--- name: buergergeld-jobcenter-sgb-ii description: "Buergergeld nach SGB II. Streit mit Jobcenter zu Regelbedarf KdU Sanktion 2023-Reform Schonvermögen Karenzzeit. Praxis-Leitfaden Widerspruch Klage Eilantrag für Buerger." --- # Buergergeld — Streit mit dem Jobcenter ## Fachlicher Anker - **Normen:** § 7, § 7a, §§ 20. - **Entscheidungs-/Quellenanker:** Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen. - **Quellenhygiene:** `references/quellenhygiene.md` und `references/zitierweise.md` beachten. ## Worum geht es? Das Buergergeld (frueher Hartz IV) wurde 2023 reformiert. Schonvermoegen erweitert, Sanktionen milder. Aber Streit gibt es trotzdem. Diese Skill ist Ihr Wegweiser. ## In einfacher Sprache Buergergeld bekommen Sie, wenn Sie wenig Geld haben und arbeitsfaehig sind. Das Jobcenter zahlt. Wenn Sie Streit haben, helfen wir Ihnen. ## Wann brauchen Sie diese Skill? - Antrag auf Buergergeld abgelehnt oder zu niedrig. - Sanktion verhaengt. - KdU (Miete) nicht voll uebernommen. - Aufrechnung mit alten Forderungen. ## Fachbegriffe (kurz erklaert) - **Regelbedarf**: Pauschal-Betrag (2024: 563 EUR Alleinstehende, jaehrlich angepasst). - **KdU**: Kosten der Unterkunft (Miete und Heizung). - **Bedarfsgemeinschaft**: Personen, die zusammen leben und Buergergeld bekommen. - **Karenzzeit**: 12 Monate nach Antragstellung mit erweitertem Schonvermoegen (40.000 EUR für erste Person, 15.000 EUR für weitere). - **Sanktion**: Kuerzung wegen Pflichtverletzung — seit Reform abgemildert. - **Mitwirkungspflicht** (§ 60 SGB I): Sie muessen mitmachen (Termine, Unterlagen). ## Rechtsgrundlagen - **§ 7 SGB II** — Anspruchsberechtigte. - **§ 19 SGB II** — Leistungen. - **§ 20 SGB II** — Regelbedarf. - **§ 22 SGB II** — KdU. - **§ 31 SGB II** — Sanktionen. - **§ 41a SGB II** — Vorlaeufige Bewilligung. - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Schritt-für-Schritt-Anleitung ### Schritt 1 — Bescheid lesen - Bewilligungs- oder Ablehnungsbescheid? - Welche Begruendung? - Welche Berechnung? ### Schritt 2 — Typische Streitthemen **KdU zu niedrig**: Jobcenter zahlt nur die "angemessene" Miete. Pruefen Sie die regionale Obergrenze. Bei Ueberschreitung: 6-Monats-Frist zur Anpassung (Umzug oder Senkung), erst dann Kuerzung. **Sanktion**: Pruefen Sie: - War die Pflichtverletzung wirklich gegeben? - Lag ein wichtiger Grund vor (Krankheit, Familie)? - Wurde belehrt? - Hoehe der Sanktion: max. 30 % bei Erstverstoss (BVerfG-Linie). **Schonvermoegen**: In der Karenzzeit (erste 12 Monate) erweitert. Erstes BG-Mitglied 40.000 EUR, weitere 15.000 EUR (pruefen). **Selbstgenutzte Immobilie**: in angemessener Groesse geschuetzt. ### Schritt 3 — Widerspruch ``` Jobcenter [Ort] [Ort, Datum] BG-Nr: [...] Widerspruch gegen den Bescheid vom [Datum] Sehr geehrte Damen und Herren, gegen den o.g. Bescheid lege ich Widerspruch ein. Begruendung: [Spezifisch zu Ihrem Fall, z.B.:] Die Sanktion in Hoehe von 30 % wegen versaeumtem Meldetermin ist rechtswidrig, weil: 1. Ein wichtiger Grund lag vor: Ich war erkrankt (AU-Bescheinigung vom [Datum] anbei). 2. Die Belehrung im Eingliederungsverwaltungsakt vom [Datum] war fehlerhaft (kein Hinweis auf konkrete Rechtsfolgen). 3. Hilfsweise: Die Hoehe der Sanktion ist unverhaeltnismaessig. Mit freundlichen Gruessen ``` ### Schritt 4 — Eilantrag pruefen Bei laufenden Existenzproblemen siehe `eilantrag-buergergeld-jobcenter`. ### Schritt 5 — Klage Nach Widerspruchsbescheid: Anfechtungs- (Sanktion) oder Verpflichtungs-Klage (Bewilligung). ### Schritt 6 — Beweise sammeln - Mietvertrag - Nebenkostenabrechnungen - Kontoauszuege (Vermoegen) - AU-Bescheinigungen (Termine) - Schriftverkehr mit Jobcenter ### Schritt 7 — Aufrechnung beachten Jobcenter rechnet alte Forderungen mit Buergergeld auf. Pruefen Sie: - Maximalbetrag 30 % des Regelbedarfs (§ 43 SGB II) - Tilgungsplan - Verjährung (4 Jahre § 50 SGB X) ## Worauf Sie besonders achten muessen - **Karenzzeit-Schonvermoegen**: In den ersten 12 Monaten erweitert. - **Sanktionen seit BVerfG-Urteil begrenzt**: max. 30 % bei Erstverstoss. - **Wichtiger Grund**: Krankheit, Familienpflichten, kein Auto für weite Termine. - **Mitwirkung**: Termine wahrnehmen, Unterlagen einreichen. ## Typische Fehler - Termine "vergessen" → wenn moeglich, kurzfristig absagen mit Grund - Belege nicht eingereicht → § 60 SGB I-Verletzung - KdU stillschweigend zugestimmt → nicht zu hoch ansetzen, aber durchsetzen - Vermoegen verschwiegen → Strafbarkeit Betrug! ## Quellen und Aktualitaet Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren.