--- name: paulianische-anfechtung-fortwirkung-anfg-inso description: "Fortwirkung der paulianischen Anfechtung in AnfG und InsO. Skill behandelt die dogmengeschichtliche Linie von der actio Pauliana ueber das BGB-AnfG (1879/1994) bis zu den §§ 129 ff. InsO. Klaert die Strukturparallelen und Abweichungen bei Vorsatzanfechtung Inkongruenz und unentgeltlichen Leistung..." --- # Rom 118 Paulianische Anfechtung Fortwirkung Anfg Inso ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: historisch — usucapio (Ersitzung) 1/2 Jahre Mobilia/Immobilia, praescriptio longi temporis, longissimi temporis; heute über § 195 BGB / § 937 BGB. - Tragende Normen verifizieren: Corpus Iuris Civilis (Institutionen, Digesten, Codex, Novellen), Zwölftafelgesetz, Lex Aquilia, Lex Iulia et Papia, römisches Personen-, Sachen-, Obligationen-, Familien- und Erbrecht; dogmenhistorisch fortwirkend in BGB §§ 90 ff. (Sachen), 433 ff., 812 ff., 854 ff. — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Wissenschaftliche Rezipienten, Lehrstühle für Bürgerliches Recht/Rechtsgeschichte, Gesetzgeber (historisches Argumentum), Rechtsprechung (Auslegungshilfe). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Lehrbuchexegese, Quellenkritik (Digesten-Stelle), historisch-rechtsvergleichendes Gutachten, dogmatische Aufsatz, Klausur (Pandektistik) — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Strukturparallelen | actio Pauliana | AnfG | InsO | |---|---|---| | consilium fraudis | Vorsatz Schuldner § 3 | Vorsatz § 133 | | scientia des Dritten | Kenntnis Dritter § 3 | Kenntnis § 133 | | unentgeltliches Geschaeft (keine scientia noetig) | § 4 | § 134 | | nahestehende Personen Vermutung | § 6 | § 138 | | annus utilis | 4-10 Jahre Frist | 4-10 Jahre Frist | | Restitution durch bonorum emptor | Rueckgewaehr § 11 AnfG | Rueckgewaehr § 143 InsO | ## Abweichungen ### Vorsatz vs. consilium - Roemisches Recht: Bewusstsein der Schaedigung. - Modernes Recht: Glaeubigerbenachteiligungsvorsatz. ### Frist - annus utilis: ein "nutzbares" Jahr ab Kenntnis. - AnfG / InsO: bis 10 Jahre (Vorsatzanfechtung). ### Inkongruenz - Roemisches Recht: nicht ausdifferenziert. - InsO § 131: eigene Kategorie. ## Rezeption - Glossatoren des 12./13. Jh. (Bologna) bearbeiteten D. 42.8 systematisch. - Pandektisten (Savigny, Windscheid) entwickelten die actio Pauliana zur "allgemeinen Glaeubigeranfechtungsklage". - BGB-Gesetzgeber 1900 verzichtete auf Aufnahme ins BGB, weil AnfG (1879) bereits geregelt. - AnfG 1879 als selbstaendiges Gesetz; Reformen 1899, 1994 (im Zuge der Insolvenzrechtsreform). ## Pruefraster 1. Welcher Tatbestand? 2. Welche Frist? 3. Beweislage? 4. Rechtsfolge Restitution? 5. Quellenmatrix.