--- name: verfassungsrechtliche-pruefung description: "Verfassungsrechtliche Prüfung einer Massnahme oder Norm umfassend durchführen. Art. 1-20 GG Grundrechte Staatsorganisationsrecht. Prüfraster: formelle Verfassungsmäßigkeit Grundrechtsprüfung Staatsstrukturprinzipien Verhältnismäßigkeit EU-Recht. Output: umfassendes Verfassungsprüfmemo. Abgrenzung..." --- # Verfassungsrechtliche Prüfung — Master-Workflow ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Fachkern: Verfassungsrechtliche Prüfung — Master-Workflow - **Normen-/Quellenanker:** GG, BVerfGG, VwGO/ZPO/StPO-Schnittstellen, Gesetzgebungskompetenz, Grundrechte, Verfassungsbeschwerde, konkrete/abstrakte Normenkontrolle. - **Entscheidende Weiche:** Prüfe Beschwerdegegenstand, Beschwerdebefugnis, Rechtswegerschöpfung, Frist, Prüfungsmaßstab, Einschätzungsprärogative und Folgenabwägung. ## Disclaimer (Schlüsselstelle, mehrfach) Verfassungsrechtliche Prüfungen sind hochspezialisiert und haben existentielle Folgen für Mandanten und Allgemeinheit. Diese Prüfung ist **kein Ersatz** für anwaltliche Mandatsbearbeitung durch eine verfassungsrechtliche Spezialkanzlei. Bei konkreten Vorhaben (Verfassungsbeschwerde, Stellungnahme, Gutachten) ist eine Spezialkanzlei einzuschalten. ## Quellenpflicht Vor jeder verfassungsrechtlichen Aussage ist Skill `bverfg-rechtsprechung-recherchieren` aufzurufen. Jede tragende Aussage benötigt einen BVerfG-Pinpoint (Az. + Rn. + URL). ## Prüfungsgegenstand klären Vor Beginn der Prüfung ist zu klären, was eigentlich geprüft wird: - **Formelles Gesetz** (Bundes- oder Landesgesetz) - **Rechtsverordnung** (Prüfung gegen Ermächtigungsnorm und unmittelbar gegen GG) - **Satzung** - **Verwaltungsakt** oder sonstige Maßnahme der vollziehenden Gewalt - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ## Gesamtschema ### A. Formelle Verfassungsmäßigkeit **Skill aufrufen:** `gesetzgebungskompetenz-pruefen` und `formelle-verfassungsmaessigkeit`. 1. **Zuständigkeit (Gesetzgebungskompetenz)** - Art. 70 GG (Grundregel: Länder, soweit GG nicht Bund) - Art. 71–72 GG (ausschließliche und konkurrierende Gesetzgebung) - Art. 73 GG (Katalog Bund ausschließlich) - Art. 74 GG (Katalog konkurrierend) ggf. mit Art. 72 Abs. 2 GG (Erforderlichkeitsklausel) oder Art. 72 Abs. 3 GG (Abweichungsgesetzgebung) - Art. 75 GG a.F. (Rahmengesetzgebung) — **seit Föderalismusreform 2006 abgeschafft** - Bei Verwaltungskompetenzen: Art. 83 ff. GG 2. **Verfahren (Art. 76–82 GG)** - Einbringung (Art. 76 GG) - Drei Lesungen im Bundestag (§§ 78–86 GOBT) - Beteiligung Bundesrat (Art. 77, 78 GG — Zustimmungs- vs. Einspruchsgesetz) - Ausfertigung durch Bundespräsidenten (Art. 82 Abs. 1 S. 1 GG) - Verkündung im Bundesgesetzblatt (Art. 82 Abs. 1 S. 1 GG) 3. **Form** - Bestimmtheitsgebot (rechtsstaatliches Erfordernis) - Zitiergebot (Art. 19 Abs. 1 S. 2 GG bei