--- name: bibliothekslizenz-autor description: "Verlagsrecht: Bibliothekslizenzen für E-Books und E-Lending — UrhG § 27, Onleihe, OverDrive, Lizenzmodelle, EuGH Volksbank-Entscheidung und Zugangssteuerung im Verlagsrecht/Buchpreisbindung: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Verl-033 · Bibliothekslizenz, E-Lending und Zugriff ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Zweck dieses Skills Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken haben besondere Rechte und Lizenzanforderungen für die Bereitstellung von E-Books. Dieser Skill klärt die Rechtslage beim E-Lending, die verschiedenen Lizenzmodelle, Preisbindungsfragen und aktuelle EU-Rechtsprechung zur digitalen Ausleihe. ## Rechtsgrundlagen | Norm | Inhalt | Quelle | |------|--------|-------| | UrhG § 27 | Bibliothekstantieme: Vergütung für Verleih (körperliche Exemplare) | https://dejure.org/gesetze/UrhG/27.html | | UrhG § 19a | Recht der öffentlichen Zugänglichmachung (E-Book-Ausleihe) | https://dejure.org/gesetze/UrhG/19a.html | | UrhG § 52b | Wiedergabe an elektronischen Leseplätzen in Bibliotheken | https://dejure.org/gesetze/UrhG/52b.html | | BuchPrG §§ 5, 6 | Buchpreisbindung: Bibliotheken als Letztabnehmer | https://www.gesetze-im-internet.de/buchprg/ | | EuGH C-174/15 | Volksbank Digitale Ausleihe: Pflicht der Mitgliedstaaten zur E-Lending-Regelung | https://eur-lex.europa.eu | | DSM-RL Art. 8 | Vergriffene Werke und Bibliotheken | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 | ## Rechtslage E-Lending in Deutschland ### Grundprinzip - E-Books sind keine körperlichen Gegenstände; das Erschöpfungsprinzip (§ 17 UrhG) gilt **nicht** für digitale Inhalte. - Bibliothek darf E-Books nur ausleihen, wenn sie eine Lizenz vom Verlag hat. - Keine gesetzliche „Bibliotheksschranke" für digitale Ausleihe vergleichbar der körperlichen Ausleihe (§ 27 UrhG). ### EuGH C-174/15 (Stichting Leenrecht / VOB, „Volksbank") - EuGH hat 2016 entschieden: Mitgliedstaaten können die digitale Ausleihe von E-Books durch Bibliotheken unter bestimmten Bedingungen dem Verleihrecht analog regeln. - Voraussetzungen: Bibliothek hat rechtmäßige Kopie; nur ein Nutzer gleichzeitig; nach Ausleihe kein Verbleib beim Nutzer; angemessene Vergütung. - Deutschland: Hat diese Regelung bisher nicht vollständig umgesetzt; E-Lending basiert auf vertraglichen Lizenzen. ## E-Lending-Plattformen ### Onleihe (DiViBib / ekz) - Größte E-Lending-Plattform in Deutschland; Konsortium öffentlicher Bibliotheken. - Lizenzierungsmodell: Bibliothek kauft Lizenz pro E-Book-Exemplar (single-copy model). - Ein Nutzer je Exemplar gleichzeitig; Ausleihdauer: 7, 14 oder 21 Tage. - Rückgabe: Automatisch nach Ablauf; kein Kopieren möglich. ### OverDrive / Libby - Internationaler Anbieter; in Deutschland v.a. für wissenschaftliche Bibliotheken. - Verschiedene Lizenzmodelle: Per-Checkout, Metered Access (X Ausleihen gesamt), Perpetual Access. ### Wissenschaftliche Bibliotheken: PDA / Patron-Driven Acquisition - Bibliothek lizenziert Pool von E-Books; Nutzer kann auf alle zugreifen; Bibliothek zahlt erst bei tatsächlicher Ausleihe. - Lizenzmodell vom Verlag definiert. ## Lizenzmodelle für E-Lending | Modell | Beschreibung | Kosten | Für wen | |--------|-------------|--------|---------| | Single