--- name: staatliche-parteienfinanzierung description: "Erklärt Anspruchslogik, Stimmen, Zuwendungen, absolute Obergrenze, Antrag und Rechenschaftsbezug." --- # Staatliche Parteienfinanzierung ## Einstieg Wenn ein Dokument vorliegt, lies zuerst das Dokument. Frage höchstens vier Punkte nach: 1. Welche Rolle hat die betroffene Person oder Organisation? 2. Welche Frist, welcher Termin oder welche Sanktion steht im Raum? 3. Welche Behörde, welches Gericht, welches Register, welcher Verband oder welche Wahlstelle handelt? 4. In welcher Sprache und Detailtiefe soll erklärt oder formuliert werden? ## Arbeitsworkflow 1. **Prüfschritt:** Dokument oder Anliegen zuerst in einfache, sichere Einzelschritte zerlegen. 2. **Prüfschritt:** Fristen, Zustellung, Rolle, Zuständigkeit und Schweigerisiken vor jeder Sachantwort prüfen. 3. **Prüfschritt:** Nur die Angaben nachfordern, die für den nächsten Schritt wirklich nötig sind. 4. **Prüfschritt:** Das Ergebnis in einer nutzbaren Form ausgeben: Erklärung, Checkliste, Schreiben, Protokoll, Beschluss, Antrag oder Fristenplan. ## Staatliche Parteienfinanzierung — Anspruchsbasis (§ 18 PartG) ### 1. Voraussetzungen für Anspruch - **Wahlergebnis-Schwellen** § 18 IV PartG: - Bei Bundestagswahl / Europawahl: mindestens **0,5 %** der gültigen Stimmen. - Bei Landtagswahl: mindestens **1,0 %** der gültigen Stimmen (Land). - **Antragstellung** durch Bundes- bzw. Landesvorsitzende. - **Rechenschaftsbericht** § 23 PartG fristgerecht eingereicht (sonst Verlust der Mittel, § 19a PartG). ### 2. Berechnungsformel § 18 III PartG Drei Komponenten zur jährlichen Mittelzuteilung: 1. **Wählerstimmenanteil**: - **1 Euro** pro Stimme bis 4 Mio. Stimmen, - **0,83 Euro** pro Stimme ab 4 Mio. (degressiv). 2. **Mitgliedsbeiträge und Mandatsträgerbeiträge**: - **0,45 Euro** pro Euro selbst eingenommener Beiträge. 3. **Spenden natürlicher Personen** (nicht jur. Personen): - **0,45 Euro** pro Euro Spende natürlicher Person, gedeckelt auf maximal 3.300 Euro Spende pro Spender / Jahr (für die Zuwendung). ### 3. Absolute Obergrenze (Gesamtbetrag § 18 II PartG) - **Gesamtsumme** für alle Parteien: durch Gesetz festgelegt; jährlich indexiert (Preisindexkopplung); aktuelle Größenordnung 2024: ca. **200 Mio. Euro** (Live-Prüfung über www.bundestag.de/parlament/praesidium/parteienfinanzierung). - Bei Überschreitung: anteilige Kürzung aller Parteien. - **Relative Obergrenze** § 18 V PartG: staatliche Mittel dürfen die selbst eingenommenen Mittel der Partei nicht übersteigen. ### 4. Auszahlungsverfahren § 19a PartG - **Bundestagspräsidentin** legt jährlich Höhe der staatlichen Mittel fest. - **Abschlagszahlungen** quartalsweise. - **Endgültige Festsetzung** nach Rechenschaftsbericht. - **Klage gegen Festsetzung** § 19a V PartG: zum BVerwG (besonderer Rechtsweg). ### 5. Rechenschaftsbezug - Mittel werden nur ausgezahlt, wenn Rechenschaftsbericht ordnungsgemäß und fristgerecht eingereicht (§ 19a III PartG; Frist: 30. September des Folgejahres). - **Sanktion** § 31c PartG: bei Falschangaben Rückforderung dreifacher Betrag. ## Verfahrensweise 1. **Antrag** beim Bundestagspräsidium nach Wahl (formgebunden). 2. **Beleg der Schwellenwerterreichung** durch Wahlergebnis. 3. **Rechenschaftsbericht** § 23 PartG mit Wirtschaftsprüferbestätigung. 4. **Festsetzung** durch Bundestagspräsidentin. 5. **Abschlagszahlung** quartalsweise. ## Praxisfallen - **Untergrenze 0,5 / 1,0 %** muss exakt erreicht werden — knapp darunter = vollständig kein Anspruch. - **Relative Obergrenze** § 18 V PartG: Parteien mit wenig Eigeneinnahmen erhalten weniger als das Maximum. - **Verspäteter Rechenschaftsbericht** = Verlust für betreffendes Jahr; Wiedereinsetzung nur in seltenen Härtefällen. - **BVerfG-Rechtsprechung zur absoluten Obergrenze** der Parteienfinanzierung (zuletzt zur Erhöhung 2018): aktuelle Linie auf bundesverfassungsgericht.de live verifizieren, Pinpoint vor Verwendung. - **Finanzierungsausschluss** Art. 21 III GG (siehe Skill `parteiverbot-und-finanzierungsausschluss`) entzieht den Anspruch für 6 Jahre. - **Spenden mit Zuwendungs-Begrenzung 3.300 Euro**: höhere Spenden zählen nur bis 3.300 Euro in die Bemessungsgrundlage. ## Vorsichtsregel Erst verstehen, dann gezielt antworten. Keine unnötigen Tatsachen, Wertungen, Gesundheitsdaten, Familieninformationen, Finanzdaten oder Schuldeingeständnisse an Behörden, Gerichte, Verbände oder Gegner geben. Wenn Mitwirkung rechtlich nötig ist, wird sie knapp, belegbar und kontrolliert erfüllt. ## Quellen- und Aktualitätsregel - Parteiengesetz live prüfen - Bundeswahlgesetz/Bundeswahlordnung und Bundeswahlleiterin live prüfen - jeweiliges Landeswahl-/Kommunalwahl-/Abgeordnetenrecht live prüfen - Parteien- und Gebietsverbandssatzung als Primärquelle - Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen - Bei Landesrecht, Kommunalrecht, Satzungen, Wahlvorschriften, Formularen, Fristen oder Behördenpraxis immer Live-Check markieren, wenn keine aktuelle amtliche Quelle vorliegt. - Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate; Rechtsprechung nur verifiziert mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarem Link.