--- name: querela-inofficiosi-testamenti description: "Querela inofficiosi testamenti: roemischer Pflichtteilsschutz. Skill behandelt die Klage des uebergangenen oder ungenuegend bedachten naechsten Verwandten Pflichtteilsbruchteil (portio legitima) Voraussetzungen und Beweislast. Liefert Quellenmatrix." --- # Rom 145 Querela Inofficiosi Testamenti Pflichtteil ## Rechtsquelle - D. 5.2 (De inofficioso testamento). - Codex 3.28. - Pliny, Letters. ## Tatbestand - Testator hat naechsten Verwandten (Kinder, Eltern) im Testament uebergangen oder unter portio legitima bedacht. - Pflichtteilsbruchteil: 1/4 dessen, was bei Intestaterbfolge zugefallen waere. - Spaeter Justinian: 1/3 bei wenigen Kindern, 1/2 bei mehr als 5 Kindern (Novelle 18). ## Wirkung - Testament wird vollstaendig für ungueltig erklaert ("rescissio testamenti"). - Anschliessend Intestaterbfolge. ## Voraussetzungen - Klagebefugnis nur für naechste Verwandte. - Frist (annus utilis ab Kenntnis). ## Vergleich zu modernem Recht - §§ 2303 ff. BGB Pflichtteilsrecht. - Pflichtteil: 1/2 des gesetzlichen Erbteils als Geldanspruch. - Im Unterschied zum roemischen Recht: Testament bleibt wirksam; Pflichtteilberechtigter erhaelt Geld. ## Pruefraster 1. Pflichtteilsberechtigter Personenkreis? 2. Portio legitima verletzt? 3. Klage rechtzeitig? ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Zwölftafeln Tafel I` — Ladung und Prozessbeginn. - `Zwölftafeln Tafel IV` — Familien- und Hausgewalt. - `Zwölftafeln Tafel VI` — Eigentum, Verbindlichkeiten und formale Akte. - `Zwölftafeln Tafel VIII` — Delikts- und Schadensfolgen. - `Gaius Institutiones 1.8` — Grundteilung Personen/Sachen/Klagen. - `Gaius Institutiones 2.14` — res mancipi/res nec mancipi. - `Gaius Institutiones 3.88` — Obligationen aus Vertrag. - `Digesten D.1.1.1` — ius und Gerechtigkeitsformel. - `Digesten D.9.2.2` — lex Aquilia als Deliktsanker. - `Digesten D.44.7.1` — Obligationenquellen. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden.