--- name: bereicherungsrecht-goa-deliktsrecht description: "Römisches Recht: Bereicherungsrecht im Vergleich - röm. condictiones (D. 12, condictio indebiti, ob causam, sine causa) vs. BGB §§ 812-822 und Einheitslehre vs. Trennungslehre im Römisches Recht." --- # Bereicherungsrecht im Vergleich ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — usucapio (Ersitzung) 1/2 Jahre Mobilia/Immobilia, praescriptio longi temporis, longissimi temporis; heute über § 195 BGB / § 937 BGB. - Tragende Normen verifizieren: Corpus Iuris Civilis (Institutionen, Digesten, Codex, Novellen), Zwölftafelgesetz, Lex Aquilia, Lex Iulia et Papia, römisches Personen-, Sachen-, Obligationen-, Familien- und Erbrecht; dogmenhistorisch fortwirkend in BGB §§ 90 ff. (Sachen), 433 ff., 812 ff., 854 ff. — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Wissenschaftliche Rezipienten, Lehrstühle für Bürgerliches Recht/Rechtsgeschichte, Gesetzgeber (historisches Argumentum), Rechtsprechung (Auslegungshilfe). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Lehrbuchexegese, Quellenkritik (Digesten-Stelle), historisch-rechtsvergleichendes Gutachten, dogmatische Aufsatz, Klausur (Pandektistik) — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Worum es geht Das röm. Bereicherungsrecht basiert auf dem System der condictiones (Rückforderungsklagen für rechtsgrundlose Bereicherungen). Das BGB §§ 812-822 übernahm die Grundstruktur, fasste aber die verschiedenen condictiones in einer Generalklausel (§ 812 BGB) zusammen. Streit: Einheitslehre (ein Tatbestand) vs. Trennungslehre (Leistungs- und Nichtleistungskondiktion als gesonderte Typen). ## Kernquellen - **D. 12.6.1 (Ulpian)**: Condictio indebiti - **D. 12.4.1 (Ulpian)**: Condictio causa data causa non secuta - **D. 12.5.1 (Ulpian)**: Condictio ob turpem causam - **BGB § 812 Abs. 1 Satz 1**: Allgemeiner Bereicherungsanspruch - **BGB § 812 Abs. 1 Satz 2**: Zweikondiktionensystem - **D. 44.7.5.3 (Gaius)**: Quasi-kontraktliche Bereicherung ## Schlüsselbegriffe - condictio indebiti: BGB § 812 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 - condictio causa data causa non secuta: BGB § 812 Abs. 1 S. 2 Alt. 1 - condictio ob causam finitam: BGB § 812 Abs. 1 S. 2 Alt. 2 - Leistungskondiktion: bei Leistung ohne Rechtsgrund - Nichtleistungskondiktion: bei Bereicherung in sonstiger Weise - saldotheorie: Rückabwicklung gegenseitiger Verträge ## Typische Streitfragen / Forschungsfragen 1. Einheitslehre oder Trennungslehre im BGB? 2. Subsidiarität der Nichtleistungskondiktion: BGH-Rspr. seit BGHZ 40 3. Saldotheorie: Auflösung des Kondiktionsrechts bei Synallagma? 4. Verhältnis condictio - röm. Recht: Kontinuität oder Bruch? 5. Einfluss der Trennungslehre (v. Caemmerer) auf Praxis ## Methodik - D. 12 als Primärquelle (Mommsen-Krüger) - BGB §§ 812-822 (gesetze-im-internet.de) - Larenz/Canaris Schuldrecht BT Bd. II/2 § 67ff. - Zimmermann Law of Obligations Kap. 27