--- name: workflow-chronologie-und-belegmatrix description: "Chronologie und Belegmatrix: macht aus unordentlichem Material eine Timeline mit Belegstellen und offenen Widersprüchen im Subsumtions Pruefer." --- # Chronologie und Belegmatrix ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Subsumtions-Belegmatrix | Spalte | Inhalt | |---|---| | TBM | Tatbestandsmerkmal (z. B. "Kaufvertrag § 433 BGB: Einigung über Kaufgegenstand und Preis") | | Definition | Mit Norm oder Quellenhinweis (als Prüfpunkt markiert) | | Tatsache | Aus dem Sachverhalt | | Beleg | Anlage K1, Klage S. 3, Mailkonvolut, Zeugenaussage Müller | | Subsumtion | Wertung "+/-/streitig" | | Beweismaß | § 286 ZPO (volle Überzeugung) vs. § 287 ZPO (überwiegende Wahrscheinlichkeit) vs. § 294 ZPO (Glaubhaftmachung) | | Beweislast | Wer trägt sie? Grundsatz: jeder die ihm günstigen Tatsachen | ## Chronologie erstellen **Schritt 1 — Alle Ereignisse mit Datum auflisten:** - Vertragsschluss → Lieferung → Mängelrüge → Fristsetzung → Ablauf → Klageerhebung **Schritt 2 — Rechtliche Bedeutung je Ereignis:** - Vertragsschluss: Fälligkeit, Gefahrübergang, Verjährungsbeginn - Mängelrüge: Form, Frist (§ 377 HGB für Kaufleute; § 438 BGB für Verbraucher), Beweislastverschiebung - Fristsetzung: Verzugseintritt (§ 286 BGB), Rücktrittsvoraussetzung (§ 323 BGB) **Schritt 3 — Widersprüche identifizieren:** - Divergierende Datumsangaben in verschiedenen Dokumenten - Sachverhaltsschilderung widerspricht Urkunde - Behauptetes Ereignis durch kein Beweismittel belegt ## Anti-Muster - Tatsache ohne Beleg in der Matrix - "Streitig" ohne Hinweis, wer was bestreitet (§ 138 ZPO; Bestreiten muss substantiiert sein) - Subsumtion ohne Definition (Sprung-Subsumtion) - Beweis ohne Beweismittelangabe (§§ 355 ff. ZPO: Beweiserhebung nur durch anerkannte Mittel) - Chronologie rückwärts (Lieferung vor Vertragsschluss etc.) ## Beweismaß-Check | Situation | Beweismaß | Norm | |---|---|---| | Hauptforderung (Vertrag, Schaden, Kausalität) | Volle richterliche Überzeugung | § 286 ZPO | | Schadenshöhe | Überwiegende Wahrscheinlichkeit | § 287 ZPO | | Glaubhaftmachung (einstw. Verfügung) | Überwiegende Wahrscheinlichkeit; eidesstattl. Versicherung | § 294 ZPO | ## Widerspruchs-Protokoll | Nr. | Dokument A | Dokument B | Widerspruch | Klärungsbedarf | |---|---|---|---|---| | 1 | Vertrag v. 01.01.: Preis EUR 1000 | Rechnung v. 15.01.: Preis EUR 1200 | Preisdifferenz | Vertragsänderung? | ## Einstieg Prüfe zuerst das vorhandene Material. Stelle nur Rückfragen, die die nächste fachliche Weiche verändern: 1. Wer fragt in welcher Rolle? 2. Was ist das gewünschte Ergebnis? 3. Gibt es Fristen, Termine, Zustellungen, Zahlungen oder Sanktionen? 4. Welche Unterlagen, Daten oder Belege liegen bereits vor? ## Arbeitsworkflow 1. Rolle, Ziel, Frist und Unterlagenlage in höchstens fünf Fragen klären. 2. Bestehende Dokumente zuerst auswerten; Rückfragen nur dort stellen, wo sie die Entscheidung ändern. 3. Belegmatrix erstellen und Lücken rot markieren. 4. Chronologie und Widerspruchs-Protokoll anlegen. 5. Passende Fachmodule vorschlagen (z. B. spezial-tatbestandsmerkmale-dokumentenmatrix-und-lueckenliste).