--- name: hartz-iv-bverfge-125-175 description: Hartz-IV-Urteil BVerfGE Band 125 Seite 175 vom 09.02.2010 als Grundrecht auf Gewaehrleistung eines menschenwuerdigen Existenzminimums aus Art 1 I GG iVm Sozialstaatsprinzip Art 20 I GG. Mit absoluter Grenze und Folgen fuer Verhaeltnismaessigkeit von Sozialleistungskuerzungen. --- # Hartz Iv BVerfGE 125 175 ## Sachverhalt Berechnung der Regelleistungen nach SGB II war methodisch intransparent und beruhte teilweise auf Schaetzungen. Klaeger ruegten Hoehe als verfassungswidrig. ## Entscheidung Senat 1 BVerfG, Urteil 09.02.2010, BVerfGE 125, 175 (Hartz IV). SGB II in Teilen verfassungswidrig wegen methodischen Maengeln der Bedarfsermittlung. ## Grundrecht auf menschenwuerdiges Existenzminimum Aus Art 1 I GG in Verbindung mit Art 20 I GG (Sozialstaatsprinzip) folgt ein **Grundrecht auf Gewaehrleistung** eines menschenwuerdigen Existenzminimums. Das Existenzminimum umfasst physische Sicherung (Nahrung Kleidung Hausrat Wohnung Heizung Hygiene Gesundheit) und soziokulturelle Teilhabe. ## Drei Pruefdimensionen 1. **Hoehe** ausreichend? 2. **Methode** der Berechnung transparent und nachvollziehbar? 3. **Verfahren** der Fortschreibung gesichert? ## Bedeutung fuer Verhaeltnismaessigkeit Das Existenzminimum ist eine **absolute Untergrenze**: Sanktionen, Kuerzungen oder Leistungsausschluesse, die diese Grenze beruehren, sind ohne weitere Abwaegung verfassungswidrig. BVerfGE 132, 134 (Asylbewerberleistungen): gleicher Massstab fuer Asylbewerberleistungsgesetz. BVerfGE 152, 68 (Sanktionen SGB II): Sanktionen nach SGB II teilweise verfassungswidrig wegen ueberproportionaler Kuerzung. ## Klausurrelevanz Wenn Sozialleistungen gekuerzt oder versagt werden, pruefe nicht nur Verhaeltnismaessigkeit, sondern auch: - ob die absolute Untergrenze des Existenzminimums beruehrt ist. - ob die Berechnungsmethodik nachvollziehbar ist. - ob Fortschreibung gesichert ist.