--- name: internationales-privatrecht-kollidierende-agb description: "Anwendbares Recht bei grenzüberschreitenden Vertraegen und Delikten bestimmen: Auslandsbezug im Prozess erfordert IPR-Prüfung. Normen: Rom-I-VO (vertragliche Schuldverhältnisse), Rom-II-VO (außervertragliche), Art. 4 ff. EGBGB (autonomes IPR), Art. 9 Rom-I (Eingriffsnormen, z.B. DSGVO). Prüfraste..." --- # Internationales Privatrecht ## Arbeitsbereich Anwendbares Recht bei grenzüberschreitenden Vertraegen und Delikten bestimmen: Auslandsbezug im Prozess erfordert IPR-Prüfung. Normen: Rom-I-VO (vertragliche Schuldverhältnisse), Rom-II-VO (außervertragliche), Art. 4 ff. EGBGB (autonomes IPR), Art. 9 Rom-I (Eingriffsnormen, z.B. DSGVO). Prüfraster: Rechtswahlklausel, Anknuepfung ohne Rechtswahl, Eingriffsnormen, ordre public Art. 21 Rom-I, Verhältnis zu CISG. Output IPR-Prüfschema, anwendbares Recht. Abgrenzung: CISG siehe cisg-prüfen; Incoterms siehe incoterms-und-gefahruebergang; EU-Zuständigkeit siehe zulässigkeit-prüfen. Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output. ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Spezialwissen Bei Auslandsbezug immer prüfen, welches Recht zur Anwendung kommt. ## Triage zu Beginn 1. Liegt überhaupt Auslandsbezug vor (Sitz der Parteien, Erfüllungsort, Schadensort)? 2. Welches EU-Kollisionsrecht ist einschlägig — Rom-I (Vertrag) oder Rom-II (Delikt/Bereicherung)? 3. Haben die Parteien eine wirksame Rechtswahl getroffen (Art. 3 Rom-I)? 4. Ist CISG vorrangig anwendbar (vor dem IPR-Kollisionsrecht)? ## Aktuelle Rechtsprechung - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Zentrale Normen - Verordnung (EG) Nr. 593/2008 (Rom-I) — vertragliche Schuldverhältnisse - Art. 3: Rechtswahl - Art. 4: Anknüpfung ohne Wahl (charakteristische Leistung) - Art. 6: Verbraucherverträge (Schutz des Verbrauchers) - Art. 9: Eingriffsnormen (DSGVO, AGB-Recht, Datenschutz) - Verordnung (EG) Nr. 864/2007 (Rom-II) — außervertragliche Schuldverhältnisse - Art. 4: Erfolgsortprinzip - Art. 3 ff. EGBGB — autonomes deutsches IPR - CISG — internationales Einheitskaufrecht, vorrangig ## Schritt-für-Schritt-Workflow 1. **Auslandsbezug feststellen:** Welche Anknüpfungspunkte liegen im Ausland? 2. **Vorrang prüfen:** CISG anwendbar? Wenn ja: CISG gilt, kein IPR nötig. 3. **Rom-I oder Rom-II:** Vertragliches Schuldverhältnis → Rom-I; außervertraglich → Rom-II. 4. **Rechtswahl prüfen (Art. 3 Rom-I):** Wirksame Vereinbarung? Ausdrücklich oder konkludent? 5. **Anknüpfung ohne Wahl (Art. 4 Rom-I):** Charakteristische Leistung bestimmen. 6. **Eingriffsnormen (Art. 9 Rom-I):** DSGVO, AGB-Recht, Mietrecht (§ 565 BGB) etc. 7. **Ordre public (Art. 21 Rom-I):** Greifen Kernwerte des deutschen Rechts ein? ## Output-Template **Adressat:** Entscheidungsgründe — Tonfall: sachlich-juristisch ``` ## Anwendbares Recht (IPR) **Auslandsbezug:** [Beklagte hat Sitz in USA / Erfüllungsort in Schweiz / Schaden in Deutschland]. **CISG:** [Das CISG ist anwendbar / nicht anwendbar, weil ...] **Kollisionsrecht (Rom-I):** Das Schuldverhältnis ist vertraglich. Die Parteien haben [keine] Rechtswahl getroffen. Nach Art. 4 Abs. 1 lit. a Rom-I gilt das Recht des Staates, in dem der Verkäufer seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat: [STAAT]. **Eingriffsnormen:** Die DSGVO ist als Eingriffsnorm (Art. 9 Rom-I) anwendbar. ``` ## Reihenfolge 1. **Völker- und EU-rechtliche Vorrang-Regeln**: CISG, FAA, COTIF, Montrealer Übereinkommen, MARPOL usw. 2. **EU-Verordnungen**: Rom-I (Verordnung Nr. 593 2008), Rom-II (Verordnung Nr. 864 2007), Rom-III (Familiensachen) 3. **Bilaterale Abkommen** (z. B. mit Iran) 4. **Autonomes deutsches IPR**: Artikel 3 ff EGBGB ## Rom-I - Artikel 3: Rechtswahl - Artikel 4: ohne Rechtswahl - Anknuepfung an die charakteristische Leistung - Artikel 6: Verbraucherverträge - günstigeres Recht des gewoehnlichen Aufenthalts des Verbrauchers - Artikel 9: Eingriffsnormen des Forums (DSGVO ist Eingriffsnorm im Sinne dieser Vorschrift, Erwaegungsgrund 81 Rom-I, st. Rspr. der nationalen Gerichte und EuGH) - Artikel 21: ordre public ## Rom-II - Artikel 4: Erfolgsortprinzip - Artikel 17: Sicherheits- und Verhaltensregeln am Handlungsort ## Eingriffsnormen DSGVO Artikel 3 (raeumlicher Anwendungsbereich) ist Eingriffsnorm. Das deutsche Datenschutzrecht ist auf Verarbeitungen anwendbar, die sich an Personen in der EU richten, unabhängig vom Sitz des Verantwortlichen.