Grundrechtseinschränkungen) - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ### B. Materielle Verfassungsmäßigkeit **Skill aufrufen:** `grundrechtspruefung` und `verhaeltnismaessigkeit`. Pro betroffenem Grundrecht und pro betroffener Verfassungsnorm separat: 1. **Schutzbereichseröffnung** — persönlich und sachlich 2. **Eingriff** — modern: jede Beeinträchtigung des Schutzbereichs, klassisch: final, unmittelbar, rechtsförmig, mit Befehl/Zwang 3. **Verfassungsrechtliche Rechtfertigung** - Schranke (einfacher Gesetzesvorbehalt, qualifizierter Vorbehalt, verfassungsimmanente Schranken bei vorbehaltlosen Grundrechten) - Schranken-Schranken (Verhältnismäßigkeit, Wesensgehalt Art. 19 Abs. 2 GG, Zitiergebot Art. 19 Abs. 1 S. 2 GG, allgemeine Geltung Art. 19 Abs. 1 S. 1 GG, Wechselwirkung) - **Verhältnismäßigkeit** (Skill `verhaeltnismaessigkeit`): legitimer Zweck, Geeignetheit, Erforderlichkeit, Angemessenheit 4. **Sonstige verfassungsrechtliche Bindungen** - Bundesstaatsprinzip Art. 20 Abs. 1 GG - Demokratieprinzip Art. 20 Abs. 1, 2 GG - Rechtsstaatsprinzip Art. 20 Abs. 3 GG (Vertrauensschutz, Rückwirkungsverbot, Bestimmtheit) - Sozialstaatsprinzip Art. 20 Abs. 1 GG - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. ### C. Gesamtergebnis - Wenn formell **und** materiell verfassungsgemäß: Norm/Maßnahme bestätigt. - Wenn ein Prüfungspunkt scheitert: Norm/Maßnahme verfassungswidrig. - Bei verfassungskonformer Auslegung: Auslegung formulieren, die Norm und GG vereinbart (Grenzen: Wortlaut und gesetzgeberischer Wille). ## Output-Format ``` VERFASSUNGSRECHTLICHE PRÜFUNG Prüfungsgegenstand: A. Formelle Verfassungsmäßigkeit 1. Gesetzgebungskompetenz - Einschlägig: Art. ___ GG - Ergebnis: [vereinbar / unvereinbar] - BVerfG-Pinpoint: ___ 2. Verfahren - Einbringung Art. 76 GG: ___ - Drei Lesungen: ___ - Bundesrat (Art. 77, 78 GG): ___ - Ausfertigung Art. 82 GG: ___ 3. Form - Bestimmtheit: ___ - Zitiergebot Art. 19 Abs. 1 S. 2 GG: ___ - Rechtsprechung: keine Entscheidung aus Modellwissen zitieren; vor Ausgabe über offizielle oder frei zugängliche Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage verifizieren. B. Materielle Verfassungsmäßigkeit 1. Grundrecht ___ - Schutzbereich: ___ - Eingriff: ___ - Rechtfertigung: Schranke ___ / Schranken-Schranken - Verhältnismäßigkeit: - Legitimer Zweck: ___ - Geeignetheit: ___ - Erforderlichkeit: ___ - Angemessenheit: ___ - BVerfG-Pinpoint: ___ C. Gesamtergebnis [verfassungsgemäß / verfassungswidrig / verfassungskonform auslegbar] Quellen - [Liste aller BVerfG-Entscheidungen mit Az., Rn., URL] ``` ## Disclaimer-Wiederholung (vor jedem Output) Diese Prüfung ist eine strukturierte Modellauswertung und **kein Ersatz** für anwaltliche Mandatsbearbeitung. Insbesondere die Beurteilung der Vereinbarkeit konkreter Normen mit dem GG bleibt im Streitfall dem BVerfG vorbehalten (Verwerfungsmonopol Art. 100 GG).