--- name: entschaedigung-sgb-xiv-opferleistungen description: "Soziales Entschaedigungsrecht SGB XIV seit 2024. Opfer von Gewalttaten Anerkennung Entschaedigung Reha. Reform OEG/BVG. Praktischer Leitfaden für Betroffene." --- # Soziales Entschaedigungsrecht — SGB XIV ## Fachlicher Anker - **Normen:** § 7, § 7a, §§ 20. - **Entscheidungs-/Quellenanker:** Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen. - **Quellenhygiene:** `references/quellenhygiene.md` und `references/zitierweise.md` beachten. ## Worum geht es? Seit 1.1.2024 gilt das neue SGB XIV (Soziale Entschaedigung). Es ersetzt das alte Opferentschaedigungsgesetz (OEG) und das Bundesversorgungsgesetz (BVG). Wer Opfer einer Gewalttat geworden ist, kann hier Hilfe bekommen. ## In einfacher Sprache Wenn Sie Opfer einer Gewalttat geworden sind, hilft das SGB XIV. Es gibt Geld und Therapie. Sie muessen das beim Versorgungsamt beantragen. Wir zeigen den Weg. ## Wann brauchen Sie diese Skill? - Sie sind Opfer einer Gewalttat geworden. - Sie haben gesundheitliche Folgen. - Ihr Antrag auf Entschaedigung wurde abgelehnt. ## Fachbegriffe (kurz erklaert) - **Schaedigung**: Gesundheitlicher Schaden durch Gewalttat. - **Gesundheitliche Folge**: Erkrankung als Folge. - **Grad der Schaedigungsfolgen (GdS)**: aehnlich GdB, aber spezifisch für SGB XIV. - **Schnelle Hilfe**: Sofortige Therapieangebote (Trauma-Therapie ohne langwierige Anerkennung). ## Rechtsgrundlagen - **§ 1 SGB XIV** — Anspruchsberechtigung. - **§ 14 SGB XIV** — Gesundheitsleistungen. - **§ 88 SGB XIV** — Schnelle Hilfen. - **Uebergangsregelungen**: Alte OEG/BVG-Faelle laufen weiter. ## Schritt-für-Schritt-Anleitung ### Schritt 1 — Anspruchspruefung - Opfer einer in Deutschland begangenen Gewalttat (auch psychische Gewalt anerkannt unter Voraussetzungen) - Oder: Hinterbliebene, Angehoerige - Schaedigung als Folge (koerperlich oder psychisch) ### Schritt 2 — Strafanzeige sinnvoll Bei Gewalttat: Strafanzeige bei Polizei. Akte hilft im Verfahren. ### Schritt 3 — Antrag stellen Beim Versorgungsamt (oder Bezirksregierung — Land je nach Bundesland): - Schriftlicher Antrag mit Schilderung der Tat - Polizei-Akte / Aktenzeichen - Aerztliche Atteste zu Folgen - Therapie-Berichte ### Schritt 4 — Schnelle Hilfen § 88 SGB XIV: Auch ohne abgeschlossene Anerkennung gibt es Trauma-Therapie (Soforthilfe). Antragen bei Versorgungsamt. ### Schritt 5 — Bei Ablehnung Widerspruch ``` Versorgungsamt / Bezirksregierung [...] [Ort, Datum] Az: [...] Widerspruch gegen den Bescheid vom [Datum] Sehr geehrte Damen und Herren, gegen den o.g. Bescheid lege ich Widerspruch ein. Begruendung: 1. Tatbestand der Gewalttat Am [Datum] erfolgte gegen mich Gewalttat in Form von [...]. Polizei-Akte Az [...]. 2. Gesundheitliche Folgen Diagnosen: - PTBS (ICD F43.1) - Diagnose-Datum [...] - Depression (F33) - Diagnose-Datum [...] - [koerperliche Folgen] Belege: Atteste Dr. [Name], Therapeutin Dr. [Name]. 3. Ursaechlichkeit Die psychischen Folgen sind nach aerztlicher Einschaetzung ursaechlich auf die Gewalttat zurueckzufuehren. 4. GdS Bewertung Nach Versorgungsmedizinischen Grundsaetzen ist GdS mindestens [Wert] gegeben. Mit freundlichen Gruessen ``` ### Schritt 6 — Klage am SG Wie bei anderen Sozialleistungen. ### Schritt 7 — Beweisstrategie - Polizei-Akte - Zeugen - Aerzte / Therapeuten - Opferberatungs-Stellen (Weisser Ring, Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen) ## Worauf Sie besonders achten muessen - **Reform 2024**: Anwendungsbereich erweitert (auch psychische Gewalt unter Voraussetzungen). Pruefen Sie aktuellen Stand. - **Schnelle Hilfen** § 88 SGB XIV: nicht vergessen, niedrige Schwelle. - **Opferentschaedigung kann lange dauern**: parallel Therapie und Krankenkassen-Behandlung. - **Trauma-Diagnose**: wichtig für psychische Folgen. ## Typische Fehler - Keine Strafanzeige → schwerer Beweis - Folgen erst spaet beanstandet → Latenz erschwert Kausalitaet - Therapie-Berichte fehlen → wichtig - Behörden-Bezeichnung verwechselt → je Land unterschiedlich ## Quellen und Aktualitaet Stand: 05/2026. SGB XIV in Kraft seit 1.1.2024 (Reform OEG/BVG). Uebergangsregelungen pruefen. BSG-Linien noch im Aufbau. Bei diesem neuen Recht besonders sorgfaeltig pruefen — Verifikation in juris empfohlen.