--- name: bwa-statische-liquiditaet-kennzahlen description: "Statische Liquiditaetskennzahlen Liquiditaet 1 2 3 Grades aus BWA und Bilanz. Anwendungsfall Quartalsauswertung Bankreporting Krisenfrueherkennung. Methodik Working Capital Aufstellung Anlagendeckung Kennzahlen. Output Liquiditaets-Kennzahlenblatt Bewertung Ampel." --- # Statische Liquiditaetskennzahlen — 1. 2. 3. Grades ## Fachlicher Anker - **Normen:** § 6a, § 17 InsO, § 19 InsO. - **Entscheidungs-/Quellenanker:** Tragende Rechtsprechung nur mit Gericht, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle einsetzen; keine Entscheidung aus Modellwissen erzwingen. - **Quellenhygiene:** `references/quellenhygiene.md` und `references/zitierweise.md` beachten. ## Kernsachverhalt Statische Liquiditaetskennzahlen geben einen Schnappschuss der Zahlungsfaehigkeit zum Stichtag. Sie sind keine vollwertige Liquiditaetsplanung (dynamisch), aber Standardinstrument für Bank-Reporting, Quartals-Pruefung und erste Krisenfrueherkennung. Der Steuerberater berechnet sie aus Bilanz und SuSa und bewertet sie nach branchenueblichen Schwellenwerten. Bei Krisenmandanten ist die Liquiditaet 1. Grades unter 100 Prozent oft erster Indikator für § 17 InsO-Risiko. ## Kaltstart-Rueckfragen 1. Welche Stichtag — Monats-, Quartals- oder Jahresstichtag? 2. Liegt aktuelle SuSa und Bilanz vor? 3. Welche Kreditlinien (Kontokorrent, langfristig)? 4. Welche Verbindlichkeiten kurzfristig (< 1 Jahr) vs. langfristig? 5. Sind Forderungen werthaltig (keine grossen Einzelrisiken)? 6. Welche Vorraete (Umschlaghaeufigkeit)? 7. Welche Branche — branchentypische Schwellenwerte differieren? 8. Welcher Verwendungszweck — interne Steuerung, Bank, Sanierungsgutachten? ## Rechtlicher Rahmen ### Primaernormen Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. **§ 19 InsO** — Ueberschuldung mit Fortbestehensprognose. **§ 252 HGB** — Going-concern. **§ 102 StaRUG** — Hinweispflicht. **§ 91 Abs. 2 AktG / analog GmbH** — Risikofrueherkennung. ### Standards - IDW S 11 — Beurteilung Insolvenzeroeffnungsgruende. - IDW S 6 — Sanierungskonzept. - BBE-Branchenkennzahlen. ## Workflow ### Phase 1 — Datenbasis - Bilanz zum Stichtag. - SuSa mit Saldenstand kurzfristig vs. langfristig. - OPOS-Listen Debitoren und Kreditoren. - Kreditvertraege mit Linien-Limit und ausnutzungen. ### Phase 2 — Berechnung Kennzahlen ``` LIQUIDITAET 1. GRADES (Barliquiditaet, Cash Ratio): Liquide Mittel (Bank+Kasse) / kurzfristige Verbindlichkeiten LIQUIDITAET 2. GRADES (einbeziehbare Liquiditaet, Quick Ratio): (Liquide Mittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten LIQUIDITAET 3. GRADES (gesamte kurzfristige Liquiditaet, Current Ratio): Umlaufvermoegen / kurzfristige Verbindlichkeiten WORKING CAPITAL: Umlaufvermoegen minus kurzfristige Verbindlichkeiten (sollte positiv sein; bei negativ = kritisches Signal) ANLAGENDECKUNG I: Eigenkapital / Anlagevermoegen ANLAGENDECKUNG II: (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) / Anlagevermoegen (sollte ueber 100 Prozent sein, sonst Fristenkongruenz verletzt) ``` ### Phase 3 — Schwellenwerte und Ampel (typische Daumenregeln, branchenabhaengig) | Kennzahl | Gruen (typisch) | Gelb (typisch) | Rot (typisch) | |---|---|---|---| | Liquiditaet 1. Grades | ueber ca. 20 Prozent | ca. 10-20 Prozent | unter ca. 10 Prozent | | Liquiditaet 2. Grades | ueber ca. 100 Prozent | ca. 80-100 Prozent | unter ca. 80 Prozent | | Liquiditaet 3. Grades | ueber ca. 200 Prozent | ca. 120-200 Prozent | unter ca. 120 Prozent | | Working Capital | Positiv mit Reserve | Knapp positiv | Negativ | | Anlagendeckung II | ueber ca. 110 Prozent | ca. 100-110 Prozent | unter ca. 100 Prozent | Die Schwellenwerte sind Branchenrichtwerte und vor dem Mandantengespraech mit aktuellen BBE-Daten abzugleichen. Handel weist oft niedrigere Liquiditaet 3. Grades wegen schnellem Lagerumschlag aus. ### Phase 4 — Interpretation - Liquiditaet 1. Grades < 10 Prozent: Achtung — bei ueber 3 Wochen anhaltend, § 17 InsO-Pruefung erforderlich. - Working Capital negativ: Umlaufvermoegen finanziert teils Anlagevermoegen — Fristenkongruenz verletzt, akute Liquiditaets-Spannung. - Anlagendeckung II < 100 Prozent: Anlagevermoegen wird teils mit kurzfristigem Kapital finanziert — strukturelles Risiko. - Kreditlinien einbeziehen: ungenutzte Linien erhoehen "verfuegbare Mittel" der Liquiditaet 1. Grades. ### Phase 5 — Beratungsempfehlung - Bei roter Ampel Liquiditaet 1. Grades: dynamische Liquiditaetsplanung (3-Wochen) sofort. - Bei roter Ampel Anlagendeckung II: Umfinanzierung pruefen (kurzfristige in langfristige Schulden umwidmen). - Bei negativem Working Capital: Sondergespraech mit Bank. ### Phase 6 — Reporting - Liquiditaets-Kennzahlenblatt im Quartalsbericht. - Bei Krisensignalen Querverweis stb-liquiditaetsvorschau-3wochen und stb-bwa-sus-bilanz-pruefung. ## Strategie und Praxis-Tipps - Statische Kennzahlen sind Schnappschuss — bei Krisensignalen IMMER dynamische Liquiditaetsplanung ergaenzen. - Bei Banken: Liquiditaet 1. Grades und Working Capital sind Standard-Pruefungsfelder. - Kreditlinien-Ausnutzung mit dokumentieren — "verfuegbare Reserve" ist Steuerungsgroesse. - StBVV: Standardkennzahlen pauschaliert, dynamische Liquiditaetsplanung als Zusatzauftrag. - DATEV-Tipp: Kennzahlen-Modul mit Standard-Liquiditaetsformeln; bei individuellen Branchen-Schwellen Anpassung. ## Quellen und Updates Stand: 05/2026. - InsO §§ 17, 19. - HGB §§ 252, 268. - StaRUG § 102. - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. - IDW S 6, IDW S 11. - BBE-Branchenkennzahlen.