **Geschäftsstelle:** Wo liegt die Geschäftsstelle, wer führt Fristen, wer nimmt Schriftsätze entgegen, und besteht ein praktischer Loyalitätskonflikt zur beteiligten Parteiebene? - **Transparenz der Spruchkörper:** Sind Mitglieder, Ersatzmitglieder, Zuständigkeit und Geschäftsverteilung vorab erkennbar und nachträglich überprüfbar? - **Befangenheit:** Kann die betroffene Person vor der Entscheidung erkennen, wer entscheidet, und substantiiert ablehnen? - **Öffentlichkeit:** Bei mündlicher Verhandlung prüfen, ob Parteiöffentlichkeit oder allgemeine Öffentlichkeit vorgesehen, ausgeschlossen oder beantragt werden kann; Geheimhaltung darf effektiven Rechtsschutz nicht leerlaufen lassen. - **Instanzen und Dauer:** Wie viele parteigerichtliche Instanzen gibt es, welche Fristen gelten, und kann die Sache vor Erledigung der Wahl-/Organfrage entschieden werden? ### Warnsignal Wenn Satzung und Praxis dazu führen, dass ein Mitglied jahrelang in internen Instanzen gebunden bleibt, während Wahlperioden, Kandidatenaufstellungen oder Organämter faktisch erledigt sind, muss der Skill ausdrücklich prüfen, ob der Vorrang der Parteigerichtsbarkeit noch tragfähig ist oder staatlicher Rechtsschutz wegen Unzumutbarkeit, Zeitablauf oder Eilbedürftigkeit eröffnet werden muss. ## Vorsichtsregel Erst verstehen, dann gezielt antworten. Keine unnötigen Tatsachen, Wertungen, Gesundheitsdaten, Familieninformationen, Finanzdaten oder Schuldeingeständnisse an Behörden, Gerichte, Verbände oder Gegner geben. Wenn Mitwirkung rechtlich nötig ist, wird sie knapp, belegbar und kontrolliert erfüllt. ## Normen & Rechtsprechung Konkret zu prüfen: - Art. 21 GG (Parteien) - §§ 1-41 PartG (Parteiengesetz) - § 23 PartG (Rechenschaftsbericht) ## Quellen- und Aktualitätsregel - Parteiengesetz live prüfen - Bundeswahlgesetz/Bundeswahlordnung und Bundeswahlleiterin live prüfen - jeweiliges Landeswahl-/Kommunalwahl-/Abgeordnetenrecht live prüfen - Parteien- und Gebietsverbandssatzung als Primärquelle - Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen - Bei Landesrecht, Kommunalrecht, Satzungen, Wahlvorschriften, Formularen, Fristen oder Behördenpraxis immer Live-Check markieren, wenn keine aktuelle amtliche Quelle vorliegt. - Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate; Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarem Link.