--- name: dba-frankreich-1959 description: "DBA Deutschland Frankreich aus 1959 mit Aenderungsprotokollen. Anwendungsfall Pendler im Elsass und Lothringen Grenzgaengerregelung 20-km-Zone. Beteiligungen Pensionen Lizenzen. Aelteres DBA mit Sonderkonstruktionen abweichend vom OECD-MA. Output Mandanten-Memo Grenzgaengernachweis BZSt-Hinweise..." --- # DBA Deutschland-Frankreich (1959/Protokolle) ## Fachlicher Kern — Steuerrecht - **Problemfokus dieses Skills:** Bleibe beim konkreten Titel `DBA Deutschland-Frankreich (1959/Protokolle)` und löse die dort angelegte Fachfrage; arbeite mit konkreten Tatbestandsmerkmalen, Beweisfragen und dem unmittelbar benötigten Arbeitsprodukt. Routingfragen bleiben Hilfsmittel, wenn Frist, Zuständigkeit oder Verfahrensart offen sind. - **Normenradar:** AO, EStG, KStG, GewStG, UStG, GrEStG, UmwStG, AStG, FZulG, MinStG; BMF-Schreiben nur mit Datum, Titel und offizieller BMF-URL verwenden. - **Verifizierte Anker:** BMF-Schreiben vom 15.10.2025 zur obligatorischen E-Rechnung und UStAE-Anpassung; BMF-Seite Forschungszulage mit Hinweis zu Antrags-/Festsetzungslogik und BMF-Schreiben vom 07.02.2023; BMF/BZSt-Datensatzbeschreibung vom 05.08.2025 für Mindeststeuer-Berichte; BMF-Schreiben vom 25.05.2023 zu § 6a GrEStG; BMF-Schreiben vom 02.01.2025/01.08.2025 zum Umwandlungssteuer-Anwendungserlass live prüfen. - **Arbeitsmodus:** Erst Steuerart, Zeitraum, Verwaltungsstand, Frist/Festsetzung, Zuständigkeit, Form/Portal und Beleglage klären; dann BMF-Verwaltungslinie von BFH-Rechtsprechung und Gesetz trennen. - **Outputpflicht:** Steuerartenmatrix, BMF-Radar, Einspruchsbaustein, ELSTER-/Portal-To-do, Risikoampel, DBA-/GrESt-/USt-Tabelle oder Mandantenmemo. - **Fehlerbremse:** Tragende Normen/Entscheidungen live oder aus der Akte verifizieren; Rechtsprechung nur mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und frei prüfbarer Quelle. Keine BeckRS-, juris-, Kommentar- oder Aufsatz-Blindzitate aus Modellwissen. ## Kernsachverhalt Das DBA-Frankreich vom 21.07.1959 ist eines der aeltesten noch geltenden DBA Deutschlands. Durch zahlreiche Protokolle (1969, 1989, 2001, 2015) wurde es aktualisiert, bleibt aber strukturell veraltet und weicht in einzelnen Punkten vom OECD-MA ab. Praxisrelevant ist insbesondere die Grenzgaengerregelung Elsass-Lothringen-Saar/Baden-Wuerttemberg mit der 20-Kilometer-Zone und die Pensionsbesteuerung mit umfassender Sonderregelung. ## Kaltstart-Rueckfragen 1. Wohnsitzkonstellation, Einkunftsart? 2. Arbeitnehmer im Grenzbezirk Elsass-Lothringen? 20-km-Zone beidseitig? 3. Tageweise Rueckkehr zum Wohnsitz? 4. Bei Pension: gesetzliche oder berufsstaendische, oeffentlich/privat? 5. Bei Beteiligung: Schachtelhoehe? 6. Veraeusserung Immobilien? 7. Welche DBA-Protokoll-Fassung ist anwendbar im Veranlagungszeitraum? 8. MLI-Anpassungen relevant? ## Rechtlicher Rahmen ### Primaernormen - **DBA Deutschland-Frankreich vom 21.07.1959** (BGBl. 1961 II S. 397/398) mit Aenderungsprotokollen: 09.06.1969, 28.09.1989, 20.12.2001, 31.03.2015 (BGBl. 2015 II S. 1332/1335). - **OECD-MA** zur Auslegungshilfe. - **§§ 34c, 32b, 50d EStG**, § 20 AStG. - **MLI**: Deutschland und Frankreich sind Unterzeichnerstaaten; MLI wirksam für DBA-FR ab 01.01.2025 (BGBl. 2025 II Nr. 5) — konkrete Notification-Listen beim OECD-MLI-Status-Portal pruefen. - **Grenzgaengervereinbarung** (Verwaltungsvereinbarung Deutschland-Frankreich vom 16.02.2006) — massgebend im Original. ### Leitentscheidungen