--- name: ki-generierte-inhalte-im-verlag description: "Verlagsrecht: KI-generierte Texte, Bilder und Übersetzungen im Verlag — Urheberrechtsstatus, Kennzeichnungspflichten, Vertragsklauseln und Haftungsrisiken (EU AI Act, UrhG) im Verlagsrecht/Buchpreisbindung: prüft konkret die einschlägigen Tatbestandsmerkmale, Fristen, Belege und Rechtsprechung." --- # Verl-019 · KI-generierte Inhalte im Verlag ## Arbeitsweg - Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht? - Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: die im Fachgebiet einschlägigen Verfahrens-, materiellen und Anmeldefristen vorab markieren und nicht aus Modellwissen finalisieren (insbesondere Widerspruch 1 Monat, Klage 1 Monat, Verjährung §§ 195, 199 BGB / spezialgesetzlich). - Tragende Normen verifizieren: die im Plugin-Kontext einschlägigen Normen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, eur-lex.europa.eu und die amtlichen Bundes-/Landesportale live prüfen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate. - Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Gegner, zuständige Behörde oder Gericht, Sachverständige, ggf. EU-/internationale Stelle (siehe Skill-Detail). - Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Verwaltungsakte, Vertragsurkunden, Schriftsätze, Bescheide, Protokolle, Sachverständigengutachten und externe Beweismittel des Fachgebiets — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis. ## Zweck dieses Skills KI-Werkzeuge (GPT-4, Claude, Midjourney, DeepL etc.) werden zunehmend in der Verlagsproduktion eingesetzt: für Textentwürfe, Bildgenerierung, Übersetzungen, Lektorat und Metadaten. Dieser Skill klärt den **Urheberrechtsstatus KI-generierter Inhalte**, die Kennzeichnungspflichten, die vertragsrechtlichen Anforderungen und die Haftungsrisiken nach aktuellem deutschem und EU-Recht. ## Rechtsgrundlagen | Norm | Inhalt | Quelle | |------|--------|-------| | UrhG § 2 | Werkbegriff: Erfordert menschliche Schöpfung | https://dejure.org/gesetze/UrhG/2.html | | UrhG § 7 | Urheber ist stets eine natürliche Person | https://dejure.org/gesetze/UrhG/7.html | | EU AI Act Art. 50 | Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689 | | DSM-RL Art. 4 | Text- und Data-Mining (TDM) für Forschung | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 | | DSM-RL Art. 4 Abs. 3 | Opt-Out für Rechteinhaber (kein TDM an ihren Werken) | https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 | | UrhG § 44b | Text- und Datamining (nationales Recht) | https://dejure.org/gesetze/UrhG/44b.html | ## Urheberrechtsstatus KI-generierter Inhalte ### Grundprinzip: Kein Urheberrecht ohne menschliche Schöpfung - Deutsches Urheberrecht (§§ 2, 7 UrhG): Urheber ist ausschließlich eine **natürliche Person**. - KI-generierter Text oder ein KI-generiertes Bild ohne menschliche Schöpfungshöhe ist **gemeinfrei** (kein Urheberrechtsschutz). - Keine Schutzfähigkeit von reinen KI-Outputs, selbst wenn qualitativ hochwertig. ### Menschliche Bearbeitung kann Schutz begründen - Wenn Mensch das KI-Ergebnis **schöpferisch bearbeitet, strukturiert, auswählt** → eigenes Urheberrecht an der Bearbeitungsleistung. - Schwelle: Die schöpferische Eigenleistung des Menschen muss erkennbar und nicht trivial sein. - Reine Prompt-Eingabe allein: Zu wenig; erhebliche redaktionelle Nachbearbeitung: ausreichend. ### Praktische Konsequenzen für Verlage - Rein KI-generierter Text im Buch: Kein Urheberrechtsschutz → keine Nutzungsrechte des Verlags nötig; aber auch kein Schutz gegen Nachdruck durch Dritte. - Menschlich nachbearbeiteter KI-Text: Urheberrecht beim bearbeitenden Autor; normaler Verlagsvertrag möglich. ## Kennzeichnungspflichten ### EU AI Act Art. 50 (ab 2025/2026) - Betreiber von KI-Systemen, die Texte, Bilder oder audiovisuelle Inhalte erzeugen, müssen diese als **KI-generiert kennzeichnen**. - Machine-readable Marking: KI-generierte Inhalte sollen mit maschinenlesbaren Markierungen versehen werden (Watermarking). - Ausnahmen: Wenn Inhalte redaktionell bearbeitet wurden und die KI nur Hilfsmittel war (keine automatische Erzeugung). ### Verlagspraxis - **Transparenzvermerk**: Bücher