--- name: 011-pompeji-graffiti-sozialquelle description: "Römisches Recht: Pompeji Graffiti als Rechts- und Sozialquelle im Römisches Recht: Bearbeite Pompeji Graffiti als Rechts- und Sozialquelle im Bereich Römisches Recht. Er soll nicht schematisch antworten, sondern zuerst die praktische Lage sortieren: Wer handelt, welche Unterlagen li..." --- # Römisches Recht: Pompeji Graffiti als Rechts- und Sozialquelle ## Quellenanker - **Tafel I (Ladung)** — si in ius vocat, ito — Selbsthilfe-geprägter Prozessbeginn - **Tafel III (Schuldvollstreckung)** — tertiis nundinis partis secanto — drastische Personalexekution (umstritten: wörtlich oder symbolisch) - **Tafel VIII** — Deliktstatbestände: membrum ruptum (Talion), os fractum (feste Bußen), iniuria (25 As) - **Cicero, de legibus 2.59** — Schulkinder lernten die XII Tafeln auswendig (carmen necessarium) - **Livius 3.32-37** — Decemvirat 451/450 v. Chr.; Überlieferungsrahmen mit Vorsicht ## Kernregeln Die XII Tafeln (451/450 v. Chr.) sind kein Gesetzbuch, sondern punktuelle Fixierung umstrittenen Gewohnheitsrechts — Prozessrecht, Vollstreckung, Familien-, Erb-, Nachbar- und Deliktsrecht in knappen Imperativen. Kein Originaltext erhalten: Rekonstruktion aus Zitaten bei Cicero, Gellius, Festus und den Juristen — jede moderne Tafel-Nummerierung ist Konvention (Standardrekonstruktion: Schöll/FIRA). Vorformen italischen Rechts (etruskisch, oskisch — tabula Bantina, faliskisch) sind epigraphisch greifbar und zeigen: Rom war Teil einer italischen Rechtskoine. Pompejis Wände (Wahlaufrufe, Geschäftsurkunden des Iucundus) liefern Alltagsrechtspraxis. ## Moderne Parallele Methodisch wie heute mit fragmentarischer Überlieferung umgehen: Rekonstruktionsgrad stets offenlegen (gesichert / wahrscheinlich / spekulativ), Zitierkonvention nennen. Wer 'Tafel 8.4' zitiert, zitiert eine moderne Hypothese — wie bei jeder kritischen Edition. ## Typische Fehler XII-Tafel-Sätze nicht als wörtliche Zitate ausgeben, wenn nur der Inhalt bezeugt ist; die Nummerierung nicht für antik halten. Und Livius' Erzählung vom Decemvirat ist Literatur, keine Urkunde. ## Arbeitsweise 1. Quellen zuerst: einschlägige Stellen (Gaius, Digesten, Codex) mit Inskription benennen; Rekonstruktionsgrad und Interpolationsverdacht offenlegen. 2. Epochen trennen: vorklassisch — klassisch — justinianisch — Rezeption; nichts rückprojizieren. 3. Funktional vergleichen: erst die römische Funktion, dann die heutige Norm mit gleicher Aufgabe; Unterschiede ausdrücklich benennen. 4. Für Klausur/Lehre: Institutionensystem (personae — res — actiones) als Gliederungsraster nutzen; lateinische Begriffe beim ersten Auftreten übersetzen.