und BMF-Schreiben - Aktuelle BFH-Rechtsprechung zur Pensionsbesteuerung nach DBA-Frankreich ueber dejure.org / BFH-Datenbank abrufen. - Aktuelle BFH-Rechtsprechung zum Grenzgaenger DBA-Frankreich ueber dejure.org / BFH-Datenbank abrufen. - **Konsultationsvereinbarung Deutschland-Frankreich vom 20.03.2025** zur Anwendung des Kassenstaatsprinzips nach Art. 14 Abs. 1 DBA-Frankreich bei beitragsfinanzierten Altersbezuegen an ehemalige franzoesische Bedienstete (BMF-Veroeffentlichung vom 19.05.2025; PDF "2025-05-19-konsultationsver-kassenstaatsprinzip" abrufbar unter bundesfinanzministerium.de, Bereich Internationales Steuerrecht / Frankreich). - BMF-Schreiben zur Grenzgaengerregelung DBA-Frankreich — aktuellen Stand im BMF-Veroeffentlichungsverzeichnis pruefen. ## Land-spezifisches ### Ansaessigkeit (Art. 2) - Im DBA-FR steht "Wohnsitz" abweichend zu Art. 4 OECD-MA. Tie-Breaker funktioniert sinngemaess. ### Betriebsstaette (Art. 2 Abs. 7) - Bauausfuehrung-Schwelle: **12 Monate** Standard, im DBA-FR konkret zu pruefen. ### Aktive Einkuenfte - Unternehmensgewinne (Art. 4). - **Grenzgaengerregelung** (Art. 13 Abs. 5 DBA-FR, erlaeutert durch Verwaltungsvereinbarung 16.02.2006): Arbeitnehmer mit Wohnsitz in der Grenzzone des einen Staats, Taetigkeitsort in der Grenzzone des anderen Staats, taegliche Rueckkehr — Besteuerung Wohnsitzstaat. - Die Grenzzone wird in der Praxis als 20-km-Zone bzw. nach Gemeindeverzeichnis bestimmt (konkrete Definition und aktuelle Gemeindelisten im BMF-Schreiben und DBA-Protokoll pruefen). - **Schaedlichkeitsschwelle Nicht-Rueckkehrtage**: in der Verwaltungsvereinbarung 16.02.2006 ist eine Tagesschwelle normiert (in der Literatur regelmaessig mit 45 Tagen pro Jahr referenziert) — **konkrete Schwelle aus Verwaltungsvereinbarung uebernehmen, nicht aus diesem Skill**. ### Passive Einkuenfte - **Dividenden** (Art. 9): typ. 0/15 Prozent (Schachtel 0 Prozent, Streubesitz 15 Prozent) — massgebend ist Art. 9 DBA-Frankreich in der jeweils geltenden Fassung. - **Zinsen** (Art. 10): typ. 0/10 Prozent — massgebend ist Art. 10 DBA-Frankreich in der jeweils geltenden Fassung. - **Lizenzgebuehren** (Art. 12): typ. 0/5 Prozent — massgebend ist Art. 12 DBA-Frankreich in der jeweils geltenden Fassung. ### Vermeidungs-Methode (Art. 20) - Freistellung mit Progressionsvorbehalt bei aktiven Einkuenften. - Anrechnung bei passiven Einkuenften. ### Besonderheiten - **Pensionen Art. 13 Abs. 8**: gesetzliche Renten typ. Kassenstaat, private Pensionen Wohnsitzstaat — Verzeichnis der erfassten Rentenarten im BMF-Schreiben und DBA-Text pruefen. - **Veraeusserung Immobilien** (Art. 7): Belegenheit. - **20-km-Zone**: Liste der Grenzgemeinden in Anlage zum DBA-Protokoll. - **Erbschaftsteuer-DBA Deutschland-Frankreich**: separat (DBA-Erbschaft- und Schenkungsteuer mit Frankreich vom 12.10.2006, BGBl. 2007 II S. 900). ## Workflow ### Phase 1 — DBA-Anwendbarkeit pruefen 1. Welche Fassung gilt? Welche Protokollaenderungen sind im Veranlagungszeitraum bereits anwendbar? ### Phase 2 — Ansaessigkeit klaeren 1. Tie-Breaker analog OECD-MA. ### Phase 3 — Einkunftsart einordnen 1. Grenzgaenger? 20-km-Pruefung beidseitig. ### Phase 4 — Verteilungs- und Methodenartikel 1. Quellensteuer-Hoechstsatz. 2. Freistellung / Anrechnung. ### Phase 5 — Erstattung und Erklaerung 1. BZSt-Antrag bei Beteiligungen. 