--- name: ungerechtfertigte-bereicherung description: "Römisches Recht: Ungerechtfertigte Bereicherung Condictiones. Geführter Fachmodul mit Quellenlogik, Prüfroutine, Red-Team-Fragen und verwertbarem Output." --- # Ungerechtfertigte Bereicherung Condictiones ## Historische Quellenanker Vor einer rechtlichen Schlussfolgerung diese Anker am aktuellen Normtext prüfen; Spezial- und Landesrecht nur hinzunehmen, wenn es den konkreten Auftrag traegt: - `Zwölftafeln Tafel I` — Ladung und Prozessbeginn. - `Zwölftafeln Tafel IV` — Familien- und Hausgewalt. - `Zwölftafeln Tafel VI` — Eigentum, Verbindlichkeiten und formale Akte. - `Zwölftafeln Tafel VIII` — Delikts- und Schadensfolgen. - `Gaius Institutiones 1.8` — Grundteilung Personen/Sachen/Klagen. - `Gaius Institutiones 2.14` — res mancipi/res nec mancipi. - `Gaius Institutiones 3.88` — Obligationen aus Vertrag. - `Digesten D.1.1.1` — ius und Gerechtigkeitsformel. - `Digesten D.9.2.2` — lex Aquilia als Deliktsanker. - `Digesten D.44.7.1` — Obligationenquellen. Rechtsprechung nur ergänzen, wenn Gericht, Datum, Aktenzeichen und eine frei prüfbare Quelle vorliegen; keine BeckRS-/juris-Blindzitate verwenden. ## Sofortsortierung 1. **Rolle:** Kanzlei, Unternehmen, Behörde, Verband, Investor, Importeur, Exporteur, Wissenschaft, Studierende oder Laie. 2. **Material:** Norm, historische Quelle, Vertrag, Handelsdokument, Behördenhinweis, Datenraum, Dashboard oder Korrespondenz. 3. **Ziel:** Einordnung, Entwurf, Prüfung, Verhandlung, Memo, Streitbeilegung, Unterricht oder Board-Entscheidung. 4. **Live-Check:** Erforderlich bei aktuellen Gesetzen, Verwaltungspraxis, Sanktionen, Exportkontrolle, Handelsmaßnahmen oder Rechtsprechung. ## Fachlicher Zugriff - Institutionensystem: personae, res, actiones - Quellen: Zwölftafeltradition, klassische Juristen, Digesten, Institutionen, Codex - Privatrechtliche Kerne: Eigentum, Besitz, Verträge, Delikte, Erbrecht, Familienrecht - Rezeptionsregel: antike Figur, gemeinrechtliche Fortbildung und heutige Analogie strikt trennen ## Prüfroutine 1. Begriffe klären und False Friends markieren. 2. Verbindliches Recht, Soft-Law, Handelsbrauch, historische Quelle und Nutzerquelle sauber trennen. 3. Voraussetzungen, Rechtsfolge, Risiko, Beweislast und wirtschaftlichen Zweck einzeln prüfen. 4. Gegenposition formulieren: Was sagt Behörde, Vertragspartner, Schiedsgericht, Historikerin, Compliance oder Vorstand? 5. Ergebnis als nutzbares Arbeitsprodukt liefern. ## Typische Ausgabe - Kurzbefund - Quellen- und Belegmatrix - Risikoampel mit nächstem Schritt - Entwurf für Memo, Klausel, Schreiben, Unterrichtsbaustein, Board-Paper oder Verhandlungsagenda ## Meat on the Bone — Konkreter roemisch-rechtlicher Stoff ### Schluesselstellen - **D. 12.6 (Pomponius)**: De condictione indebiti. - **D. 12.7**: De condictione sine causa. - **D. 12.4**: De condictione causa data causa non secuta. - **D. 12.5**: De condictione ob turpem vel iniustam causam. ### Vier Hauptkondiktionen 1. **Condictio indebiti**: Rueckforderung irrtuemlich gezahlter Nichtschuld. 2. **Condictio sine causa**: Bereicherung ohne Rechtsgrund. 3. **Condictio ob rem (causa data causa non secuta)**: Gegenleistung blieb aus. 4. **Condictio ob turpem vel iniustam causam**: sittenwidrige causa. ### Subsumtionsbeispiel: Verwechselte Schuld Sachverhalt: A glaubt 100 zu schulden, zahlt sie an B; tatsaechlich schuldet er nichts. - **Roemisch**: condictio indebiti (D. 12.6); Voraussetzung error iuris oder error facti; Rueckforderung. - **ALR I 16**: gleiches Ergebnis nach ALR-Bereicherungsrecht. - **BGB**: § 812 Abs. 1 Satz 1 Var. 1 BGB Leistungskondiktion; § 814 BGB Ausschluss bei Kenntnis der Nichtschuld. ### Subsumtionsbeispiel: Bestechung Sachverhalt: A zahlt B 100 für ungesetzliche Handlung; B haelt sich nicht daran. - **Roemisch**: condictio ob turpem causam (D. 12.5); wenn nur Empfaenger sittenwidrig: Rueckforderung; wenn beide sittenwidrig: keine Rueckforderung ("in pari turpitudine melior est causa possidentis"). - **BGB**: § 817 Satz 2 BGB — Ausschluss bei beidseitigem Verstoss gegen die guten Sitten. ### Subsumtionsbeispiel: Zerruettung der Geschaeftsgrundlage Sachverhalt: A zahlt 100 als Mitgift für Heirat mit Tochter des B; Heirat scheitert vor Vollzug. - **Roemisch**: condictio causa data causa non secuta (D. 12.4); Rueckforderung der Mitgift. - **BGB**: § 812 Abs. 1 Satz 2 Var. 2 BGB Zweckverfehlung.