--- name: vollrelation-langfassung-vorlaeufige description: "Vollständige Relation im Schulstandard für Referendar-/Assessorprüfung ausformulieren: Kandidat benoetigt Langfassung mit gutachterlichem Stil. Normen: §§ 253 ff. und 286 und 313 ZPO. Prüfraster: Sachbericht, Auslegung Streitgegenstand, jede Station (Zulässigkeit, Schluessigkeit, Erheblichkeit, R..." --- # Vollrelation Langfassung - Schulstandard für Prüfung ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Spezialwissen **Vorsicht: hiermit bitte nicht mogeln im Studium.** Dieser Skill schreibt eine ausformulierte Vollrelation auf Prüfungsstandard. Genau deswegen ist die Verwendung als eingereichte Klausur- oder Hausarbeitsleistung im juristischen Vorbereitungsdienst eine Prüfungstaeuschung (Paragraf 14 JAG NRW Paragraf 12 JAPO Bayern und vergleichbare Vorschriften der Länder). Folge: Nichtbestehen Aberkennung Disziplinarverfahren. Erlaubt und sinnvoll: Erst selbst schreiben dann mit dieser Vollrelation abgleichen und Schwaechen finden. Dieser Skill schreibt eine ausformulierte Vollrelation in der Form wie sie im Referendariat und in der Assessor/-innen-Prüfung verlangt wird. Im Gegensatz zur Praxis-Kurzform werden alle Stationen ausgeschrieben als Fliesstext mit Obersatz Definition Subsumtion Ergebnis (Gutachtenstil im Sachverhalt-Teil; Urteilsstil nur dort wo am Ende übernommen wird). Laenge: 8 bis 20 Seiten je nach Aktenumfang. Schreibstil: gutachterlich klar normverankert. Jedes Zitat einer Norm in der Form **Paragraf 433 BGB** oder **Artikel 35 CISG**. ## Aufbau (zwingend in dieser Reihenfolge) ### Teil A Sachbericht Chronologischer neutraler Bericht. Unstreitiges im Indikativ Perfekt. Streitiges in der Form **Die Klägerin behauptet ...** und **Die Beklagte bestreitet ...**. Anträge im Originalwortlaut zitieren. Laenge: ein bis vier Seiten je nach Aktenumfang. ### Teil B Auslegung Genau bezeichnen welcher Streitgegenstand vorliegt. Bei Klagehaeufung jeden Antrag einzeln auslegen. Hilfsantrag prozessualer Eventualantrag. ### Teil C Zulässigkeit Jeden Pruefpunkt mit eigenem Absatz. Beispielstruktur: > **Internationale Zuständigkeit.** Die internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte ergibt sich aus Artikel 7 Nummer 1 b der Verordnung Nummer 1215 2012 (EuGVVO). Danach kann eine Person die ihren Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats hat in einem anderen Mitgliedstaat vor dem Gericht des Erfüllungsorts verklagt werden. Erfüllungsort ist nach Artikel 7 Nummer 1 b erster Spiegelstrich der Ort der vertraglichen Lieferung. Hier wurde die Brille nach Hamburg geliefert. Die internationale Zuständigkeit ist gegeben. Für jeden Pruefpunkt einen solchen Absatz schreiben. Bei nicht problematischen Punkten kurz halten (eine Zeile genuegt). ### Teil D Schlüssigkeit Die Schlüssigkeitsprüfung ist das Herzstück. Schreibe in dieser Form: > **Anspruch der Klägerin gegen die Beklagte auf Zahlung von 1197 EUR Zug um Zug gegen Rueckgabe nach Artikel 81 Absatz 2 CISG.** > > Die Klägerin koennte einen Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises gegen die Beklagte aus Artikel 81 Absatz 2 CISG haben. Voraussetzungen sind ein wirksamer Kaufvertrag im Anwendungsbereich des CISG eine wesentliche Vertragsverletzung der Beklagten und eine wirksame Aufhebungserklärung der Klägerin. > > **a) Anwendbarkeit des CISG.** Das CISG ist anwendbar gemäß Artikel 1 Absatz 1 a CISG ... > **b) Wirksamer Kaufvertrag.** ... > **c) Vertragsmaessigkeit der Ware.** Nach Artikel 35 Absatz 1 CISG ... > **d) Wesentliche Vertragsverletzung Artikel 25 CISG.** ... > **e) Aufhebungserklärung Artikel 26 CISG.** ... > > **Zwischenergebnis Schlüssigkeit:** Bei unterstellter Richtigkeit des Klägervortrags hat die Klägerin einen Anspruch aus Artikel 81 Absatz 2 CISG auf Zahlung von 1197 EUR Zug um Zug gegen Rueckgabe der Brille. Die Klage ist schlüssig. Wenn die Klage unschlüssig ist: Klar herausarbeiten an welchem Tatbestandsmerkmal es hängt; dann Hinweis nach Paragraf 139 ZPO erwaegen. ### Teil E Erheblichkeit Für jeden Beklagteneinwand einen eigenen Absatz: > **Einwand 1: AGB-Gerichtsstandsvereinbarung Zuerich.** Die Beklagte beruft sich auf Ziffer 18.1 ihrer AGB. Diese Klausel waere nur wirksam wenn sie nach Artikel 25 EuGVVO formgerecht vereinbart waere und nicht durch eine kollidierende Klausel der Klägerin verdraengt würde. Hier liegt der Knock-out-Fall vor (BGH siehe oben). Damit ist der Einwand unerheblich. > > **Einwand 2: CISG-Ausschluss durch AGB.** Die Beklagte beruft sich auf Ziffer 17.1. ... > > **Einwand 3: kein Sachmangel.** ... > > **Einwand 4: Gefahrübergang FOB Galway.** ... Für jeden Einwand am Ende festhalten: **erheblich** oder **unerheblich** und warum. ### Teil F Replik Die Repliken der Klägerin durchgehen und wie in Teil E klassifizieren. ### Teil G Beweisstation Tabelle mit allen verbleibenden streitigen Tatsachen Beweislast Beweismittel Beweismass. ### Teil H Tenorierungsvarianten Drei Varianten ausschreiben: > **Variante A** (Klage vollständig begründet): Tenor lautet ... > **Variante B** (Klage teilweise begründet): Tenor lautet ... > **Variante C** (Klage abzuweisen): Tenor lautet ... Die wahrscheinlichste Variante markieren und kurz begründen. ### Teil I Nebenentscheidungen Kosten vorläufige Vollstreckbarkeit Streitwert Zinsen Rechtsmittelzulassung. Wie in Skill `relation-zivil` Station 9 aber ausformuliert. ### Teil J Selbstkontrolle Fragenkatalog am Ende: - Sind alle Anträge beschieden? - Sind alle erheblichen Einwendungen abgearbeitet? - Ist der Tenor vollstreckungsfähig? - Sind die Kosten richtig verteilt? - Ist die vorläufige Vollstreckbarkeit korrekt? - Ist die Rechtsmittelbelehrung erforderlich? ## Stilfragen - Keine Wertungen im Sachbericht. - Konjunktiv I für Parteivortrag (Die Klägerin behauptet die Brille zeichne ...). - Indikativ für Unstreitiges (Die Klägerin hat die Brille am 19. Februar 2026 erhalten). - Normzitate ausgeschrieben (Paragraf 433 Absatz 1 Satz 1 BGB). - Keine Abkürzungen wie BGH BVerfG sondern Bundesgerichtshof Bundesverfassungsgericht beim ersten Auftreten ausschreiben.