2. Anlage AUS / N-AUS / R-AUS. 3. Bei Grenzgaengern: Grenzgaengernachweis durch Arbeitgeberbescheinigung. ## Strategie und Praxis-Tipps - Grenzgaengerregelung Elsass: Wohnsitz und Taetigkeitsort muessen beide in der 20-km-Zone liegen — Wohnsitz in Karlsruhe und Arbeitsort in Strassburg: **kein** Grenzgaengerstatus (Karlsruhe nicht in Zone). - 45-Tage-Schaedlichkeitsregel akribisch dokumentieren — Dienstreisen, Krankheitstage zaehlen unterschiedlich. - Pensionen aus franzoesischer "Reseau Securite Sociale" gesondert geregelt — Verzeichnis konsultieren. - Bei strittiger Auslegung: Verstaendigungsverfahren oder EU-DBA-SBG anrufen. - Alte 1959-DBA-Struktur: Artikel-Nummern weichen vom OECD-MA ab — vor Zitat im Memo Stelle pruefen. - Erbschaftsteuer-DBA-Frankreich gesondert beachten (Doppelbesteuerung Erbschaft moeglich). ## Praktiker-Tipps der alten Hasen ### Erstattungsverfahren franzoesische Quellensteuer (retenue a la source) - **Zuständigkeit**: franzoesische Erstattung durch **Service des Impots des Non-Residents (SIPNR)** in Noisy-le-Grand. Aktuelle Zuständigkeit auf **impots.gouv.fr** pruefen. - **Antragsformulare**: in der Praxis verbreitete franzoesische Formulare **Cerfa 5000** (Antrag Quellensteuerentlastung/Reduktion auf DBA-Hoechstsatz; "Attestation de residence") und **Cerfa 5001** (Antrag Erstattung Dividenden bei Streubesitz); für Zinsen Cerfa 5002, für Lizenzen Cerfa 5003 — **konkrete Formularnummern und Bezeichnungen sind vom Anwender mit aktuellem Stand auf impots.gouv.fr zu verifizieren** (Cerfa-Nummern werden periodisch geaendert). - **Frist**: nach franzoesischem CGI (Code General des Impots) und Livre des procedures fiscales regelmaessig **bis 31. Dezember des zweiten Folgejahres** nach Steuerentrichtung — knappe Frist! - **Bearbeitungsdauer SIPNR**: typischerweise 12-36 Monate; bei strittigen Faellen erheblich laenger. Anwaltliche Vertretung empfohlen bei groesseren Erstattungsbetraegen. - **Online-Portal**: **impots.gouv.fr** mit eigenem Bereich "Particuliers / international" und "Professionnels"; Online-Steuerkonto für Nichtansaessige. ### Lokaler Steuerberater-Kontakt - **Empfehlung**: bei Grenzgaenger-Pendlerfaellen mit strittigem 45-Tage-Verhalten; bei franzoesischen Beteiligungsstrukturen (SAS, SARL); bei Renten/Pensionen mit franzoesischer Securite-Sociale-Beteiligung; bei Immobilien-Eigentuemern in FR (Erbschaftsteuer-DBA). Franzoesische Avocat-fiscalistes mit DE-Mandanten. ### Sprachen-Falle - **DBA-FR ist zweisprachig DE/FR** — die franzoesische Originalfassung ist regelmaessig **mitverbindlich**. Bei Auslegungsstreitigkeiten Begriffe wie "etablissement stable", "siege de direction effective", "remunerations" im Originaltext pruefen. - Verwaltungsvereinbarung Grenzgaenger 16.02.2006 liegt zweisprachig vor. ### Online-Portale - **impots.gouv.fr**: zentrale franzoesische Steuerverwaltung. - **service-public.fr**: amtliche Hinweise zu Steuerverfahren. ## Trade-off-Tabelle | Trade-off | Pfad A | Pfad B | Empfehlung | |---|---|---|---| | Grenzgaenger-Status halten (Wohnsitz/Arbeit beide in 20-km-Zone) vs. Aufgeben | Wohnsitzstaat-Besteuerung, geringe Verwaltungsdichte | regulaere Art. 15 OECD-MA-Pruefung (Arbeitgeberstaat) | bei stabiler Konstellation in der Zone Status guenstiger; bei zunehmender Reisetaetigkeit Wechsel pruefen | | Schachteldividende FR-SA an DE-Mutter ueber DBA Art. 9 (0 Prozent Schachtel) vs. EU-MTRL | DBA bereits 0 Prozent — vorab Freistellung an FR-Quelle | EU-MTRL § 43b EStG: 0 Prozent | bei Schachtelbeteiligung beide Pfade greifen — § 43b EStG einfacher | | Pension FR Securite Sociale Kassenstaat vs. private Pension Wohnsitzstaat | FR-Steueranspruch (bei Kassenstaat-Klausel) | DE-Steueranspruch (bei Wohnsitz) | klare Klassifikation der Pension-Art zentral | | Wegzug nach FR vs. Wohnsitz halten | sofortige § 6 AStG-Wegzugsbesteuerung (bei EU-Wegzug Stundungsmoeglichkeit nach ATAD) | Wohnsitz halten, deutsche Steueranspruch | je nach stillen Reserven | ## Edge Cases — was Pruefer triggert - **1959er-Norm-Nummerierung mit OECD-MA verwechseln**: Klassiker — Art. 13 Abs. 5 DBA-FR ist Grenzgaenger, NICHT Art. 15 OECD-MA. Im Memo vor Zitat Stelle pruefen. - **Karlsruhe oder Stuttgart als deutscher Wohnsitz mit Arbeit in Strassburg**: scheitert am Grenzzonen-Erfordernis (Karlsruhe/Stuttgart nicht in 20-km-Zone) — Grenzgaengerstatus ausgeschlossen. - **45-Tage-Schaedlichkeit mit Krankheitstagen verwechselt**: Krankheits- und Urlaubstage sind regelmaessig NICHT schaedlich; nur Dienstreisen/Tagungen/Schulungen zaehlen — Konkrete Zaehlung aus Verwaltungsvereinbarung 16.02.2006. - **Securite Sociale vs. private Pension**: franzoesische gesetzliche Renten ("Caisse Nationale d'Assurance Vieillesse") werden in der Praxis als Kassenstaat-Pensionen behandelt; berufsstaendische Caisses (AGIRC-ARRCO) gesondert. - **Erbschaftsteuer-DBA vs. Einkommensteuer-DBA**: Mandanten verwechseln regelmaessig die beiden DBA — Erbschaftsteuer-DBA (BGBl. 2007 II S. 900) erfasst nur ErbSt/SchenkSt, nicht laufende Einkuenfte. - **Konsultationsvereinbarung 20.03.2025 (BMF 19.05.2025)**: Anwendung Kassenstaatsprinzip Art. 14 Abs. 1 für ehemalige franzoesische Bedienstete — bei aelteren Mandanten-Memos vor 2025 pruefen. ## Berechnungsbeispiel — Grenzgaenger Elsass-DE > Mandant Wohnsitz Kehl (in 20-km-Zone), Arbeit in Strassburg (in 20-km-Zone) bei FR-SARL. Bruttolohn 70.000 EUR p.a. 30 Dienstreisetage in Paris (ausserhalb Zone), unter 45-Tage-Schwelle. > > Schritt 1: Wohnsitz und Arbeitsort beide in der 20-km-Zone. 30 Nicht-Rueckkehrtage unter 45-Tage-Schaedlichkeitsschwelle. Grenzgaengerstatus erfuellt. > > Schritt 2: Wohnsitzstaat-Besteuerung (DE). FR-Arbeitgeber **kein** franzoesischer Steuerabzug bei Vorlage Grenzgaengerbescheinigung (formulaire 2042). > > Schritt 3: In DE Anlage N-AUS und Anlage AUS; volle deutsche EStG-Pflicht auf den Lohn. ## Berechnungsbeispiel — Dividende FR-SA an DE-Privatperson (Streubesitz) > Mandant in DE wohnhaft, Dividende 10.000 EUR aus FR-SA. FR-Quellensteuer 12,8 Prozent (nationaler Standardsatz) = 1.280 EUR. DBA-Hoechstsatz für Streubesitz = 15 Prozent — nationale 12,8 Prozent darunter, keine Erstattung. > > Schritt 1: DE-Abgeltungsteuer 25 Prozent + 5,5 Prozent Soli = 26,375 Prozent von 10.000 = 2.637,50 EUR. > > Schritt 2: Anrechnung der FR-Quellensteuer nach § 32d Abs. 5 EStG (max. 15 Prozent nach DBA = 1.500 EUR; tatsaechlich nur 1.280 EUR FR-Steuer): voll anrechenbar = 1.280 EUR. > > Schritt 3: Verbleibende deutsche Steuer = 2.637,50 - 1.280 = 1.357,50 EUR. > > Anmerkung: bei Ueberhang FR-Steuer > DBA-Hoechstsatz Erstattungsantrag mit Cerfa 5000/5001 an SIPNR Noisy-le-Grand; konkrete Saetze auf impots.gouv.fr verifizieren. ## Quellen und Updates Stand: 05/2026. DBA-Frankreich 21.07.1959 (BGBl. 1961 II S. 397/398), Aend.-Prot. 31.03.2015 (BGBl. 2015 II S. 1332/1335), MLI wirksam ab 01.01.2025 (BGBl. 2025 II Nr. 5). Verwaltungsvereinbarung Grenzgaenger 16.02.2006. Gemeindelisten 20-km-Zone und Quellensteuer-Saetze im aktuellen BMF-Schreiben pruefen.