mit wesentlichem KI-Anteil sollten im Impressum einen Hinweis tragen: „Teile dieses Werks wurden mit KI-Unterstützung erstellt und redaktionell überarbeitet." - **Keine gesetzliche Pflicht für Impressum** (noch) — aber Best Practice für Vertrauensschutz. - Fotografien: Midjourney- oder DALL-E-Bilder ohne menschliche Nachbearbeitung → im Bildnachweis als KI-generiert kennzeichnen. ## Text- und Data-Mining (TDM) ### Trainingsdata-Problem - Viele KI-Modelle wurden mit Texten aus dem Internet trainiert, die urheberrechtlich geschützt sind. - Verlag als Rechteinhaber: Kann Opt-Out für TDM erklären (§ 44b Abs. 3 UrhG, DSM-RL Art. 4 Abs. 3). - Opt-Out: Mittels maschinell lesbarer Erklärung auf der Website (z.B. robots.txt, AI-Crawler-Protokoll). ### Verlag als TDM-Betreiber - Verlag möchte eigene Texte für KI-Training nutzen: Braucht Zustimmung der Urheber. - KI-Training-Klausel im Autorenvertrag: Neu notwendig; viele Altverträge schweigen. ## Vertragsgestaltung ### Autorenvertrag: Neue Klauseln 1. **KI-Nutzungsklausel**: „Der Autor erklärt, dass er keine wesentlichen Teile des Manuskripts durch generative KI erzeugt hat, ohne diese zu kennzeichnen." 2. **TDM-Klausel**: „Der Autor stimmt zu / stimmt nicht zu, dass das Werk für das Training von KI-Systemen verwendet werden darf." 3. **KI-Bearbeitungs-Haftung**: „Der Autor sichert zu, dass KI-generierte Inhalte im Manuskript auf Plagiat, Faktentreue und Rechtskonformität geprüft wurden." ### Verlagsvertrag mit KI-Dienstleistern - KI-Lektorate (Grammarly, DeepL Write): Datenschutz-Prüfung; Manuskript nicht ohne Datenschutzklausel hochladen. - KI-Übersetzung (DeepL Pro): Nutzungsrechte an der maschinellen Übersetzung? → DeepL-AGB prüfen. ## Haftungsrisiken ### Halluzinationen und Faktenfehler - KI-generierte Texte können falsche Fakten, Quellenangaben und Zitate enthalten. - Verlag und Autor haften für Inhalte, die Dritte schädigen (§§ 823, 824 BGB, Presserecht). - **Faktencheck-Pflicht**: Bei KI-unterstützten Werken erhöhte redaktionelle Sorgfalt. ### Plagiatrisiko - KI kann Texte reproduzieren, die sie im Training gesehen hat → ungewolltes Plagiat. - Verlag sollte KI-generierten Text durch Plagiatssoftware laufen lassen. ### Markenrechtsverletzung durch KI-Bilder - Midjourney kann Bilder mit Ähnlichkeit zu bekannten Figuren / Markenprodukten erzeugen. - Markenrechtsverletzung und ggf. UrhG-Verletzung möglich. ## Typische Fallen - **KI-Bild ohne Kennzeichnung**: Covergestaltung mit KI-Bild; Leser beschwert sich über fehlende Transparenz; Abmahnpotenzial nach EU AI Act. - **Autorenvertrag ohne KI-Klausel**: Autor liefert zu 80 % KI-Text; Verlag entdeckt dies erst im Lektorat; kein vertragliches Instrument. - **TDM-Opt-Out vergessen**: Verlag hat keinen robots.txt für KI-Crawler → Texte werden für Training genutzt, ohne dass Verlag es merkt. - **DeepL-Übersetzung als Übersetzerwerk deklariert**: KI-Übersetzung ohne menschliche Bearbeitung hat kein Urheberrecht; Übersetzer-Nennung ist irreführend. ## Checkliste KI im Verlag - [ ] Autorenvertrag: KI-Erklärungsklausel und TDM-Opt-In/Out-Regelung - [ ] Manuskript-Faktencheck bei KI-unterstützten Werken - [ ] Plagiatsprüfung für KI-generierte Textanteile - [ ] KI-Bilder im Bildnachweis als KI-generiert gekennzeichnet - [ ] Website: robots.txt mit AI-Crawler-Opt-Out gepflegt - [ ] Datenschutz bei KI-Dienstleistern: Manuskripte nur unter DSGVO-konformem Vertrag hochladen ## Quellenreferenzen - EU AI Act: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689 - UrhG § 44b (TDM): https://dejure.org/gesetze/UrhG/44b.html - DSM-RL Art. 4: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019L0790 - BfJ, KI und Urheberrecht (Positionspapier 2023): https://www.bmj.de - DeepL Pro Nutzungsbedingungen: https://www.deepl.com/de/pro-license ## Output-Formate - **KI-Anteil-Protokoll**: Welche Teile des Werks KI-generiert / KI-unterstützt / menschlich verfasst - **Vertragsklausel-Entwurf**: KI-Erklärung, TDM, Haftung - **Kennzeichnungsvorschlag** für Impressum und Bildnachweis - **TDM-Opt-Out-Erklärung** für Website (robots.txt-Snippet) - **Risikoampel**: KI-Risiken für das konkrete Werk