--- name: produkthaftung-grundlagen-produktsicherheit description: "Grundlagen Produkthaftung: ProdHaftG und deliktische Produzentenhaftung, Fehlerbegriff, Anspruchsgegner, Beweislast, Haftungshöchstgrenzen, digitale Komponenten, Software, Updates, Reparatur und neue EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024/2853 im Produktrecht." --- # Produkthaftung: Grundlagen, digitales Produkt und Lifecycle ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: GPSR Geltungsbeginn 13.12.2024, MaschinenVO 20.01.2027, ProdHaftRL-Umsetzung 09.12.2026, Rückruf unverzüglich, Meldung schwerer Unfall innerhalb 2 Tagen. - Tragende Normen verifizieren: ProdSG, ProdHaftG, EU-Marktüberwachungs-VO 2019/1020, EU-Produktsicherheits-VO 2023/988 (GPSR ab 13.12.2024), Produkthaftungs-RL 2024/2853, MaschinenVO 2023/1230, GPSGV — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Hersteller, Importeur, Händler, Fulfillment-Dienstleister, Marktüberwachungsbehörde (BAuA, Länder), benannte Stelle, Endverbraucher. - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Konformitätserklärung, technische Dokumentation, Risikoanalyse, CE-Kennzeichnung, Rückrufkonzept, Sicherheitsbericht, Online-Marktplatz-AGB — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Sofort klären 1. Welches Produkt: körperliche Ware, Maschine, IoT-Gerät, Software, App, digitales Fertigungsfile, Ersatzteil, refurbished/remanufactured Produkt oder Kombination? 2. Welche Rolle: Hersteller, Importeur, Händler, Fulfilment-Dienstleister, Online-Marktplatz, Repairer, unabhängige Werkstatt, Softwareanbieter, Nutzer oder Geschädigter? 3. Welche Spur: Produktsicherheit/Marktüberwachung, vertragliche Gewährleistung, ProdHaftG/Produzentenhaftung, Rückruf, Versicherung, Strafrecht, Right-to-Repair oder neues EU-Produkthaftungsrecht? 4. Welche Zeit: Inverkehrbringen vor oder nach 13.12.2024 GPSR, Rechtsstand der nationalen Right-to-Repair-Umsetzung, Produkt nach dem 09.12.2026 für die neue Produkthaftungsrichtlinie? 5. Welche Belege: technische Dokumentation, Risikoanalyse, CE, Gebrauchsanleitung, Update-Policy, Reparaturmanual, Ersatzteilliste, Feldbeobachtung, Incident-Tickets, Rückrufplan? ## Rechtsanker - Geltendes deutsches Recht: ProdHaftG, § 823 BGB, Produktsicherheitsrecht, Marktüberwachungsrecht, vertragliche Gewährleistung nach BGB. - GPSR: Verordnung (EU) 2023/988 gilt seit 13.12.2024 für allgemeine Produktsicherheit. - Right to Repair: Richtlinie (EU) 2024/1799, Umsetzungsstand live prüfen; sie ändert u. a. die Warenkaufrichtlinie (EU) 2019/771 und setzt auf Reparaturförderung, Reparaturinformationen/Formular/Plattform und Grenzen sachwidriger Reparaturhindernisse. - Neue Produkthaftung: Richtlinie (EU) 2024/2853, Umsetzung bis 09.12.2026; erfasst u. a. Software, digitale Fertigungsdateien und relevante digitale Dienste als Teil des Produkts. - Cyber-/Digital-Schnittstellen je nach Produkt zusätzlich CRA, KI-VO, Maschinenverordnung, Data Act, BatterieVO und sektorspezifische Regeln live prüfen. ## Arbeitsprogramm 1. **Nicht alles Produkthaftung nennen.** Produktsicherheit/Behördenpflichten, zivilrechtliche verschuldensunabhängige Produkthaftung, deliktische Produzentenhaftung, vertragliche Gewährleistung und Reparaturrecht trennen. 2. **Lebenszyklus denken.** Design, Herstellung, digitale Komponenten, Updates, Ersatzteile, Reparatur, Refurbishment, Rückruf, End-of-Support und Entsorgung erfassen. 3. **Repair-by-design prüfen.** Hardware- und Software-Techniken, Teilekopplung, Pairing, Diagnosezugang, Ersatzteile, Manuals und IP-/Security-Rechtfertigungen bewerten. 4. **Beweisakte bauen.** Versionen, Seriennummern, Firmwarestände, Update-Historie, Reparaturversuche, Schadensbilder, Kundenkommunikation und Behördenkontakte dokumentieren. 5. **Output entscheidungsfähig machen.** Risikoampel, Maßnahmenplan, Behörden-/Kundenschreiben, Rückruf-/Repair-Plan, Vertragsklauseln oder Klage-/Abwehrmemo liefern. ## Prüfraster 1. Anspruchsspur: ProdHaftG, § 823 BGB, Vertrag/Gewährleistung, Produktsicherheit/Behörde, Versicherung, Strafrecht. 2. Fehlerart: Konstruktion, Fabrikation, Instruktion, Produktbeobachtung, Update, Cybersecurity, Reparaturhindernis, fehlerhafte Nachrüstung. 3. Anspruchsgegner: Hersteller, Quasi-Hersteller, Importeur, Händler, Software-/Komponentenhersteller, Fulfilment/Marktplatz je nach Rechtsstand. 4. Beweis: Produkt, Fehler, Schaden, Kausalität, Entlastung, Beweiserleichterungen nach kommendem EU-Recht. 5. Maßnahmen: Rückruf, Warnung, Reparaturprogramm, Update, Ersatzteilversorgung, Versicherer- und Behördenkommunikation.