--- name: subscription-package-und-side-letter description: "Prüft Beitrittserklärung, KYC, Tax Forms, MFN, Reporting, No-Fault-Divorce, Key-Person und Most-Favoured-Nation im Private Equity Praxis." --- # Subscription Package und Side Letter ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: BGB §§ 305-310, AGBG (alt), EuGH zu Klauseltransparenz (z. B. C-26/13, C-186/16), VerbrG; GmbHG §§ 5, 15, 16, 53, AktG §§ 182, 192, 202, UmwG, KAGB, BGB §§ 311b, 145 ff., EStG § 17 — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Subscription Package und Side Letter - **Normen-/Quellenanker:** GmbHG, AktG, UmwG, GWB/FKVO, AWG/AWV, KAGB/AIFM-Bezug, LMA-Finanzierung, InsO/StaRUG, Steuer- und Managementbeteiligungsfragen. - **Entscheidende Weiche:** Bestimme Dealphase, Fondsrolle, Target-Risiko, Finanzierungsstruktur, Consent/CP, Exit-Auswirkung und Konflikt zwischen Sponsor, Management, Lender und Co-Investor. ## Worum geht es konkret Der Skill arbeitet das vollständige Subscription-Paket ab: Beitrittserklärung (Subscription Agreement), Anlegerklassifizierungsbogen, KYC-Anhang, FATCA/CRS-Selbstauskunft, AnlV-Bescheinigung bei Versicherern, ESG-Erklärung und Side Letter mit MFN-Logik. Fokus auf LP-Rechte, Gleichbehandlung, Side-Letter-Kollisionen und spätere Durchsetzbarkeit. ## Wann dieses Modul hilft / Kaltstart-Fragen 1. Welche LP-Kategorie zeichnet (institutionell, Family Office, semiprofessionell)? 2. Ticketgröße (entscheidet MFN-Tier)? 3. Welche Side-Letter-Wünsche bringen die LP-Vertreter (MFN, Reporting, ESG, Excuse, Co-Invest, Key Person, No-Fault Divorce)? 4. Anwendbares Recht des LPA und der Anlagebedingungen (DE / LUX / Cayman)? 5. Bestehen existierende Investorengruppen (Anchor LPs) mit Sonderkonditionen? 6. Steuerstatus des LP (Tax-Exempt, Pension Plan, Sovereign Wealth Fund)? 7. Gibt es interne Approval-Hürden des LPs (IC Memo, Beirat, Compliance)? 8. Closing-Termin und KYC-Frist? ## Rechtlicher und transaktionaler Rahmen KAGB § 67 (Anlagebedingungen), §§ 281 ff. (Spezial-AIF), § 162 KAGB (Berichts- und Informationspflichten); BGB §§ 305 ff. AGB-Recht; GwG §§ 10 ff. (KYC, UBO); FATCA-Abkommen DE-USA und §§ 138 ff. AO; FKAustG (CRS); VAG/AnlV für Versicherer; SFDR Pre-Contractual Disclosure (Art. 6, 8, 9); MFN-Doktrin als ILPA-Standard; § 162 KAGB Reporting-Pflichten; Datenschutz Art. 6, 28 DSGVO. ## / Schritt für Schritt 1. Subscription Agreement Draft mit Anlegerstammdaten, Commitment, Anlegerklassifizierung, FATCA/CRS, AnlV-Erklärung, ESG-Negativliste, Datenschutzhinweis. 2. KYC-Anhang: UBO-Kette, Quellenachweis (Wealth Source, Funds Source), Sanktionserklärung, PEP-Erklärung. 3. Side-Letter-Verhandlung: jeden Wunsch in eine MFN-Kategorie einsortieren (typisch Tier-A >= 100 Mio. EUR, Tier-B 25–100 Mio. EUR, Tier-C < 25 Mio. EUR). 4. MFN-Election-Process nach Final Closing: alle LPs erhalten redaktierte Liste der gewährten Rechte zur Wahl. 5. Conflict-Check: Side-Letter-Rechte mit LPA-Standard und anderen Side Lettern abgleichen. 