--- name: schwangerschaftsabbruch-bverfge-39-1 description: "BVerfGE Band 39 Seite 1 vom 25.02.1975 als Schutzpflicht- und Untermass-Leitentscheidung: wann der Staat nicht nur Eingriffe begrenzen, sondern Grundrechte durch hinreichenden Schutz wirksam sichern muss." --- # Schwangerschaftsabbruch BVerfGE 39, 1: Schutzpflicht und Untermaß ## Anwendungsfall Ein Gesetz soll nicht Freiheit beschränken, sondern Schutz organisieren: Leben, Gesundheit, Klima, Sicherheit oder Schutz besonders verletzlicher Personen. Dann reicht die klassische Übermaßprüfung nicht. Der Skill fragt, ob der Staat **zu wenig** schützt. ## BVerfG-Anker - BVerfG, Urteil vom 25.02.1975, 1 BvF 1/74 u. a., BVerfGE 39, 1. - BVerfG, Urteil vom 28.05.1993, 2 BvF 2/90 u. a., BVerfGE 88, 203. - BVerfG, Beschluss vom 24.03.2021, 1 BvR 2656/18 u. a., BVerfGE 157, 30. - Art. 1 Abs. 1 GG, Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG, Art. 20a GG. ## Prüfpfad 1. **Schutzgut bestimmen:** Welches Grundrecht verlangt aktiven Schutz? 2. **Gefährdungslage rekonstruieren:** Ist die Gefahr real, strukturell, prognostisch oder nur behauptet? 3. **Schutzkonzept des Gesetzgebers lesen:** Beratung, Verfahren, Sanktion, Prävention, Organisation und Kontrolle getrennt erfassen. 4. **Untermaß prüfen:** Nicht jede Schutzlücke ist verfassungswidrig; verfassungswidrig wird es bei evident unzureichendem Schutz oder inkonsistentem Schutzkonzept. 5. **Übermaß gegen Untermaß spiegeln:** Mehr Schutz kann zugleich stärker in Freiheit eingreifen. Das Ergebnis muss beide Seiten sichtbar halten.