--- name: 020-rezeption-in-deutschland-reichskammergericht-und-usu description: "Römisches Recht: Rezeption in Deutschland Reichskammergericht und Usus modernus im Römisches Recht." --- # Rom Rezeption In Deutschland Reichskammergericht Und Usu ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Zwölftafeln Tafel I` — Ladung und Prozessbeginn. - `Zwölftafeln Tafel IV` — Familien- und Hausgewalt. - `Zwölftafeln Tafel VI` — Eigentum, Verbindlichkeiten und formale Akte. - `Zwölftafeln Tafel VIII` — Delikts- und Schadensfolgen. - `Gaius Institutiones 1.8` — Grundteilung Personen/Sachen/Klagen. - `Gaius Institutiones 2.14` — res mancipi/res nec mancipi. - `Gaius Institutiones 3.88` — Obligationen aus Vertrag. - `Digesten D.1.1.1` — ius und Gerechtigkeitsformel. - `Digesten D.9.2.2` — lex Aquilia als Deliktsanker. - `Digesten D.44.7.1` — Obligationenquellen. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — usucapio (Ersitzung) 1/2 Jahre Mobilia/Immobilia, praescriptio longi temporis, longissimi temporis; heute über § 195 BGB / § 937 BGB. - Tragende Normen verifizieren: Corpus Iuris Civilis (Institutionen, Digesten, Codex, Novellen), Zwölftafelgesetz, Lex Aquilia, Lex Iulia et Papia, römisches Personen-, Sachen-, Obligationen-, Familien- und Erbrecht; dogmenhistorisch fortwirkend in BGB §§ 90 ff. (Sachen), 433 ff., 812 ff., 854 ff. — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Wissenschaftliche Rezipienten, Lehrstühle für Bürgerliches Recht/Rechtsgeschichte, Gesetzgeber (historisches Argumentum), Rechtsprechung (Auslegungshilfe). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Lehrbuchexegese, Quellenkritik (Digesten-Stelle), historisch-rechtsvergleichendes Gutachten, dogmatische Aufsatz, Klausur (Pandektistik) — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Reichskammergericht - Gegruendet 1495 mit Ewigem Landfrieden. - Sitz: Frankfurt, Speyer, Wetzlar. - Erstes oberstes Reichsgericht. - Anwendung des "gelehrten Rechts" — d. h. roemisch-kanonisches Recht. ## Reichshofrat - Gegruendet 1559 in Wien. - Konkurrenzgericht zum Reichskammergericht. ## Vollrezeption - 16. Jh.: roemisches Recht als subsidiaeres Reichsrecht. - Praktisch: vor allem Privatrecht. - Strafrecht: Constitutio Criminalis Carolina 1532. ## Usus modernus pandectarum - 17./18. Jh.: praktische Anwendung der Pandekten in den deutschen Staaten. - Hauptvertreter: Samuel Stryk (1632-1710), "Usus modernus pandectarum" 1690-1712. ## Pandektistik - 19. Jh.: wissenschaftliche Aufbereitung des roemischen Rechts. - Hauptvertreter: Savigny, Puchta, Windscheid. - Vorbereitung des BGB. ## Pruefraster 1. Welche Periode? 2. Welcher Gerichtshof / Schule? 3. Welche Bedeutung?