Copy | Eine Lizenz = ein Nutzer gleichzeitig | Pro Exemplar | Öffentliche Bibliotheken | | Multi-User | Mehrere Nutzer gleichzeitig (x gleichzeitige Nutzer) | Aufschlag auf Einzellizenz | Uni-Bibliotheken | | Metered Access | X Ausleihen gesamt, dann abgelaufen | Pauschal | Mittel-Bibliotheken | | Perpetual Access | Dauerhafter Zugang ohne Laufzeitbeschränkung | Einmalig | Große Bibliotheken | | Subscription | Jährliche Abonnement-Lizenz | Jahresgebühr | Hochschulkonsortien | ## Preisbindung für Bibliothekslizenzen - Bibliotheken kaufen E-Book-Lizenzen, keine körperlichen Bücher → Preisbindung (BuchPrG) gilt streng genommen nicht für Lizenzverträge (nur für Bücher i.S.d. § 2 BuchPrG). - **Praxis**: Verlage setzen Bibliothekspreise für Lizenzen frei; keine BuchPrG-Bindung. - Für physische Bücher, die Bibliotheken kaufen: BuchPrG gilt; Bibliothek ist Letztabnehmer (§ 5 BuchPrG). ## § 52b UrhG — Elektronische Leseplätze - Bibliotheken dürfen auf Terminals in Bibliotheksräumen urheberrechtlich geschützte Werke anzeigen. - Voraussetzung: Lizenzangebot des Verlags; Anzahl der Terminals ≤ Anzahl erworbener körperlicher Exemplare. - BGH „Elektronische Leseplätze II", I ZR 69/11: Kontext bestätigt; nur körperlich vorhandene Exemplare dürfen gleichzeitig angezeigt werden. ## Vergriffene Werke und Bibliotheken (DSM-RL Art. 8) - DSM-RL Art. 8–11: Bibliotheken dürfen vergriffene Werke digitalisieren und zugänglich machen, wenn Rechteklärung erfolgt ist. - Deutschland: Umsetzung in § 61d ff. UrhG (Sonderregelung für Kultureinrichtungen). - Verlag kann Opt-Out erklären: „Mein Werk ist nicht vergriffen; keine Bibliotheksdigitalisierung." ## Typische Fallen - **E-Lending ohne Lizenz**: Bibliothek stellt E-Books ohne Verlagslizenz auf eigener Plattform bereit → Urheberrechtsverletzung (§ 97 UrhG). - **Single-Copy-Lizenz mit Multi-Zugang**: Bibliothek implementiert Plattform, die mehrere gleichzeitige Nutzer erlaubt → Vertragsverletzung. - **Preisbindung für physische Bücher an Bibliotheken**: Buchhandlung gewährt Bibliothek 15 % unter Ladenpreis ohne Verlagsfreigabe → Preisbindungsverstoß. - **§ 52b-Überschreitung**: Bibliothek zeigt mehr Terminals an als Buchexemplare vorhanden → Urheberrechtsverletzung. ## Checkliste Bibliothekslizenz - [ ] Lizenzvertrag mit E-Lending-Plattform abgeschlossen (Onleihe, OverDrive, etc.) - [ ] Lizenzmodell und gleichzeitige Nutzer klar definiert - [ ] Preisbindung für physische Bibliothekskäufe geprüft (Buchhandel als Zwischenstufe) - [ ] § 52b-Compliance: Terminanzahl ≤ Exemplaranzahl - [ ] Vergriffene Werke: Opt-Out gegenüber Bibliotheken erklärt (falls nötig) - [ ] E-Lending-Plattformvertrag auf Datenschutz geprüft (DSGVO) ## Quellenreferenzen - UrhG §§ 27, 52b: https://dejure.org/gesetze/UrhG/52b.html - EuGH C-174/15 (Volksbank): https://eur-lex.europa.eu - DSM-RL Art. 8: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 - BGH „Elektronische Leseplätze II" I ZR 69/11: https://www.bgh.de - Onleihe / DiViBib: https://www.onleihe.de ## Output-Formate - **Lizenzmodell-Vergleich**: Single Copy, Multi-User, Metered Access - **E-Lending-Vertragsprüfung**: Plattformvertrag auf Konformität - **Preisbindungscheck für Bibliothekskäufe** - **Vergriffene-Werke-Opt-Out-Erklärung** - **§ 52b-Compliance-Protokoll**