6. Eskalationspfad bei Disput: Sponsor-Counsel vs. LP-Counsel, ggf. Anchor-LP-Comfort-Letter. 7. Closing-Pack: signiertes Sub-Doc, KYC-Komplett, Side Letter, Capital Call Notice für Initial Funding. ## Trade-off-Matrix | Strikt standardisiert (kein Side Letter) | Stark individualisierte Side Letter | Tiering mit MFN | | --- | --- | --- | | Maximaler Schutz vor Kollision | Maximale LP-Bindung | Beste Praxis | | Aber: Anchor-LP-Verlust droht | Side-Letter-Hölle bei Final Closing | Klare Erwartungssteuerung | | Realistisch nur bei Mid-Cap-Fonds | Nur bei Single-Anchor-LP | Marktstandard für Multi-LP-Fonds | ## Praktikertipps Big-Law-PE - Side Letter mit Sovereign Wealth Funds und Pension Plans enthalten häufig "regulatory carve-outs" — proaktiv in MFN-Modul ausschließen. - ESG-Negativlisten der LPs sammeln und in einem "Master-Excuse-Schedule" konsolidieren; spart bei jedem Capital Call Zeit. - Reporting-Side-Letter (zusätzliche ILPA-Templates, individuelle Quartalsberichte) sind häufig der größte Operations-Treiber — Aufwand mit Administrator vorab klären. - "Key Person Clause" bei Reduzierung der Investment Period (typisch 12 Monate Suspension Period) ist hart verhandelt. - "No-Fault Divorce" / Removal of GP mit 75–80 Prozent Supermajority ist ILPA-Standard; bei Sponsor-Strukturen Übergangsregeln präzise verhandeln. - AnlV-Bescheinigung wird häufig erst zum Final Closing nachgereicht — Sub-Doc enthält Erklärung "wird beigebracht bis zum Final Closing". ## Mustertexte / SPA-Klauseln MFN-Mechanik (Sub-Doc): > Nach Final Closing erhält jeder Limited Partner eine redaktierte Liste sämtlicher von der KVG mit anderen LPs gewährter Side-Letter-Rechte. Jeder LP kann innerhalb von 30 Bankarbeitstagen die Anwendung beanspruchen, soweit (i) seine Tier-Klassifizierung dies zulässt, (ii) das Recht nicht ausgeschlossen ist (Regulatory Carve-Out, Tax-Specific Provision) und (iii) das Recht nicht ein individueller Vorteil aufgrund spezifischer LP-Anforderungen ist. Key Person Suspension (LPA): > Bei Ausscheiden von mehr als 50 Prozent der Key Persons innerhalb eines Zwölfmonatszeitraums tritt automatisch eine Investment Suspension ein. Während der Suspension darf der Fonds keine neuen Investments tätigen. Die Suspension endet (i) durch LPAC-Mehrheitsbeschluss nach Nachbesetzung oder (ii) 12 Monate nach Eintritt, sofern keine Suspension-Aufhebung erfolgt. ## Typische Fehler - Side-Letter mit Vetorechten gewähren — kippt LPA-Governance. - MFN ohne Tiering — Kaskade von Nachverhandlungen nach Final Closing. - KYC-Lücke beim Anchor-LP — Initial Closing rutscht. - Datenschutzhinweis fehlt — AVV-Lücke gegenüber Administrator. ## Quellen Stand 06/2026 - KAGB §§ 67, 162, 281 ff. - GwG §§ 10 ff.; § 138 AO; FKAustG; FATCA-Abkommen DE-USA. - BGB §§ 305 ff. AGB-Recht; AGG bei Anlegerausschlüssen. - SFDR (VO (EU) 2019/2088) Pre-Contractual Disclosure. - ILPA Principles 3.0 (Stand vom Anwender zu prüfen). - DSGVO Art. 6, 28.